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Solo reisen

Die Freiheit des Solo-Reisens

solo reisen Europa

Alleine zu reisen klingt für viele erst einmal nach einer großen Überwindung. Auch für mich war mein erster Solo-Trip ein Sprung ins kalte Wasser. Heute ist genau diese Art zu reisen mein liebster Weg, die Welt zu entdecken.

Vom Sprung ins kalte Wasser zum liebsten Reisestil

Ich war 21, als ich zum ersten Mal alleine verreist bin, drei Wochen ging es für mich solo nach New York. Damals war das ein riesiger Schritt für mich. Eine Stadt mit acht Millionen Einwohner*innen und ich mittendrin. Ein bisschen Angst hatte ich schon, aber gleichzeitig war da diese Aufregung, alles selbst zu planen, morgens aufzuwachen und genau das zu tun, worauf ich Lust hatte. Mich treiben zu lassen und so zu tun, als wäre ich eine Einheimische. Ich hatte eine tolle Zeit im Big Apple, bin weit über mich hinausgewachsen. 

Danach folgten Jahre, in denen ich kaum alleine unterwegs war. Ich hatte Freund*innen, die lieber zusammen reisen wollten und oftmals auch einfach keine Zeit. Erst vor ein paar Jahren habe ich wieder angefangen, mich alleine auf den Weg zu machen, schlicht deshalb, weil niemand an genau die Orte reisen wollte, die ich auf meiner Liste hatte. 

Mittlerweile liebe ich es, alleine unterwegs zu sein. Es bedeutet für mich so viel mehr als nur einen selbstbestimmten Tagesablauf. Man wächst über sich hinaus, probiert Dinge aus, die man sonst vielleicht nie gemacht hätte, lernt unglaublich viel über sich selbst und ja, man begegnet auch Menschen, die man sonst wohl nie getroffen hätte. Es ist eine Mischung aus Herausforderung, Abenteuer und Selbstentdeckung, die ich inzwischen nicht mehr missen möchte.

alleine reisen

Vom „Das könnte ich nie“ zum „Wie cool ist das bitte?“

Solo-Reisen ist schon längst kein Randphänomen mehr, sondern ein echter Trend. Laut aktuellen Umfragen von verschiedenen Reiseveranstaltern zieht es immer mehr Menschen alleine in die Ferne, insbesondere Frauen zwischen 25 und 40. Das hat verschiedene Gründe:

Wir sind heute unabhängiger als früher. Freundeskreise wohnen verstreut, Lebensentwürfe sind individueller, Beziehungen kommen und gehen. Wer warten würde, bis alle gleichzeitig Zeit, Geld und Lust auf dasselbe Reiseziel haben, würde oft gar nicht mehr verreisen. Also fährt man eben alleine, nicht aus Mangel an Gesellschaft, sondern aus dem Wunsch heraus, sich nicht mehr aufhalten zu lassen.

Gerade für Frauen spielt außerdem Selbstbestimmung eine große Rolle. Alleine zu reisen bedeutet, Entscheidungen selbst zu treffen und den eigenen Rhythmus zu leben. Das passt gut zu einer Lebensphase, in der viele beruflich gefestigt sind, finanziell auf eigenen Beinen stehen und bewusster darauf achten, was ihnen guttut. Reisen ist weniger ein klassischer Urlaub, sondern mehr eine persönliche Erfahrung.

Dazu kommt, dass Solo-Reisen heute viel zugänglicher sind als noch vor zehn oder 15 Jahren. Es gibt unzählige Blogs, Instagram-Accounts, Podcasts und Communities, die Erfahrungen teilen, Tipps geben und Mut machen. Unterkünfte, Reiseanbieter und ganze Destinationen haben sich längst auf Alleinreisende eingestellt. 

Nicht zuletzt hat sich auch der Blick auf das Alleinsein verändert. Alleine zu reisen gilt nicht mehr als seltsam oder traurig, sondern als selbstbewusst und gezielt gewählt. Ich merke das auch an den Reaktionen aus meinem Umfeld. Da kommt kein „Also ich könnte das ja nicht“, sondern meistens ein „Ich finde es so cool, dass du das machst“.

Retreat

So gelingt der Start ins Solo-Reisen

Wer sich jetzt fragt, wie man überhaupt mit dem Alleinreisen anfangen soll: Retreats oder strukturierte Angebote sind ein super Einstieg. Man reist zwar allein an, aber vor Ort gibt es eine feste Tagesstruktur, gemeinsame Aktivitäten und die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Es ist eine Art Sicherheitsnetz, das es leichter macht, sich auf die Erfahrung Solo-Reisen einzulassen. 

Für Solo Travel Neulinge kann auch ein Kurztrip in die nächstgelegene europäische Stadt reichen: ein paar Tage alleine, in einem Hostel oder einem kleinen Hotel und man spürt schnell, wie befreiend es sein kann. 

Generell gilt: Gute Planung ist kein Widerspruch zu Freiheit, im Gegenteil. Wer sich vorher Gedanken über Route, Unterkunft, Transport und Sicherheitsaspekte macht, kann vor Ort viel entspannter loslassen. Dinge wie, das Teilen des Standorts mit einer vertrauten Person, eine lokale SIM-Karte oder einfach das Vertrauen ins eigene Bauchgefühl sind kleine Maßnahmen mit großer Wirkung.

Allein, aber nie verloren

Am Ende geht es nicht darum, alles perfekt zu machen, sondern auf sich selbst zu hören. Allein zu reisen heißt nämlich nicht, sich unnötig zu pushen, sondern Schritt für Schritt herauszufinden, was sich gut anfühlt. Für mich persönlich ist Solo-Reisen inzwischen nicht mehr nur eine Notlösung, wenn niemand mitkommt. Es ist ein eigenes Abenteuer, das unglaublich viel bietet: neue Perspektiven, Selbstvertrauen, spontane Begegnungen und manchmal auch einfach die Freiheit, nichts zu tun außer dem, was man selbst möchte. 

Und das Beste: Je öfter man unterwegs ist, desto leichter wird es, sich darauf einzulassen und desto größer ist auch der Gewinn an Erfahrungen und Erinnerungen.

 

 

© Fotos: Nadine Pinezits; Unsplash / Kaylee Garrett, Natalie Grainger

Nadine ist freiberufliche Redakteurin und Texterin. Sie lebt in Österreich und pendelt zwischen Salzburg und Wien. Sie ist somit entweder in den Bergen oder im Großstadtdschungel unterwegs, versucht aber gleichzeitig, so viel Zeit wie möglich in ihrem Herzensland Portugal zu verbringen.

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