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Anreise

Wenn die Anreise zum Erlebnis wird

Schneller geht immer, spannender eher selten. Dabei gibt es jede Menge Fortbewegungsmittel, bei denen nicht das Ankommen zählt, sondern der Weg selbst. Alte Schmalspurbahnen, charmante Fähren und andere fast vergessene Verkehrslösungen zeigen, wie entschleunigt, nachhaltig und überraschend modern Reisen schon lange sein kann.

Die Kohlererbahn in Südtirol

Die Seilbahn von Bozen hoch nach Kohlern in Südtirol ist ein kleines technisches Wunderwerk: Bereits 1908 eröffnete Gastwirt Josef Staffler die erste offiziell zugelassene Personen-Seilbahn der Welt, um seine Gäste bequem vom Tal nach Kohlern zu bringen. Die Pendelbahn war demnach die erste alpine Luftseilbahn für den Personentransport. Heute schweben moderne Gondeln über die Baumwipfel und bieten ein traumhaftes Panorama auf Bozen und das Etschtal, während man in wenigen Minuten einen Höhenunterschied von rund 800Metern überwindet.

gasthof-kohlern-Seilbahn
Kohlerbahn

Die Museumstramway im steirischen Mariazell

Die Museumstramway Mariazell verbindet den Bahnhof Mariazell mit dem idyllischen Erlaufsee in der Hochsteiermark. Die gut 15-minütige Fahrt geht vorbei an Feldern und Bäumen und mit Blick auf das umliegende Bergpanorama. Sie bietet aber nicht nur ein nostalgisches Erlebnis in originalgetreu restaurierten Waggons, sondern zeigt auch, wie technisches Kulturgut durch das Engagement ehrenamtlicher Mitglieder lebendig bleibt. Jedes Jahr investieren Freiwillige hunderte Stunden Arbeit, damit diese besondere Tramway erhalten bleibt.

Museumstramway

Die Pünte im ostfriesischen Wiltshausen

Schon seit mehr als 450 Jahren verbindet die handgezogene Pünte in Wiltshausen die Flüsse Leda und Jümme. Damals wie heute schwebt das kleine Schiff gemächlich über das Wasser, nur die Menschen an Bord haben sich verändert. Früher war die Fähre ein zentraler Verkehrsweg zwischen Westfalen und Ostfriesland, über den Handel, Postkutschen und Reisende ihre Routen nahmen. Heute ist die Pünte vor allem ein charmantes Stück Geschichte, das Einheimische und Besucher*innen gleichermaßen begeistert.

Die Rugisbalm- und Lutersee-Bähnli im Schweizer Engelbergertal

Im Engelbergertal sind die kleinen Seilbahnen zu Rugisbalm und Lutersee noch immer wichtige Transportmittel für die Bauernfamilien und gleichzeitig ein echtes Erlebnis für Besucher*innen. Anders als normale Seilbahnen hängen die Gondeln vorn und hinten, wodurch sie sich der Steigung anpassen und besonders bei der Talfahrt spektakulär über Felskanten neigen. Das Besondere: Die Bahnen fahren auf Abruf. Wer nach Rugisbalm möchte, ruft einfach bei der Familie Töngi an, die die Gondel in Bewegung setzt. Von dort geht es weiter zum Lutersee. Die Bahnen sind voll funktionsfähig, werden täglich genutzt und sind ein lebendiges Kulturgut der Region.

Mit Bähnchen auf die Alm
Rugisbalm_Bahn

Die Dresdner Standseilbahn am Elbhang

Seit 1895 verbindet die Standseilbahn den Dresdner Stadtteil Loschwitz mit dem höher gelegenen Villenviertel Weißer Hirsch und ist damit nicht nur eine historische Kuriosität, sondern auch noch heute ein praktisches Verkehrsmittel. Die Fahrt selbst ist ein Erlebnis: Die zwei Wagen gleiten aneinanderhängend über ein 102 Meter langes Viadukt, durchqueren kurze Tunnel und schlängeln sich malerisch den Elbhang hinauf. Schon beim Hinauffahren kann man die charmanten Villen, kleine Parks und die Natur entlang der Strecke bewundern. Wer möchte, kann an der Bergstation aussteigen und die Gegend zu Fuß erkunden oder ins Café gehen. Die Bahn ist seit 1984 unter Denkmalschutz  und somit ein Stück lebendige Dresdner Geschichte, das man einfach erlebt haben muss.

Standseilbahn Dresden

Fazit:

Diese besonderen Verkehrsmittel zeigen, dass Fortschritt nicht immer schneller, sondern oft bewusster bedeutet. Wer sich Zeit nimmt für die Anreise, entdeckt Landschaften, Geschichten und Perspektiven, die sonst verborgen bleiben – und reist dabei oft nachhaltiger, als man denkt.

 

 

© Fotos: Nadine Pinezits; Gasthof Kohlern; Marketing Engelberg / Familie Töngi: RAINER EDER, Pexels / Detait

Nadine ist freiberufliche Redakteurin und Texterin. Sie lebt in Österreich und pendelt zwischen Salzburg und Wien. Sie ist somit entweder in den Bergen oder im Großstadtdschungel unterwegs, versucht aber gleichzeitig, so viel Zeit wie möglich in ihrem Herzensland Portugal zu verbringen.

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