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Glück auf Reisen

INA WO(A)NDERS: Was hat Reisen mit Glück zu tun?

Als ich neulich auf Heimatbesuch in Deutschland war, fragte mich ein ehemaliger Arbeitskollege: na, hast du unterwegs dein Glück endlich gefunden? Und obwohl ich mich gerne als schlagfertig bezeichne, hatte ich auf diese Frage keine Antwort parat.

Seit über fünf Jahren bin ich fast immer unterwegs. Meine Reise begann zu Fuß auf dem Jakobsweg, brachte mich an meine Grenzen, drängte mich zu Entscheidungen und mündete schließlich in einem Leben auf einem Segelboot. 8000 Meilen und sechs Länder später habe ich mich noch immer nirgends niedergelassen. Ich habe zwar ein Haustier, aber kein Haus. Ich arbeite, um mich über Wasser zu halten. Und investiere Lebenszeit, statt Geld zu sparen. Mutig, finden manche. Unvernünftig, bemängeln andere. Und bei dem Versuch, diplomatisch zu bleiben, sagen einige: „Solange es dich glücklich macht…“ Tut es das?

Katze

Zweifellos habe ich, seit ich unterwegs bin, viele Glücksmomente erlebt. Als wir eine zauberhafte Bucht mit kristallklarem Wasser in Kroatien ganz für uns allein hatten. Als das Kätzchen, das wir tags zuvor dehydriert und verwahrlost aus dem Müll in der Peloponnes gefischt hatten, auf wundersame Weise überlebte. Als wir nach vielen Tagen auf hoher See endlich wieder festen Boden unter den Füßen und einen großen Becher sizilianische Eiscreme in den Händen hatten. Als ich in Portugal barfuß Balance finden und in Syrakus mitten auf einem Markt aufwachen durfte. Als während einer Nachtfahrt, irgendwo im nirgendwo, über mir der Sternenhimmel und in unserer Bugwelle die Leuchtalgen funkelten. Als wir an einem Steg in einem griechischen Fischerdorf alte Freunde trafen, die strahlend unsere Leinen entgegennahmen. Und auch, als ich nach über einem Jahr Pandemie endlich mal wieder nach Deutschland kam – und erlebte, wie schön es ist, wenn sich alle einfach nur freuen, dass man da ist.

Traumhafte Bucht
Markt von Syrakus

Auf die Frage, ob ich unterwegs mein Glück schon gefunden habe, würde ich heute antworten: häppchenweise. Und dabei kommen meine Glückshappen immer wieder in anderer Gestalt daher. Mal ist es die unfassbare Schönheit der Natur, die mir den Atem stocken lässt. Dann wiederum ist es die bedingungslose Freundlichkeit eines Menschen, die meine Seele wärmt. Mal ist es das berauschende, vor Adrenalin pulsierende Gefühl, am Leben zu sein. Und manchmal ist es nur eine Portion Pistazien-Eis.

In jedem Fall hat mich das Reisen gelehrt, meine Glückshappen ausgiebig auszukosten.

In jedem Fall hat mich das Reisen gelehrt, meine Glückshappen ausgiebig auszukosten. Denn eine ruhige Zauberbucht kann sich innerhalb weniger Stunden in einen schaukelnden Hexenkessel verwandeln. Pandemien können meine Reisepläne durchkreuzen. Und wenn ich mir heute für meine Freunde keine Zeit nehme, kann der Wind uns schon morgen wieder auseinandergeweht haben.

Wie seht ihr das? Glaubt ihr, dass reisen glücklich macht? Ich freue mich jederzeit über euer Feedback, eure Anregungen und Fragen – gerne als Kommentar oder direkt per E-Mail an [email protected].

Italienisches Eis

Ina ist digitale Nomadin und lebt auf einem Segelboot. Wenn gerade Flaute ist, befreit die bekennende Minimalistin Buchten und Strände von Plastik, hält Ausschau nach besonderen Orten für Good Travel, fotografiert und schreibt Artikel zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen aller Art.

2 Comments

  • Christa Gronow

    Liebe Ina, ein berührender Artikel. Ja so ist das auch bei mir mit den Glückshäppchen.
    Und ein großes Glückshäppchen ist es für mich,
    dass ich dich und deine Familie kenne und dass es schon so viel Glückszeit gab.
    Ich freue mich glücklich❣️
    Herzlich Christa

    • Ina

      Liebe Christa, vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Einfach großartig, in welch verschiedenen Gestalten das Glück so daher kommt… es scheint, man muss es nur aufsammeln <3 Alles Liebe, schön dass du zu unserem Clan dazugehörst, und bis bald! Ina

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