Morgenpost am Speisetisch

Hotel Hinteregger

Inmitten der Marktgemeinde Matrei in Osttirol befindet sich das Hotel Hinteregger. Umgeben ist das moderne Gebäude von den Bergen im Nationalpark Hohe Tauern und dem ländlichen Raum. Katharina Hradecky führt das Hotel seit 2003 mit Leidenschaft und Charme, seitdem das Hotel 100-jähriges Jubiläum feierte. Vieles hat sich seither verändert, doch ihre Leidenschaft und ihr Tatendrang blieben bestehen.

Aussenansicht Hotel Hinteregger
Hier werden die Gäste empfangen

Ich treffe Katharina zu einem persönlichen Interview, bei dem auch ihr Mann Bernd Hradecky dabei ist. Das Hotel Hinteregger war die letzte Station unseres Aufenthalts in Tirol, zumindest das letzte Hotel in dem wir nächtigten. Die Tage dort waren ein Wohlgenuss — für verschiedene Sinne: Vom erholsamen Schlaf in bequemen Betten, dem geschmackvollem Essen morgens und abends sowie dem nach Nadelholz duftenden Saunaaufguss im Spa-Bereich mit Außenpool. Egal zu welcher Tages- und Nachtzeit wir das Hotel betraten oder verließen, wir sahen Katharina, entweder hinter der Rezeption, im Gespräch mit Gästen, im Restaurant oder auf dem Weg in ihre eigenen vier Wände, die sich inmitten des Hotels befinden. Dabei war sie stets gut gelaunt und interessiert an dem, was wir erlebt haben. Natürlich gab es jeden Tag etwas Spannendes zu berichten, vom E-Biken bis hin zum Paragleitflug.

„Auf Bewährtes aufbauen und an die Zukunft denken. Sich und seinen Grundsätzen treu bleiben. Die Welt mit offenen Augen sehen. Mit Leidenschaft handeln und innovativ sein. Das Besondere schaffen und außergewöhnlich sein. Kompetenz ausstrahlen und Emotionen wecken. Den Blick nach vorne richten. Direkt, persönlich und auf Augenhöhe.” - Hotel Hinteregger

Das Hinteregger - liebevoll familiengeführt

Seit vier Generationen besteht das Hotel Hinteregger und kann als fester Bestandteil der Marktgemeinde beschrieben werden. Früher sind die Bewohner:innen aus Matrei in Osttirol schon gerne dorthin gekommen, wo sich heute das Restaurant des Hintereggers befindet, denn dort stand ein beliebtes Kino. Doch die Tradition der wöchentlichen Besuche hat nicht abgenommen, und so kommen Einheimische jeden Freitag zum Stammtisch vorbei. Beim Essen im Restaurant hat man aufgrund der großen Fensterfronten, die zwar durch Vorhänge einen Sichtschutz bieten, das Gefühl, dass man am Dorfgeschehen teilnimmt, man sieht Bewohner:innen parken, zu ihren Häusern laufen oder ins Hinteregger kommen. Apropos Restaurant, dort erhalten Gäste einen zugewiesenen Tisch, den sie während ihres Aufenthalts und durchweg der regionalen, bodenständigen Gerichte behalten. Jeden Morgen erwartet sie am Speisetisch eine Morgenpost mit einem positiven Spruch für den Tag, Geschichten über die Gegend und Neuigkeiten des Hauses.

Speisesaal
Spruch des Tages

Familiarität durch und durch

Das Hotel lässt die Gäste spüren, dass das Hinteregger ein Haus voller Geschichte ist. Und dass dort Familien am Werk waren und es bis heute sind, dass zusammengelegt und einander geholfen wird. Katharinas Eltern unterstützen beispielsweise noch im Rentenalter bei der Kartoffelernte und die Gäste erhalten ein Abschiedsgeschenk, das ihre Schwester, die Tischlerin ist, handgefertigt hat. Auch im Ort ist die Familie beziehungsweise vor allem die Frauen vom Hinteregger bekannt. Diese setzen sich dafür ein, dass der heutige Nationalpark Hohe Tauern geschützt wird, wobei einst Kraftwerke in Planung waren. Damals sind die Frauen des Ortes ins Parlament gegangen, um sich gegen den Bau stark zu machen. So auch die Schwiegermutter von Katharina, die bei dem Protest federführend war.

Was starke Frauen ausmachen

Seit über 100 Jahren ist der Gasthof im Besitz der Familie und wurde von Generation zu Generation immer an eine Tochter übergeben. Katharina wollte seit Kindesalter das Hotel übernehmen und ist dankbar, dass sie die Möglichkeit bekam, obwohl sie Geschwister hat. Sie durfte sich im Hinteregger frei entfalten und ihre Ideen umsetzen, dabei hat sie keinen Druck von ihrer Mutter erhalten, sondern vielmehr Vertrauen geerntet. Dieses gibt sie auch ihren Mitarbeiter:innen weiter, weil sie es liebt zu sehen, wie diese sich weiterentwickeln. Ganz besonders gerne sieht sie das bei jungen Auszubildenden, die durch positives Feedback wachsen und sich immer mehr zutrauen.

Für Katharina machen starke Frauen aus, wenn sie ihren Wünschen nachgehen dürfen, aber auch den Mut haben, ihrem Bauchgefühl zu vertrauen. Selbstbewusstsein kommt ihrer Meinung nach dann, wenn man den eigenen Weg einschlägt, was nicht bedeutet, dass man der familiären Tradition, sprich der Übernahme des Restaurant- und Hotelbetriebs absagt, sondern diese für sich in Anspruch nimmt und eine persönliche Note verleiht. Indem man dem nachgeht, so sagt sie, folgt Stärke. Die man letztlich braucht, um die eigenen Ziele zu verfolgen. Denn das verlangt vollen Einsatz, den Wunsch, Dinge gut zu machen und täglich neue Leidenschaft.

Von Frauen geführt, von deren Männern begleitet

Katharina betont immer wieder, wieviel Unterstützung sie von ihrem Ehemann Bernd erhält und wie wichtig das für sie in ihrer Rolle ist. Er ist in keinem Hotelbetrieb aufgewachsen und demnach war viel neu für ihn als die beiden zusammenkamen. Doch mit der Zeit konnte auch er sich immer mehr einbringen und Ideen einfließen lassen. So beispielsweise auch die Idee zum Naturpool, der von ihm initiiert wurde. Bernd ist Tierarzt und kümmert sich zudem um den eigenen Bauernhof mit Rindern, die Landwirtschaft mit Kartoffeln sowie die hauseigenen Bienen. Davon können die Gäste beim Frühstücksbuffet sowie abends bei den verschiedenen Menüs kosten. Bernd sieht man während eines Aufenthalts immer einmal wieder, da er auch interessiert bei den Gästen nachfragt und sich erkundigt, wie es ihnen geht.

Familie Hinteregger

Katharinas Ruheoasen im Alltag

Liebevoll geht Katharina auch mit sich selbst um, das strahlt sie aus und schwappt auf ihre Mitmenschen und Mitarbeiter:innen über. Katharina verrät mir, dass sie jeden Abend mindestens eine Stunde ein Buch liest, bevor sie einschläft, egal zu welcher Uhrzeit sie es ins Bett schafft. Die gelesenen Zeilen lassen sie abschalten, inspirieren sie und letztlich profitieren auch die Gäste davon, denn sie finden bei jedem Besuch eine Gutenachtgeschichte vor. Diese schreibt Katharina selbst oder druckt welche ab, die sie selbst bewegt haben.

Meine handelte von dem Paradox unserer Zeit. Ich habe sie nicht vor dem Schlafengehen gelesen, sondern während einer Pause am Pool liegend. Die Geschichte hat mich zum Nachdenken gebracht. Sie handelt davon, dass wir Menschen heute so viel mehr haben als alle Generationen zuvor, Wohlstand, Mittel, Möglichkeiten, doch damit ein Stück weit weniger anzufangen wissen, weil wir vielleicht zu verwöhnt sind, für Dinge weniger arbeiten müssen, sie weniger wertschätzen. Nach dem Lesen der Geschichte ging es für mich in die Sauna, zum Nachdenken und Entspannen. Das macht Katharina auch ein paar mal im Jahr, wenn sie die Zeit dafür findet. Sie nimmt sich auch ganz bewusst Auszeiten und verreist dafür innerhalb Europas. Dort findet sie neue Ideen, die sie im Hinteregger integriert.

Der herrliche Außenpool

120 Jahre Tradition treffen auf moderne Nachhaltigkeit

Die Urbanität von Matrei in Osttirol trifft auf die ländliche Umgebung, die vom Hotel aus in saftigen Grüntönen zu bestaunen ist. Dieser Mix wird auch im Inneren des Hintereggers gelebt, indem bei allen Aktivitäten von Katharina und Bernd „Herz und Hirn” eingesetzt werden.

Zimmer mit Ausblick
Zünftige Stube

Neu- trifft auf Altbau

Als bestes Beispiel hierfür ist der Neubau zu nennen, der als Symbiose zum Altbau errichtet wurde, sodass der Altbau nicht gestört wird, weiterhin für sich steht und somit die Tradition des Hintereggers zeigt. Der Altbau ziert alte Gewölbe, auch die Stube ist noch wie früher eingerichtet und ermöglicht eine Reise in die Vergangenheit. Die älteren Zimmer wurden renoviert und zeigen teilweise noch Möbel von früher. Durch den aufwendigen Neubau können die Gäste einen unkomplizierten Übergang von Alt zu Neu erleben, und merken ihn nur aufgrund des Designs. Wobei sich auch traditionsreiche Möbelstücke im Neubau befinden. So beispielsweise auch eine größere Truhe, mit der Katharinas Großmutter damals ihren Ausstand transportierte als sie das Hotel übernahm. Der Neubau ist von außen durch eine imposante Sichtschutz-Verkleidung zu erkennen. Die Zimmer duften nach Holz und zieren ein minimalistisches und mit Design-Klassikern ausgestattetes Interieur.

Die Familie Hradecky baut auf Bewährtes auf und verliert dabei nicht den Blick auf das, was um das Hinteregger passiert und versucht, die Einflüsse gekonnt einfließen zu lassen. So entstand ein Hotel mit wirklich besonderer Architektur und einem Gefühl des Wohlfühlens.

Heiz- und energieautark

Nachhaltigkeit spielt seit jeher eine bedeutende Rolle im Hinteregger. Das ganzheitlich nachhaltige Konzept spiegelt sich unter anderem durch die eigene Hackschnitzelanlage wider, die aus der Landwirtschaft gefüttert wird; und ebenso wie die Photovoltaik und Solarthermie eine umweltfreundliche und autarke Heiz- und Energieversorgung ermöglichen. Der Naturpool wird ohne den Einsatz von Chemie betrieben. Das Kreislaufdenken wird im Hinteregger zudem seit Generationen gelebt, vor allem was die Landwirtschaft angeht. Das nachhaltige Streben kann als dynamischer Prozess beschrieben werden, indem die Gastgeber durchaus wissen, welche negativen Konsequenzen Tourismus auf die Umwelt haben kann, ihnen jedoch durch einen ressourcenschonenden Umgang entgegen wirken.

Von Blas- und Zukunftsmusik

Katharina liegt viel daran, dass Traditionen gepflegt und weitergeführt werden. Deshalb ist sie mit samt dem Team Teil einer Prozession, die dreimal im Jahr stattfindet. Die Mitarbeiter:innen tragen Tracht und Dirndl, und während die Prozession mit Blasmusik vor dem Hinteregger vorbeiläuft, sind auch wir als Gäste ganz gespannt, was draußen vor sich geht. Katharinas Mutter ist Schützenfahnenpatin und das mit Stolz. Katharina möchte Traditionelles weiterentwickeln.

Parade durch den Ort

Pläne für die Zukunft gibt es einige. Doch die Coronapandemie ging nicht spurlos am Hinteregger vorbei, weshalb sie die Ideen langsamer angehen lassen. Aktuell sind Katharina und Bernd erst einmal dankbar, dass der Hotelbetrieb wieder möglich ist und sie endlich wieder Gäste begrüßen dürfen. Zwar hatte Weihnachten und Silvester nur im Kreise der Familie auch etwas Schönes, aber Katharina feiert, seit sie denken kann, Feste und Feiertage mit Gästen im Hotel.

Zeitgeist als Wegweiser

Das Hotel soll mit dem Zeitgeist gehen. Durch das letzte Jahr haben sie gemerkt, wie wichtig der regionale Tourismus ist, weshalb sie verstärkt Gäste aus Österreich, aber auch aus der Schweiz und Deutschland, ansprechen möchten. Sie haben das benachbarte, mehrere hundert Jahre leerstehende und denkmalgeschützte Haus gekauft, wohl wissend, dass der Umbau ein längeres Projekt werden wird. Dort planen sie moderne Gemeinschaftsräume, da sie auch merken, dass Gäste zum Arbeiten ins Hinteregger kommen. Hinter dem Naturpool gibt es Pläne für einen Infinity Pool, der ganzjährig, im Gegensatz zum Naturpool, den Gästen zur Verfügung stehen soll. In Planung sind zudem Schnellladestationen für E-Autos.

Die neuen ambitionierten Pläne haben das Ziel, dass die Gäste mehr Komfort erleben können und das Hotel als eine besondere Unterkunft wertschätzen. Die Zukunftsmusik könnte auch so aussehen, dass Tochter Victoria den Hotelbetrieb übernimmt, aktuell befindet sie sich jedoch erst noch im Studium und darf sich frei entscheiden, ob sie das Hinteregger in ihrem Stil führen möchte. Aber wer weiß, vielleicht übernimmt den Betrieb auch Sohn Max oder die beiden nehmen sich der Herausforderung gemeinsam an. In jedem Fall ist aber klar, dass das Hinteregger in der Familie bleiben wird und dass das Hotel sich weiterentwickeln darf, mit den Gästen, der Gesellschaft und dem Klimawandel.

Mehr Informationen zum Hotel Hinteregger findest du hier

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