Hinter den Kulissen: Von einem Wochenende in der Uckermark

Die Uckermark ist schon etwas Besonderes. Eine außergewöhnliche Region in Brandenburg, etwa eine Stunde nördlich von Berlin gelegen, die aufgrund ihrer sanften Hügellandschaft manchmal auch als „Toskana des Nordens“ bezeichnet wird. Und tatsächlich vermisst man hier das sonst für Brandenburg so typisch flache Land. Vor allem, wenn man – so wie ich – vorhat, die Region mit einem alten Fahrrad ohne Gangschaltung zu erkunden. So geschehen an einem Wochenende im Juli.

Nach gut einer Stunde Bahnfahrt kommen mein Freund und ich also zusammen mit unseren Rädern am kleinen Bahnhof Wilmersdorf in der Nähe von Angermünde an. Das alte Bahnhofsgebäude verrät uns, dass wir uns genau genommen 83,9 Kilometer von Berlin und 146,5 Kilometer von Stralsund entfernt befinden. Von hier aus sind es noch einmal 15 Radminuten, vorbei an abwechselnd lila und rot leuchtenden Kornblumen- und Mohnfeldern und bellenden Haushunden, die gleichzeitig freudig mit dem Schwanz wedeln, bevor wir unser Domizil für die nächsten Tage erreichen: die Alte Schule Stegelitz. Hier erwarten uns bereits die Betreiber Mona und Andreas und nehmen uns herzlich in Empfang.

Mohn- und Kornblumen
Mona und Andreas, die glücklichen Besitzer der Alten Schule Stegelitz

Mona und Andreas arbeiten mit viel Leidenschaft und Engagement

Man merkt den beiden schnell an, dass sie sich mit dem Umzug vom Rande Berlins nach Stegelitz und dem Kauf der alten Schule einen Traum erfüllt haben. Neben dem alten Schulhaus aus dem Jahre 1786, gibt es noch das mit Naturmaterialien erbaute Gästehaus mit insgesamt acht Zimmern, einen Zirkuswagen, der gerade noch renoviert wird, eine kleine Sauna mit Ruheraum sowie eine imposante Dorfkirche aus dem Jahre 1297, für die die beiden direkt noch einen Förderverein gegründet haben. Bei so vielen Projekten wird deutlich, dass Mona und Andreas hier an einem echtem Herzensprojekt arbeiten. „Nur mit Leidenschaft geht das“, sagen die beiden daher völlig zurecht. Und mit dieser Leidenschaft stecken sie uns schnell an.

Der gegründete Förderverein ist nach kurzer Zeit ein voller Erfolg

Der Förderverein „Freunde der Feldsteinkirche Stegelitz e.V.“ hat es sich dabei zum Ziel gemacht, die baufällige Kirche wieder zugänglich zu machen. Ein Treffpunkt soll entstehen, der für ein gutes Zusammenleben in einer Gemeinschaft so wichtig ist. Und damit haben Mona und Andreas einen Nerv getroffen. Innerhalb kürzester Zeit zählt der Verein 120 Mitglieder und mittlerweile sind genügend Gelder zusammengekommen, um den alten Dachstuhl zu sanieren.

Hier sollen bald kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Schon jetzt gibt es einmal jährlich einen Adventsmarkt.

Erste Nutzungskonzepte für die Kirche gibt es auch schon: schon bald sollen hier kulturelle Veranstaltungen stattfinden, bei denen Dorfbewohner und Reisende gleichermaßen zusammenkommen können. Schon jetzt veranstalten Mona und Andreas vor der Kirche jedes Jahr einen Adventsmarkt. Hier bieten Handwerker und Künstler aus der Region ihre Produkte an. Dazu gibt es Live-Musik, eine Bastelstube für Kinder, eine wärmende Feuerschale sowie selbstgemachten Ingwerschnaps, Glühwein, Eintopf und Gegrilltes aus der Region.

Wo früher fleißig gelernt wurde, wird heute ausgiebig gefrühstückt

Das alles erfahren wir, während uns die beiden durch das alte Schulhaus führen. Wo früher noch fleißig gelernt wurde, kann man heute ausgiebig frühstücken und auf andere Gäste treffen. Neben dem gemütlichen Aufenthaltsraum mit Kamin und altem Klavier gibt es einen Seminarraum zum konzentrierten Arbeiten sowie eine Selbstversorgerküche mit Blick in den Schulgarten. Hier wachsen unter anderem Kürbisse und Zucchinis im Hochbeet und zahlreiche Kräuter, mit denen man sich gut und gerne selbst versorgen kann.

Der gemütliche Aufenthaltsraum mit Klavier und Kamin
Der Garten der alten Schule

Demnächst wollen Mona und Andreas ihren Gästen zusätzlich verschiedene Kochkörbe mit Rezepten und Zutaten aus dem eigenen Garten und der Region zum Selbstversorgen anbieten. Bis dahin ist es ratsam, sich selbst mit dem Nötigsten auszustatten, denn der nächste Supermarkt ist circa 17 Kilometer entfernt. Gut also, dass wir mit Nudeln, Pesto und anderen Knabbereien ausgestattet sind. So können wir uns auch am späten Abend, wenn die Restaurants der Region bereits geschlossen sind, wunderbar selbst versorgen.

Rausfahren und regionale Spezialitäten probieren

Man sollte es bei all der Selbstversorgung aber auf keinen Fall verpassen, die regionale Küche zu probieren, denn die Uckermark gehört zum größten zusammenhängenden ökologischen Landbaugebietes Deutschlands und das schmeckt man. Wie praktisch, dass es gleich neben der alten Schule einen Hofimbiss mit köstlicher Kartoffelsuppe gibt, der die hofeigenen Kartoffeln verwendet.

Auch zu empfehlen ist der geräucherte Fisch bei „Glut & Späne“ im nahegelegenen Gerswalde und die Kuchen und Torten im benachbarten Café in einem altem Gewächshaus, welches von zwei Japanerinnen betrieben wird und die dazu vorzügliche Tees servieren. Bis dahin sind es gute 30 Fahrminuten mit dem Fahrrad, die mitten durch die hügelige Landschaft der Uckermark führen. Zugegebenermaßen habe ich mein altes Fahrrad aufgrund der fehlenden Gangschaltung dafür zwischenzeitlich ziemlich verflucht.

Das Café zum Löwen in Gerswalde
Das Café zum Löwen in Gerswalde

Unterwegs viel Platz, wenig Leute und ganz viel Natur

Doch alle Anstrengung ist spätestens dann wieder vergessen, wenn man sich die Hügel herunterrollen lassen kann. Während der Fahrtwind durch die Haare pustet, entspannen sich die Beinmuskeln, der Atem beruhigt sich allmählich und man kann den Blick über die weite Landschaft schweifen lassen.

Denn obwohl die Uckermark flächenmäßig der größte Landkreis Brandenburgs ist, ist er vergleichsweise dünn besiedelt und so kann es vorkommen, dass man lange Zeit keiner Menschenseele begegnet. Stattdessen fährt man vorbei an bunt leuchtenden Blumenwiesen, Feldern, vielen Seen und Wäldern und lauscht dabei zahlreichen Vogelstimmen. Ein wahres Naturparadies also, das es zu entdecken lohnt.

Sabinensee in der Uckermark
Uckermark
Schwarzer Berg Uckermark

Pure Entspannung bei einem Gläschen Wein

Soviel Bewegung an der frischen Luft macht müde. Daher sind wir froh, den Abend zurück in der Unterkunft ganz entspannt bei einem Glas Wein ausklingen lassen zu können. Jedes Zimmer verfügt über einen eigenen kleinen Balkon und während die Sonne untergeht, kann man einen schönen Ausblick über die uckermärkische Landschaft genießen.

Uns wird klar, dass dies nicht unser letzter Besuch in der Alten Schule Stegelitz gewesen sein wird. Diese Region mit seinen besonderen Menschen, die sich mit viel Herz und Engagement einsetzen, verdient es einfach, noch einmal besucht zu werden. Eins ist dabei jedoch jetzt schon sicher: das nächste Mal muss das Rad mit Gangschaltung mit.

Mehr Informationen findest du hier

Fotocredits: Andreas Winter & Lisa Klakow

Blick auf die Weide

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