Gelebte Nachhaltigkeit im Stern

Das Stern lebt Nachhaltigkeit Opener

Der erste Aufenthalt während der Tirolreise fand im Stern in Obsteig, am Sonnenplateau statt. Ich durfte Gastgeber René Föger interviewen und wurde in das gelebte Konzept sowie in seine Zukunftspläne eingeweiht. Vielmehr noch: das neueste Projekt wurde auf der Baustelle abgenommen. Dazu aber unten im Text mehr.

Der Stern lebt nach dem Leitprinzip „I schaug auf Di. Du schaugsch auf mi!“ — was tirolerisch dafür steht, dass man sein Gegenüber mit Bedacht, Respekt und Fürsorge behandelt. Dabei geht es nicht nur um Mitmenschen, sondern auch um die Natur.

Einen wunderbaren Blick über die imposante Berglandschaft genießen
Im Stern wird Nachhaltigkeit gelebt - ohne belehrend zu sein

Was war bzw. ist deine Motivation hinter dem Stern?

Zum einen ist es natürlich so, dass René das Erbe seiner Familie bewahren und in aller Ehre weiterführen möchte. Denn die Familie Föger ist seit über 500 Jahren Gastgeber und 1907 hat sie das bestehende Wirtshaus Stern übernommen. Das Wappen der Familie führt zurück bis in Jahr 1509. Da liegt es auf der Hand, dass es ihm besonders wichtig ist, das er es im Sinne seiner Familie pflegt. Als er mit nur 27 Jahren den Hotelbetrieb übernahm, hat der Stern zwar schon einiges in Sachen Nachhaltigkeit gemacht, bei weitem aber nicht so viel wie heute.

René hat den Betrieb durch viel Einsatz neu aufgestellt, was oftmals mit Verzicht und existenziellen Sorgen einherging. Aber ganz nach dem Motto “wer nicht wagt, der nichts gewinnt”, folgt er seinem Bauchgefühl und entwickelt sich zum Gastgeber mit Herz und Seele. Gerade die Coronakrise hat ihm gezeigt, wie gerne er mit Gästen Zeit verbringt und freut sich deshalb wahnsinnig, dass er nun wieder Gäste begrüßen darf.

Cécile im Interview mit dem Gastgeber Sven Föger

Das Stern entwickelt sich zukunftsorientiert und am Zeitgeist

Zum anderen findet er es toll, dass sich der Stern über die Jahre zukunftsorientiert entwickeln konnte. Mitarbeiter:innen stellen langjährige Partner:innen dar und es wird gemeinsam an einem Strang gezogen. Gerade wenn es darum geht, noch mehr Nachhaltigkeit in den Hotelalltag zu integrieren. Ein größeres Projekt der letzten Jahre war es, dass die Küche auf klimaneutrale Speisen umgestiegen ist. Konkret bedeutete dies, dass sich gemeinsam angeschaut wurde, woher die einzelnen Bestandteile und Lebensmittel der Gerichte stammen. Im Anschluss wurden regionale Alternativen gesucht und glücklicherweise auch gefunden. Diese ermöglichen es, moderne Gerichte zu kreieren und dabei  keinen Verzicht üben zu müssen.  Außerdem können so viele Emissionen eingespart werden.

Die gefunden Alternativen sind beispielsweise Lein- anstatt Chiasamen, Rote Beete statt Avocado und zu guter letzt Beeren, die im Garten wachsen anstatt Gojibeeren aus fernen Ländern zu importieren. Besonders wichtig ist es René, dass das gesamte Team bei Veränderungen involviert ist und vor allem darüber informiert wird. Denn nur so können sie Neues auch zu den Gästen transportieren.

Im Wirtshaus gut essen - seit 1509
Hier landen heimische Alternativen auf dem Teller

Das 35-köpfige Team hinter dem Stern stellen für René außerdem eine Motivation dar. Er ist gerne Chef, weil er es liebt, seine Mitarbeiter:innen zu fordern und zu fördern und auf deren Bedürfnisse einzugehen. Ein Anliegen war es deshalb schon vor einigen Jahren, dass er sie ganzjährig anstellen kann.

Was rätst du unseren Leser:innen: was kann man konkret für eine bessere Zukunft tun?

René möcht es sich nicht zumuten, anderen Ratschläge zu geben. Was ich aber so beeindruckend finde, ist, dass man extrem viel von René und der Art und Weise, wie er das Hotel führt, lernen kann — als Gastgeber:in und auch als Unterkunftsbesucher:in. Für ihn ist Nachhaltigkeit ein Prozess, eine Perfektion gibt es nicht. Vielmehr geht es für ihn darum, mit den Mitteln, die man hat, eine positive Veränderung voranzutreiben. Und sich in diesem Zuge auch seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt bewusst zu werden.

Wandern in Tirols grünen Wäldern

Spielerisch zu mehr Bewusstsein

Bei einem Aufenthalt im Stern erhalten die Gäste die Möglichkeit, durch eine Challenge spielerisch zu lernen, wie kleine Dinge und neue Gewohnheiten sich im Alltag positiv auf die persönliche Klimabilanz auswirken können. Besonders viel liegt ihm daran, dass sie verstehen, dass ein nachhaltiger(er) Lebensstil nichts mit einem Genussverlust zu tun hat. Denn es geht darum, ein Bewusstsein zu schaffen, um die Konsequenzen des Handelns zu verstehen und klimafreundliche Alternativen aufzuzeigen. Sein persönliches Ziel und gleichzeitige Motivation dabei ist es, dass die Vorschläge auch nach der Zeit im Stern umgesetzt werden.

Das Klima-Spiel vermittelt Tipps rund um das Thema Ernährung, Mülltrennung, Plastik Verzicht, Transportmittel und Ausflügen. Im Detail läuft das Spiel so ab: Bei der Ankunft erhalten die Gäste ein Spielblatt zum CO2-Klima-Check-In, auf das sie ihre Art der Reise mittels Klima-Kalkulator berechnen. Den Aufenthalt der Gäste kompensiert das Stern, aber auch die Gäste könne ihre An- und Abreise mit zwei ausgewählten und mit Gold Standard ausgezeichneten Klimaschutzprojekten kompensieren: einem internationalen in Äthiopien und einem regionalen, das die Larch- und Streuobstwiesen unweit des Hotels aufforstet. Während des Aufenthalts können nun Sterne gesammelt werden, die gutes, nachhaltiges Handeln, wie das Stehenlassen des Autos während der Zeit im Stern, belohnen — so können schon die jüngsten Besucher:innen spielerisch lernen. Beim Auschecken reichen die Gäste das Spielblatt ein und dürfen sich bei genügend Sternen über ein kleines Geschenk freuen.

Wie passen Reisen und Nachhaltigkeit für dich zusammen?

Prinzipiell passen für René Reisen und Nachhaltigkeit zusammen. Seiner Meinung nach ist es nur wichtig, dass die drei Säulen der Nachhaltigkeit, bestehend aus der Ökologie, Ökonomie und dem Sozialen, zu gleichermaßen beachtet werden. Die Balance stellt er für das  Stern sicher, in dem er sich ganz bewusst immer wieder hinterfragt und überlegt, wobei er sich und die Aktivitäten des Hotels noch weiter verbessern kann.

Ökologie im Stern

Im Sinne der Ökologie wird beispielsweise gehandelt, indem alle Teile von geschlachteten Tieren gekauft und den Gästen in Gerichten angeboten werden. Das neue Küchenkonzept “Mit Butz und Stingl” steht für einen Zero-Waste Ansatz, in dem versucht wird, auf Speisereste, gerade bei der Verarbeitung, zu verzichten. Denn für René stellt es keine Option dar, nur Edelteile der Tiere zu verkaufen, und den Rest nicht abzunehmen beziehungsweise nicht zu verwerten; wenn schon Fleisch serviert wird, dann vollständig. Zudem wird mit der Saison gegangen: Obst und Gemüse werden Ernte frisch serviert und beispielsweise Beeren für den Winter eingeweckt. Die Speisekarte wechselt aus diesem Grund auch wöchentlich.

René setzt sich auch dafür ein, dass keine neuen Skigebiete erschlossen werden, er befürwortet es aber, dass die bereits vorhandenen genutzt werden. Letztlich stellen diese auch das Kulturgut Österreichs dar und machen die Berge mit Natur und frischer Luft für die Gäste erlebbar. Jedoch ist es ihm wichtig, dass Lärm und Licht nicht weiter verschmutzt werden.

Ökonomie im Stern

Die Säule der Ökonomie steht dafür, dass René für ein nachhaltiges Wirtschaften verantwortlich ist. Das bedeutet dafür zu sorgen, dass seine Mitarbeiter:innen einen gesicherten Job haben und dass sich das Unternehmen als solches rechnet. René ist es auch wichtig, die regionale Wertschöpfung zu unterstützen, weshalb er mit verschiedenen Partnerunternehmen zusammenarbeitet. Im Einklang stehen also Gäste, das Hotel mit der Belegschaft und Dienstleister:innen der Region — so kann ein aktiver Kulturaustausch stattfinden. Vor einer wirtschaftlichen Frage stand René ebenfalls, als es darum ging, ob er seinen Gästen ein E-Auto während des Aufenthalts zur Verfügung stellt. Doch letztlich musste er nicht lange überlegen, und so können sich die Gäste über Ladestationen und ein E-Mobil freuen, dass sie sich gegen eine Gebühr ausleihen können und auf diese Weise gegebenenfalls ein erstes Erlebnis mit einem Elektrofahrzeug machen, eventuelle Berührungsängste werden so abgebaut.

Elektromobilität auf dem Lande

Soziales im Stern

René bringt sich aktiv in die Gemeinschaft von Obsteig und der weiteren Umgebung ein. Um das Wohl der Mitarbeiter:innen kümmert er sich gerne und sorgt dafür, dass sich der Hotelbetrieb in das Leben des Dorfes einfügt. Die oben angesprochene Baustelle kann hierbei als hervorragendes Beispiel genannt werden. Aktuell wird an einem Öko-Hallenbad gebaut. Dieses steht vor allem den Gästen zur Verfügung, aber auch den lokalen Bewohner:innen sowie Schwimmklassen.

Wie baut man ein ökologisches Hallenbad?

Die Idee eines ökologischen Hallenbads begleitete ihn schon lange und dann entschloss er sich zur Umsetzung, obwohl die Unterkunft aufgrund der COVID-19 Pandemie keine Gäste empfangen durfte. Doch René glaubt an die Idee und dass sie sich langfristig für alle Beteiligten lohnen wird. Das Sternentaucher Öko-Hallenbad verzichtet auf einen zusätzliche Flächenverbrauch und ist unterirdisch angelegt; das Hallenbad wird eine Grünfläche erhalten, welche die Biofläche aufwertet, Bienenstöcke aufnimmt und der Natur ein Stückchen Fläche zurückgeben soll.

Ziel ist es, dass das Hallenbad energetisch gleich beziehungsweise weniger Strom verbrauchen soll; diese wird zu 100 Prozent über erneuerbare und regionale Energie bezogen. Auf das Dach kommt eine thermische Solaranlage und es werden zwei Zuleitungen zur Wärmerückgewinnung eingebaut. Auch wenn nicht alles ganzheitlich nachhaltig sein kann, wir erinnern uns, für René ist der Weg das Ziel, er ist sich über die verschiedenen Parameter bewusst und benennt diese transparent: Trotz des Einsatzes neuester Filtertechniken, ist der Wasserverbrauch ist relativ hoch, am Chlor kommt man nicht vorbei, wobei bewusst ein Recyclingprodukt verwendet wird, und nicht alle Baumaterialien sind nachhaltig, auch wenn beispielsweise recycelter Beton verwendet wurde.

Bis bald amol!

Mir imponiert René mit seiner frischen Art und dem Denken, das am Puls der Zeit ist und all seine Handlungen bestimmt. Auch finde ich es bemerkenswert, wie kritisch er sich und den Stern hinterfragt und andere an dem Prozess teilhaben lässt. Eines weiß ich gewiss: von René kann man etwas lernen! Gerne besuche ich das fertiggestellte Hallenbad und freue mich bereits jetzt darauf.

Mehr Informationen zum Stern findest du hier

Heute bewusst leben, damit Folgegenerationen ebenfalls die Schönheit Tirols erleben können

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