Hand in Hand: Tourismus und nachhaltige Forstwirtschaft
Für viele Menschen ist der Wald ein echter Sehnsuchtsort: ein Ort zum Spazierengehen, tief durchatmen, Kraft tanken, die Ruhe genießen und der Natur ein Stück näherkommen. Kein Wunder also, dass Urlaub in Waldnähe immer beliebter wird. Mitten im Grünen schlafen, morgens mit Vogelgezwitscher aufwachen, das Schattenspiel der Blätter und Bäume beobachten und dabei die herrliche Waldluft einatmen – all das sind Eindrücke, die zugleich beruhigen und beleben. Doch der Wald ist mehr als nur ein schöner Ort für Erholung und Naturerlebnisse. Er ist Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere, passionierter Klimaschützer, und die Quelle für den nachwachsenden Rohstoff Holz.
Unsere Wälder stehen unter Druck
Leider steht es um viele unserer Wälder nicht gut. Während ihnen Dürre, Hitze, Stürme, Krankheiten und Schädlingsbefall bereits zusetzen, haben menschliche Eingriffe diese Herausforderungen vielerorts zusätzlich verschärft. Künstlich angelegte Monokulturen standortfremder oder wenig angepasster Baumarten (z.B. Fichten) sind beispielsweise besonders anfällig für Trockenheit, Sturmschäden und Borkenkäferbefall. Und auch die Art, wie Holz geerntet wird, kann Wälder zusätzlich belasten. Schwere Maschinen können Böden verdichten und damit deren Wasserspeicherfähigkeit beeinträchtigen, große Kahlschläge verändern das Waldklima und lassen wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen verschwinden. Es ist also höchste Zeit, dass wir mit unseren Wäldern besser umgehen.
So geht nachhaltige Forstwirtschaft
Eine nachhaltige Forstwirtschaft fragt nicht nur, wie ein Wald maximalen Holzertrag bringen kann, sondern was der Wald braucht, um auch in Zukunft gesund und widerstandsfähig zu bleiben. Statt gleichförmiger Monokulturen fördert sie vielfältige Mischwälder mit unterschiedlichen Baumarten und Altersstufen und setzt beim Holzeinschlag auf Qualität statt Quantität. Dabei erhält sie möglichst viel natürliche Struktur im Wald – denn alte Bäume und Totholz sind kein „Abfall“, sondern wichtige Lebensräume für Tiere, Pilze und Pflanzen. Dort, wo der Wald besonders wertvoll oder empfindlich ist, kann es außerdem sinnvoll sein, ihn ganz sich selbst zu überlassen. Waldbesitzer können sich ihre Bemühungen für eine nachhaltigere Forstwirtschaft übrigens auch zertifizieren lassen – etwa mit den Zertifizierungen des FSC (Forest Stewardship Council), PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) oder Naturland.
Fünf Good Travel Unterkünfte mit nachhaltiger Forstwirtschaft
Wo nachhaltige Waldwirtschaft gelingt, lassen sich auch nachhaltige Tourismusangebote besonders erfolgreich integrieren. Wie vielfältig diese Verbindung aussehen kann, könnt ihr in einigen unserer Good Travel Unterkünfte live erleben. Hier ist der Wald nicht nur schöne Kulisse für den Urlaub, sondern Teil des täglichen Lebens und Wirtschaftens – und manchmal sogar ein Stück Familiengeschichte.
1. Hafsrød – Norwegen, Østfold
Mitten in den ausgedehnten Wäldern des norwegischen Østfold liegt Hafsrød, ein familiengeführtes Forstgut mit drei gemütlichen Cabins für naturverbundene Gäste. Seit fünf Generationen bewirtschaftet die Familie die rund 1.000 Hektar Wald und verbindet dabei Forstwirtschaft mit dem Schutz der natürlichen Lebensräume. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: durch eine nachhaltige Bewirtschaftung konnte die CO₂-Aufnahme des Hafsrøder Waldes in den vergangenen 20 Jahren um 50 Prozent gesteigert werden. Die Hafsrøder Ferienhütten wurden früher von Waldarbeiter:innen genutzt, kleine Details erzählen bis heute die Geschichten ihrer ehemaligen Bewohner:innen. Für Gäste wird die Geschichte des Waldes und seiner Bewirtschaftung unmittelbar erlebbar – unter anderem auf Wanderungen durch das eigene Waldgebiet.
2. Himmelreich-Chalets – Deutschland, Bayerischer Wald
Im Bayerischen Wald bei Lam liegen die Himmelreich-Chalets von Familie Koller, zwei gemütliche Ferienhäuser, die vollständig aus Holz aus dem familieneigenen Wald gebaut wurden. Von den überdachten Terrassen eröffnet sich ein großartiger Blick auf das Bergpanorama des Bayerischen Waldes, der zum Wandern, Klettern, Radfahren, Rodeln oder Skifahren einlädt. Für die Gastgeber gehören Wald und nachhaltige Forstwirtschaft seit Generationen untrennbar zusammen und ihr Wissen teilen Sie gerne bei Waldführungen.
3. Schloss Neuenhof – Deutschland, Sauerland
Im Sauerland bei Lüdenscheid liegt Schloss Neuenhof. In der historischen Vorburg beherbergt die Familie Bussche Gäste in einer Ferienwohnung. Auf den zum Schloss gehörenden Flächen betreiben die Gastgebenden außerdem seit vielen Generationen Forstwirtschaft und setzen dabei auf eine besonders naturnahe Form der Waldbewirtschaftung, die mit dem PEFC-Standard zertifiziert ist.
4. Gut Nehmten – Deutschland, Holsteinische Schweiz
Am Plöner See in der Holsteinischen Schweiz liegt Gut Nehmten, ein traditionsreiches, familiengeführtes Gut mit Ferienhäusern und Ferienwohnungen. Zum weitläufigen Gutsbesitz gehört neben der Landwirtschaft auch ein eigener Forstbetrieb, der die Landschaft rund um das Gut prägt. Alte Bäume, Waldflächen und das eigene Revier machen den Wald zu einem wichtigen Bestandteil des Gutslebens. Gäste können die Wälder rund um Nehmten auf Spazier- und Wanderwegen erkunden und dabei die besondere Verbindung von Gut, Landschaft und Forst erleben.
5. Moosham 13 – Deutschland, Bayerischer Wald
Auf einem historischen Vierseithof bei Grafenau im Bayerischen Wald bieten Verena und Reinhold zwei Ferienwohnungen inmitten einer waldreichen Landschaft. Zum Familienbetrieb gehören neben den landwirtschaftlichen Flächen auch eigene Forstflächen, die seit Generationen bewirtschaftet werden. Holz aus dem eigenen Wald landete hier auf kürzestem Wege mitunter in den unbehandelten Holzfußböden der Ferienwohnungen und bleibt so Teil des regionalen Kreislaufs. Für Gäste eröffnet sich rund um den Hof die Möglichkeit, die Wälder des Bayerischen Waldes unmittelbar zu erleben.
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© Fotos: unsplash / Kristaps Ungurs, Pexels / Wal, Unterkünfte: Die Rechte liegen bei den Unterkünften
Ina Hiester
Ina ist digitale Nomadin und reist zu Wasser und zu Lande durch Europa. Dabei hält die Journalistin stets Ausschau nach besonderen Orten für Good Travel, philosophiert in ihrer Kolumne über das Reisen, fotografiert, musiziert und schreibt Artikel zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen aller Art.



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