Flugkompensation: Bringt das überhaupt etwas?

Flüge kompensieren

Ein Gastbeitrag von Carolin Frühauf

Die CO2-Emissionen der Luftfahrtindustrie tragen circa fünf Prozent zur Klima-Erwärmung bei. Dabei sind 90 Prozent der Weltbevölkerung noch nie geflogen. Hauptverursacher sind die Industrienationen. Experten prognostizieren weiteren einen Anstieg des Flugverkehrs in den kommenden Jahren. Dabei ist CO2 nicht das einzige Treibhausgas, welches Flugzeuge in die Umwelt entlassen.

CO2 ist eines der Treibhausgase, die die Erderwärmung ankurbeln und den Klimawandel begünstigen. Hauptverursacher, die CO2 ausstoßen, sind Flugzeuge, Autos und Kohlekraftwerke. Das Umweltbundesamt hat eine Übersicht der verschiedenen Transportmittel und ihrer Treibhausgasemissionen erstellt, die du hier einsehen kannst.

Dem bewussten Konsumenten wird bei diesen Fakten natürlich ganz flau im Magen.

Muss ich jetzt auf jegliche Flugreisen verzichten?

Ganz ehrlich, besser wär’s.

Aber auch ganz ehrlich: sich so extrem in seinem privaten Leben einzuschränken und auf jegliche Transportmittel zu verzichten, ist für manche ein großer Beschnitt der Freiheit. Der Fakt, dass wir alle unser Reiseverhalten und generelles Konsumverhalten hinterfragen sollten, liegt auf der Hand.

Das Klima schützen mit Flugkompensation, ist das möglich?

Nein. Mit der Kompensation senken wir den weltweiten CO2 Ausstoß kaum. Wir gleichen ihn hauptsächlich aus. Fakt ist, um das nun korrigierte 1,5 Grad Ziel zu erreichen bleiben jedem Erdenbürger eine Tonne erlaubtem CO2 Ausstoß pro Jahr.

Zum Vergleich: in Deutschland verbrauchen wir gerade circa 9,6 Tonnen CO2 pro Jahr pro Kopf. Ein Flug von Düsseldorf nach Mallorca verursacht dabei allein 0,75 Tonnen CO2.

Was bedeutet es denn jetzt, meinen Flug zu kompensieren?

Die CO2 Emissionen, die man beim Fliegen verursacht, werden an anderer Stelle eingespart. Also in einem Projekt einer der Kompensationsagenturen, von denen es zahlreiche seriöse und leider auch unseriöse gibt. Die Projekte finden meist in Schwellen- und Entwicklungsländern als Energie- oder Senkenprojekte statt.

Ein Energieprojekt ist beispielsweise das Windradprojekt in der Türkei von Myclimate. Dort unterstützt die Organisation den Bau eines Windparks und trägt somit dazu bei, dass jährlich mehr als 35.000 Tonnen CO2 eingespart werden, denn Kohle- und Gaskraftwerke sind überflüssig geworden. Die Frage, ob das Projekt auch ohne die Unterstützung von Myclimate stattgefunden hätte, bleibt jedoch offen.

Bei Senkenprojekten wird der Atmosphäre CO2 entzogen und in Biomasse gebunden. Dies sind Aufforstungsprojekte, Projekte in denen trockengelegte Moore wieder bewässert und revitalisiert werden oder Begrünungsprojekte. Ein Kritikpunkt hierbei ist die zeitliche Verzögerung. Ein Baum wächst nicht von heute auf morgen und wer weiß wie lange das Projekt bestehen bleibt.

Flugkompensation: Welche Anbieter sind empfehlenswert?

Zu Beginn des Jahres 2018 hat die Stiftung Warentest Deutschlands bekannteste Kompensationsagenturen genauer unter die Lupe genommen und folgende Top List erstellt (Note 1 ist sehr gut und Note 6 Mangelhaft):

  • Atmosfair (Schulnote 0,6)
  • Klimakollekte (Schulnote 1,1)
  • Primaklima (Schulnote 1,5)
  • Myclimate (Schulnote 2,2)
  • Klimamanufaktur (Schulnote 4,0)
  • Arktik (Schulnote 4,2)

Woher weiß ich, ob die Projekte wirklich etwas bewirken?

Es liegt auf der Hand, dass es schwierig ist, den genauen CO2 Ausstoß eines Fluges und den der Kompensation zu berechnen. Eine Hilfe bietet der Goldstandard, der als gemeinnützige Organisation Klimaschutzprojekte zertifiziert und weltweit anerkannt wird. Atmosfair bietet eine hilfreiche Zusammenstellung von Informationen, welche Projekte sinnvoll sind.

Viele Mobilitäts- und Reiseveranstalter bieten die Kompensation direkt bei der Buchung an. Auch bei Good Travel kann man mit Atmosfair kompensieren. Ansonsten gilt: am besten nachfragen, mit welcher Firma zusammengearbeitet wird und nachhören, ob bekannt ist, in was für ein Projekt das Geld fließt.

„There is no Planet B“

Übrigens werden nicht nur Flüge kompensiert. Vor allem Firmen kompensieren sämtliche Aktivitäten oder Produkte, die dann oft als klimaneutral deklariert werden, obwohl nicht alle Prozesse tatsächlich kompensiert wurden.

Man kann mittlerweile Computer, Blumensträuße oder Obst ‚klimaneutral’ kaufen. Dass da der Begriff Ablasshandel aufkommt, darf nicht verwundern. Dennoch sollte der Fokus auf den guten Willen der Verbraucher gelenkt werden. Sie sind es, die bereit sind etwas Gutes zu tun und eine Veränderung anzustoßen.

Wie man im Alltag den eigenen CO2 Ausstoß direkt beeinflussen kann:

  • Kein Rindfleisch mehr essen
  • Reparieren anstatt neu kaufen
  • Fahrrad oder zu Fuß anstatt mit dem Auto
  • Innerhalb Europas mit dem Zug oder Bus
  • Zu einem Ökostromanbieter wechseln
  • Regional und Saisonal einkaufen
  • Konsum von Tierprodukten minimieren
  • Effizient Heizen
  • Rede auch mit Menschen über den Klimawandel und macht euch gegenseitig Mut etwas bewirken zu können!

Weitere Tipps zum nachhaltigen Reisen findest du hier auf unserem Blog.

77 weitere Tipps hat der NABU für dich.

Hier die Klimaschutztipps von UTOPIA.

Sowie Alltagstipps vom WWF.

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