Waldbaden im Bayerischen Wald

Bayerischer Wald

Goldene Sonnenstrahlen, die durch Baumkronen schimmern. Raschelnde Blätter und das Knistern der Äste, weicher Waldboden, durchzogen von Wurzeln, der Duft von Holz, Moos und feuchtem Laub – seit Jahrhunderten gilt der Wald als ein geheimnisumwitterter, archaischer Sehnsuchtsort. Zahlreich wurde er in Liedern besungen, auf Bildern dargestellt oder in der Literatur beschrieben. Wie auch in Goethes Gedicht „Gefunden“: „Ich ging im Walde/ So für mich hin, /Und nichts zu suchen, /Das war mein Sinn./ (...)“

Auch heute noch strahlt der Wald eine magische Anziehungskraft aus, symbolisiert Gesundheit, Naturwucht und Heil zugleich. Und an keinem anderen Ort, dachte ich, könnte es im heißen Sommer 2018 schattiger sein, als im Bayerischen Wald.

Der Hitze entfliehen im Bayerischen Wald

Der Bayerische Wald ist eines der größten Waldgebiete Mitteleuropas und grenzt direkt an Tschechien. Neben dem ersten und ältesten Nationalpark Deutschlands befinden sich hier außerdem zwei Naturparke, in denen man heimische Tierarten beobachten kann und weitere natürliche Sehenswürdigkeiten. Dicht bewachsene Urwälder, kleine Seen und Hochmoore - all das verteilt auf verschiedene Höhenlagen von etwa 700 Metern bis 1.450 Meter.

Waldwanderung durch den Bayerischen Wald
Hans-Eisenmann-Haus im Nationalpark
Entdeckungen im Wald

Weiß man, wie ich, nicht allzu viel über die regionalen Besonderheiten, ist die erste Anlaufstelle das Hans-Eisenmann-Haus. Es ist eines von zwei Nationalparkzentren, die Besuchern auf besonders anschauliche Weise mehr über die Geschichte des Waldes vermitteln wollen, wie etwa Waldwildnis überhaupt kultiviert wird. Was das Parkmotto „Natur Natur sein lassen“ genau meint, lässt sich nach einem starken Gewittersturm erleben, erfuhr ich. Mitgerissene Bäume bleiben nämlich einfach liegen, werden nach und nach von Borkenkäfern befallen und sterben schließlich ab. Was uns morbide erscheint, bildet aber jenen vollkommen natürlichen Prozess ab, der erst den Weg für einen stabilen und artenreicheren Wald ebnet: das Totholz bietet Lebensraum für viele Tier- und Pilzarten und auf den gefallenen Stämmen entwachsen neue Bäume.

Eine Wanderung mit tierischen Begegnungen

Auf dem Rundweg im Tier-Freigelände soll man bis zu 40 heimische Tierarten sichten können, verspricht das Informationsblatt. Ich sichte Braunbären, die sich in der Sonne wälzen, auch einen Luchs, blicke Uhus in die Augen und teile mir mit einer jungen Wildschwein-Familie die Brombeeren am Wegesrand. Da die Brombeeren nicht ausreichen, kehre ich in eine gemütliche Gaststube ein und entscheide mich zwischen Brotzeit und Semmelknödeln im Anschluss an den Besuch einer traditionellen Glashütte.

Das Gästeservice-Umwelt-Ticket (GUTi) sorgt dafür, dass man alle regionalen Highlights einfach und umweltfreundlich erreichen kann. Mit dem Ticket, das man in vielen Unterkünften erhalten kann, erfährt man die gesamte Region kostenlos per Bus und Bahn.

Tierische Begegnungen auf dem Rundweg

Traditionelle Glaskunst bewundern

Mit dem vielversprechenden Igelbus und der Waldbahn fahre ich weiter nach Frauenau, dem regionalen Zentrum der Glasbläserkunst. Direkt an der „Glasstraße“ gelegen, möchte ich hier mehr über das traditionelle Handwerk erfahren, das die Region bereits seit 700 Jahren prägt. Neben einem Glasmuseum und dem Glasskulpturen-Park gibt es hier auch Glashütten. Hier darf man den Glasmachern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Direkt am Ofen beobachte ich die eindrucksvolle Verwandlung von glühender Masse in kunstvolle Glasobjekte. So manch ein Besucher probiert sich gar selbst als Glasmacher.

Mich zieht es nun zurück in den Wald, recht eigentlich auf einen der zahlreichen Wanderwege. Nicht ohne Grund nennt man den Bayerischen Wald „das grüne Dach Europas“, welches auch an heißen Tagen genügend Schatten spendet, um einen der Gipfel zu erklimmen. Los geht es auf dem Wanderparkplatz am Ortseingang vom Luftkurort Sankt Englmar, hinauf auf den 1.048 Meter hohen Pröllergipfel. Die Wanderung führt durch ein Waldstück aus Buchen und Fichten, die hier wild und naturbelassen wachsen. Je weiter und höher ich gehe, desto weniger Menschen begegnen mir. Es wird still in mir. Kein Straßenlärm, keine Stimmen, kein Glockengeläut - nur in der Ferne das Rauschen eines Gebirgsbaches. Weiter geht es aufwärts, bis vor mir das Gipfelkreuz auftaucht. Die letzten Meter renne ich. Dann öffnet sich der Blick – einen Moment lang erfüllt mich ein unbändiges Gefühl von Freiheit, vom Einssein mit der Natur, und vor der Ehrfurcht vor ihren Regeln, die sich an nichts Menschengemachtes hält. Vielleicht ist es die Autonomie von Wald und Natur, die die Sehnsucht in uns nach ihr reflektieren. Vielleicht ist es Antwort?

In Goethes Gedicht geht es übrigens weiter mit „Im Schatten sah ich /Ein Blümchen stehn, /Wie Sterne leuchtend, /Wie Äuglein schön. //Ich wollt es brechen, /Da sagt es fein: /Soll ich zum Welken Gebrochen sein?“ – schon Goethe verstand, wie wichtig die Achtung vor der Natur ist.

Lisa unterwegs im Bayerischen Wald
Motivation auf Waldwegen

Es gibt viel zu Entdecken – auch vor der eigenen Haustür

Die Reise in den Bayerischen Wald hat mir gezeigt, dass die schönen Orte ganz nah sind. Man muss nicht unbedingt weit fahren oder gar fliegen. Auch unmittelbar vor der Haustür gibt es vieles, mitunter Exotisches zu entdecken. Wie den Bayrischen Wald, einen naturbelassenen Urwald mitten in Deutschland, der meine Sehnsucht beantwortet hat.

Nachhaltig übernachten im Bayerischen Wald. Zum Beispiel in diesen Unterkünften:

Im „7 Sentidos“ in Bischofsmais. Lies dazu auch mehr auf unserem Blog.

In der „Schnitzmühle“ in Viechtach. Lies dazu auch mehr auf unserem Blog.

Auf der „Gutsalm Harlachberg“ in Bodenmais.

Fotocredits: Lisa Klakow

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