Fünf Aktivitäten in Tirol für Körper, Seele und Geist

Gleitschirm fliegen Triol

Wenn man einen Urlaub plant, dann geschieht das meist mit einer Intention dahinter: zur Ruhe kommen, Entspannung finden und Abschalten, oder eher Action, in Bewegung sein und etwas erleben? Wir konnten uns bei der Tirolreise auch nicht entscheiden und haben deshalb beides mitgenommen! In Tirol durften wir entspannen, in tollen Unterkünften, aber vor allem in atemberaubender Natur. Dabei wurde uns während unserer Aktivitäten nie langweilig, da wir stets in Bewegung waren. Ob zu Fuß auf Geh- und Wanderwegen durch Berge und Täler (auch Barfuß beim Waldbaden), auf zwei Rädern über Stock und Stein, kletternd an Steilwänden entlang oder im Tandem fliegend durch die Lüfte.

Das Schöne daran ist, dass sich jede:r Reisende selbst überlegen und einteilen kann, wie viel sportliche Aktivitäten ihr/ihm lieb ist. Die Möglichkeiten an Alternativen sind allemal gegeben. Wie so oft, macht es die Mischung aus: Bewegung und Rasten, Zuhören und Schweigen, Bewundern der Natur und sie erleben. Die Krönung der Aktivitäten war, dass wir unglaublich nette Menschen kennenlernen durften, die uns ihr Zuhause gezeigt haben. Nach einer Woche Tirol mit naturnahen Aktivitäten in West- und Osttirol waren Körper, Seele und Geist im Einklang. Selbst nach der Rückkehr nach Berlin, denken wir noch gerne an die Zeit zurück und all das Erlebte!

Waldbaden in Obsteig

In unserer ersten Unterkunft im Stern im Westen Tirols durften wir die gute Seele der Unterkunft, die liebe Elfi, kennenlernen. Sie hat uns zum Wald- beziehungsweise Larchbaden inklusive „Mundräuber-Tour” mitgenommen.

Elfi und ihr Larchbaden

Begrüßt hat sie uns schon am Vortrag mit „Seid’s ihr die Blogger?”, es scheinte sich herumgesprochen zu haben, dass Good Travel in Obsteig angekommen ist. Wir haben Uhrzeit und Treffpunkt für den nächsten Tag vereinbart und die Vorfreude wuchs. Am Nachmittag des nächsten Tages war es soweit: mit Wanderschuhen, Trinkflasche und einem Rucksack, in dem jede:r eine Hängematte verstaute, ging es los Richtung Klammbach. Auf dem Weg in den Wald erzählte uns Elfi voller Begeisterung von den Gästen und besonderen Erlebnissen, die sie mit ihnen hatte.

Elfi ist in Obsteig aufgewachsen und kennt die Natur dort wie ihre Westentasche. Schon in ihrer Kindheit verbrachte sie viel Zeit in den Wäldern um das Dorf und lernte sie immer mehr schätzen. Seit einigen Jahren bietet sie das Waldbaden den Gästen des Sterns an, welche es mit großer Begeisterung und Annahme besuchen. Auch wir waren von Anfang an angetan: bewusst durch den Wald spazieren, seine Geräusche wahrnehmen, auf Pflanzen, Moos, hohe Bäume achten und Tiere beobachten. Währenddessen erfuhren wir allerlei zu verschiedenen Pflanzen- und Baumarten und wie man sie als Heilmittel einsetzen kann. Elfi verriet uns, dass sie beispielsweise Spitzwegerich verwendet, wenn sie Blasen hat oder von Mücken gestochen wurde. In Unterhaltungen mit den Gästen lernt auch Elfi immer wieder etwas Neues, wie beispielsweise von einem Botaniker, der ihr zeigte, dass auch Orchideen in den Wäldern wachsen.

Waldbaden in Obsteig
Mit Elfi im Wald

Barfuß durch den Mooswald

Die bildliche Vorstellung vom Waldbaden vereint Wasser und Wald. Nachdem wir eine ganze Weile barfuß durch den Mooswald am Klammbach liefen - über Moos, Äste, Laub - kamen wir am Klammbach an, dessen Wasser unglaublich kalt, aber gleichzeitig eine wirkliche Erfrischung war. Ein paar Sekunden konnte man es darin aushalten, die Hände abkühlen und im Anschluss die Schuhe wieder anziehen, denn die Larchwiesen warteten schon. Wir machten uns also weiter auf den Weg, diesmal ging es ein bisschen bergauf und vorbei an Butterblumenwiesen. Angekommen an der Kohlanger Weide, konnte es losgehen, das Larchbaden — tirolerisch für den Sprung ins kühle, sanfte Grün, nämlich den Larchwiesen um die Unterkunft.

Es war eine Wohltat nach einigen Kilometern zu Fuß nach zwei Lärchen zu suchen, an denen die mitgebrachten Hängematten befestigt werden konnten. Und schon lag man darin, in der Larchwiese, an Lärchen, in einer Hängematte, in völliger Ruhe, umgeben von dem Zwitschern der Vögel und dem Wehen des Windes. Wir mussten uns erst ein paar Minuten an die Ruhe, ohne menschliches Sprechen, gewöhnen. Aber es dauerte nicht lange und man konnte vollständig abtauchen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn lag man gerade in der Hängematte und hatte die Augen geöffnet, sah man durch die Hängematte nur einen Spalt nach oben, zu sehen waren: der blaue Himmel und die Baumwipfel der Lärchen. Eine gute halbe Stunde konnte wir entspannen, bis uns Elfi vom Waldbaden aufweckte.

Ab auf die Hängematte nach einer erfüllten Wanderung

Von der Natur in den Mund

Die Mundräuber-Tour lädt dazu ein, im Kräutergarten und auch wild in der Natur von ihr zu kosten und Kräuter oder Beeren während des Spaziergangs zu probieren oder später gemeinsam zu verkochen. Das Prinzip lautet: von der Hand in den Mund, bewusst und regional. Während unserer Tour sammelten wir Rotklee, die Elfi der Küche des Sterns überreichte, welche sie dann als Dekoration für Speisen des nächsten Tages einsetzte. Sie sammelt auch gerne Wiesenblumen oder Heu, die dann zu Suppen gekocht werden. Mundräubern findet übrigens das ganze Jahr über statt, das Geraubte ist je nach Jahreszeit etwas anderes: im Frühling mit Erd- und Waldbeeren bis hin zum Herbst mit Steinpilzen und Pfifferlingen.

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E-Biken am Hausberg von Lienz Hochstein / Lienzer Dolomiten

In Osttirol wurde unsere Reise immer abenteuerlicher. Für den ersten Tag war eine E-Bike-Tour geplant, Treffpunkt dafür war der Campingplatz Camping Falken in Lienz. Als wir dort ankamen begrüßte uns Manfred Lobenwein in seinem sportlichen Radl-Outfit und in bester Laune. Manfred ist leidenschaftlicher und professioneller Outdoor-Sportler, der in Lienz geboren ist und die Gegend aus jeder Perspektive kennt: vom Wasser, Radwegen oder aus der Luft. Er machte seine Leidenschaft für den Sport und die Berge zum Beruf und ist seit 2011 als Guide unter AIRTIME AUSTRIA für Urlauber:innen in der Region buchbar. Mit Manfred haben wir schöne Tage verbracht und einige Abenteuer erlebt:

Wir hatten herrliches Wetter erwischt und nach einer kleinen Begrüßung präsentierte er uns unsere sportlichen Begleiter für die nächsten Stunden: modernste E-Mountainbikes à 23 Kilo pro Stück. Unsere Route ging über Leisach, Richtung Hochstein bis hoch zur Moosalm, die auf 1.017 Metern liegt. Dort machten wir eine kurze Verschnaufpause am klaren, blau schimmernden Speichersee.

Mit unserem E-Bike Führer Manfred
Ab auf den Berg mit den E-Bikes

Über Stock und Stein, Wiesen und auf den Berg Hochstein hinauf

Die mehr als dreihundert Höhenmeter, die wir mit den E-Bikes zurückgelegten, führten über Stock und Stein, Wiesen und auf den Berg Hochsteig hinauf. Manfred bezeichnet den Hochsteig als Sportberg, an dem sich mittlerweile mehrere Downhill-Strecken und Trails befinden. So auch der Peter-Sagan-Trail, der nach dem slowakischen Radrennfahrer benannt ist. Diesen nahmen wir über den Damenstart Richtung Reiter Kirchl für unseren nächsten Halt. Dort erwartete uns eine schöne Kapelle mit Rastplatz.

Während der Tour konnten wir beobachten, wie die Stadt Lienz immer kleiner wurde, dafür das Bergpanorama immer beeindruckender. Genau dieses ließ sich vom Reiter Kirchl aus bestens bestaunen. Der Rastplatz bietete einen Quellbrunnen, an dem wir unsere Trinkflaschen (in meinem Fall eine soulbottle von GoodBuy) auffüllen konnten. Der Trail führte weiter bis zum Endziel der Sternalm auf 1.505 Höhenmetern. Oben angekommen dient die Alm mit Restaurant zur Erholung; nachdem die Kräfte zurückkehrten, nahmen wir denselben Weg für die Abfahrt. Dann hieß es: auf die Bremshebel drücken, bis wir schließlich wieder auf ebenerdigen Straßen angelangt sind.

Paragleiten in Lienz

Am nächsten Morgen trafen wir uns erneut mit Manfred in Lienz, der diesmal seinen Kollegen Marvin dabei hatte. An diesem Tag wollten wir noch höher hinauf, nämlich auf 1.540 Höhenmeter. Dazu fuhren wir mit unserem E-Auto erst auf das Sonnendeck am Zettersfeld, das im Winter ein beliebtes Skigebiet ist. Wir wanderten ab der Faschingalm, die auf 1.662 Metern liegt, zum Abflugsziel. Mit dabei waren zwei Gleitschirme mit jeweils 7,5 Kilogramm, Gurte, Helme und anderes Zubehör, das wir in Rucksäcken nach oben beförderten.

Die Sonne strahlte warm und der Berg wurde immer steiler. Doch nach einer guten halben Stunde hatten wir die richtige, etwa weitere 300 Höhenmeter, Höhe erreicht. Dann hieß es erst einmal: durchatmen und die Schirme vorbereiten. Im zweiten Schritt wurden wir jeweils an unsere Guides, Manfred und Marvin, gespannt und für das Fliegen eingewiesen.

Und dann konnte es wirklich losgehen: loslaufen, bis in meinem Fall Manfred, mit dem ich geflogen bin, das Go zum Stoppen gab, dann durfte ich die Beine anziehen und wir schwebten durch die Luft. Der Flug dauerte 20 Minuten und war einfach traumhaft und friedlich zugleich. Von oben und in einem langsamen Tempo konnte ich mir in Ruhe die Dolomiten und die Landschaft ansehen, die Stadt Lienz beobachten. Der Flug sorgte für so ein angenehmes Gefühl, das auch nach der Landung noch anhielt. Ehrlich gesagt, war ich richtig stolz auf mich, dass ich den Mut zum Flug hatte und er mir so viel Freude bereitet hat.

Beim Aufbau des Paragleitschirms
Beim Paragleiten in Tirol
Kai über den Bergen von Tirol

Klettern und Baden in Lienz

Nach dem Paragleiten ging es zum Erlebnispark am Drauradweg, der Galitzenklamm, der am Fuße der Lienzer Dolomiten liegt. Der Park vereint das einzigartige Naturerlebnis des Wasserschaupfades, bei dem die Kraft des Wassers förmlich zu spüren ist, mit dem Klettern entlang von Felswänden auf verschiedenen Schwierigkeitspfaden. Die Galitzenklamm eignet sich für Groß und Klein, denn einen Kletterpark mit verschiedenen (Kinder-)Parcours gibt es ebenfalls zu erklettern. Kai und Manfred entschieden sich für den „Adrenalin Klettersteig”, der 2,5 Stunden geht und eine Klettersteiglänge von 1.100 Metern hat.

Wer nach einem Tandemflug keinen weiteren Adrenalin-Schub braucht, macht es wie ich und besucht das Dolomitenbad Lienz. Das Freibad bietet ein wunderschönes 360 Grad Bergpanorama mit Sportschwimmbecken und großer Liegefläche. Dort kann das Erlebte verdaut und gleichzeitig entspannt werden.

Und dann hieß es Abschiednehmen vom motiviertesten Guide, den ganz Lienz zu bieten hat. Manfred gibt zwar immer „Vollgas”, achtet dabei aber auch behutsam auf die Fitness seiner Kund:innen und passt die Touren auf dem E-Bike oder in der Luft dementsprechend an.

Klettern in Lienz
Jetzt wird geklettert
Challenge Klettern
Tipp: Dolomitenbad Lienz

Wandern in Osttirol

Mit dem Auto ging es für etwa 15 Minuten von Matrei in Osttirol bis in Tauerntal — natürlich fährt auch hier der ÖPNV bis zum Start der verschiedenen Wanderrouten, die durch das Tal führen. Kai entschied sich für den Gletscherweg Innergschlöss entlang der Bergkette, der ihn für circa 1,5 Stunden in das Tal leitete. Zum Teil war der Weg durch eine dicke Schneedecke verschlossen, aber dank Spuren vorheriger Wander:innen konnte er den Weg erahnen. Überall schlängelten sich kleine Bäche die Berge entlang, genährt vom Schmelzwasser der umliegenden Berge. Vorbei an der Felsenkapelle entlang des Gschlössbaches gelangt man schließlich in den Ort Innergschlöss auf 1.691 Höhenmeter.

Die Hütten hier werden lediglich in von April bis November bewohnt und bewirtschaftet, da die Straßen im Winter unpassierbar sind. Von dort aus beginnen etliche weitere Wanderrouten, die bis auf den Gletscher des Großvenediger führen. Da es leider zu regnen begann (und der Gletscher aufgrund des vielen Schnees noch gesperrt war), nahm Kai ein Taltaxi für 5 Euro zurück zum Parkplatz. Wer also an das Ende ihrer/seiner Kräfte kommt, die/der hat auf jeden Fall trotzdem die Möglichkeit, wieder zurück zum Ausgangspunkt zu gelangen.

Während unserer Reise machten wir immer wieder kleinere Wanderungen, je nach Wetterlage. Unter anderem im Nationalpark Hohe Tauern, der glasklares Wasser, frische Almluft und grüne Landschaften zeigt, und das größte Nationalparkgebiet der Alpen ist.

Nationalpark der Alpen

Nach den Aktivitäten in Tirol sind Körper, Seele und Geist im Einklang

In Tirol konnten wir Körper, Seele und Geist in Einklang bringen: Wir waren sportlich unterwegs, auf mehr oder weniger Höhenmetern und durften dabei die atemberaubende Natur bewundern, wir konnten unsere Seele baumeln lassen, unter anderem in Hängematten im Lärchenwald, und durften Menschen und deren persönliche Geschichten kennenlernen. Eine wohltuende Massage oder ein Besuch im Spa-Bereich im Hotel Hinteregger haben den ein oder anderen Tag bestens ausklingen lassen, sodass der Körper sich erholen konnte — das geschieht übrigens auch bei leckerem Essen. Schon jetzt freuen wir uns auf ein baldiges Wiedersehen, auch auf die mit unseren Guides.

Cécile und Kai in Tirol

1 Comment

  1. Verena
    12. Oktober 2021

    Wir sind ebenfalls der Meinung, dass ein Erholungsurlaub sportliche Aktivitäten nicht ausschließen muss. Tirol bietet die ideale Möglichkeit, Bewegung und Abenteuer mit Entspannung zu vereinen. Tagsüber unternehmen wir gerne Wanderungen und schießen tolle Fotos für unser stetig wachsendes Album, während wir uns abends in einem schicken Chalet zurücklehnen.

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