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Europas Wälder

Europas schönste Wälder

Alte Buchen, dichte Tannenwälder und moosige Lichtungen: Europas Wälder könnten unterschiedlicher kaum sein. Viele von ihnen sind wichtige Lebensräume für seltene Tiere, andere stehen für einen besonderen Umgang mit Natur und Naturschutz. Wir werfen einen Blick auf sieben Wälder, die auf ganz unterschiedliche Weise zeigen, was Europa waldtechnisch zu bieten hat.

Der Schwarzwald, Deutschland

Dunkle Wälder, weite Höhen und kleine Dörfer mit roten Geranien an den Fenstern: der Schwarzwald ist eine Region voller Bilder, die uns tief vertraut sind. Doch wer nur das Postkartenidyll sieht, verpasst das Wesentliche: Der Schwarzwald ist ein Naturraum im Wandel und gleichzeitig ein Rückzugsort mit unberührter Stille.

Im Nationalpark Schwarzwald darf der Wald wieder Wald sein: Totholz bleibt liegen, Moose wachsen auf umgestürzten Baumstämmen und seltene Tiere finden neue Lebensräume. Auf dem Lotharpfad lässt sich beobachten, wie sich der Wald nach dem Orkan von 1999 ganz natürlich regeneriert hat – ein beeindruckendes Beispiel für die Widerstandskraft der Natur.

Wer die stille Schönheit sucht, sollte sich auf die Höhen des Nordschwarzwalds begeben: Schliffkopf, Hornisgrinde oder das Hochmoor bei Kaltenbronn bieten weite Ausblicke über dichte Wälder bis hin zu den Vogesen. Und natürlich darf auch der Genuss nicht fehlen, denn was schmeckt besser als eine Schwarzwälder Kirschtorte nach einer langen Wanderung?

Luftaufnahme eines bewaldeten Bergkamms im Schwarzwald mit Blick auf dahinterliegende, dunstige Höhenzüge

Der Białowieża-Urwald, Polen

Wer wissen möchte, wie ein europäischer Urwald aussieht, sollte nach Osten reisen. An der Grenze zwischen Polen und Belarus liegt der Białowieża-Urwald, einer der letzten großen ursprünglichen Tieflandwälder Europas. Jahrhundertealte Eichen, Eschen und Linden prägen die Landschaft, dazwischen liegen umgestürzte Baumriesen, die langsam zu neuem Leben werden.

Besonders berühmt ist Białowieża auch für seine Wisente. Die imposanten Tiere galten einst als fast ausgestorben und wurden hier erfolgreich wieder angesiedelt. Heute streifen sie gemeinsam mit Wölfen, Luchsen und zahlreichen Vogelarten durch die Wälder.

Abendlicht fällt durch jahrhundertealte Bäume im Białowieża-Urwald an der Grenze zwischen Polen und Belarus

Die uralten Buchenwälder der Karpaten, Rumänien

In den rumänischen Karpaten fühlt sich Europa plötzlich erstaunlich wild an. Große zusammenhängende Wälder bedecken die Berghänge, dazwischen liegen abgelegene Dörfer, tiefe Täler und Hochweiden. In den Urwäldern des Nationalparks Cheile Nerei-Beușnița und bei Șinca stehen bis zu 500 Jahre alte Buchen. Die artenreichen Wälder gehören zum UNESCO-Welterbe und stehen unter besonderem Schutz.

Die Wälder der Karpaten gelten zudem als eine der wichtigsten Rückzugslandschaften für Europas große Wildtiere. Braunbären, Wölfe und Luchse sind hier noch heimisch. Wer mit einem lokalen Guide unterwegs ist, kann die Landschaft auf besonders respektvolle Weise kennenlernen.

Dichter Tannenwald in einem Tal der rumänischen Karpaten, Blick von einem Felsvorsprung

Der Bayerische Wald, Deutschland

Knapp 25.000 Hektar wilde Wälder, sanfte Höhenzüge und verborgene Täler: Der Bayerische Wald gehört zu den größten zusammenhängenden Waldlandschaften Mitteleuropas. Mit dem ersten Nationalpark Deutschlands wurde hier ein Ort geschaffen, an dem sich die Natur weitgehend frei entfalten darf. Gemeinsam mit dem benachbarten Böhmerwald in Tschechien bildet er das sogenannte „Grüne Dach Europas“. „Natur Natur sein lassen“ lautet das Motto des Nationalparks und genau das macht den Bayerischen Wald so besonders. In den Wäldern entstehen Urwälder von morgen, Moore bleiben sich selbst überlassen und Tiere wie Luchs und Habicht finden wieder Lebensräume. 

Wer die Region besucht, kann auf dem Baumwipfelpfad in Neuschönau durch die Kronen der Bäume wandern oder den Großen Arber, mit 1.456 Metern der höchste Gipfel des Bayerischen Waldes, erklimmen.

Verschneites Tal mit Dorf, Nadelwäldern und Alpenpanorama im Bayerischen Wald

Der Böhmerwald, Tschechien

Und wenn wir schon beim Böhmerwald sind: Dichte Fichtenwälder, geheimnisvolle Moore und glasklare Bergseen machen diesen zu einem Paradies für alle, die Ruhe suchen. Besonders schön ist Šumava, wie er auf tschechisch heißt, an frühen Morgenstunden, wenn Nebel über den Mooren liegt und die Wälder fast märchenhaft wirken. Auf gut ausgeschilderten Wanderwegen lässt sich die Landschaft zu Fuß erkunden, ohne dass man ständig auf große Besucher:innenströme trifft.

Und genau darin liegt der Reiz: Šumava ist kein Wald für die schnelle Bucket-List, eher ein Ort zum Langsamerwerden und zum Entdecken einer Landschaft, die sich über Grenzen hinweg mit ihrem deutschen Nachbarn verbindet.

Wanderer mit rotem Regenmantel und Schirm auf einem Pfad durch die dichten Fichtenwälder des Böhmerwalds

Laurisilva, Madeira

Madeira ist für steile Küsten, bunte Blumen und spektakuläre Ausblicke bekannt. Doch im Inselinneren wartet eine Landschaft, die noch viel ursprünglicher wirkt: der Laurisilva-Wald. Der immergrüne Lorbeerwald gehört zu den ältesten Waldökosystemen Europas und ist ein Überbleibsel jener Wälder, die einst große Teile Südeuropas bedeckten. Moose, Farne und Flechten überziehen die Bäume, Wasser sickert durch die Hänge und auf den alten Bewässerungswegen der Insel – den Levadas – lässt sich der Wald besonders intensiv erleben.

Wer hier wandert, bekommt schnell das Gefühl, in einen Film geraten zu sein. Feuchte Luft, Nebelschwaden und sattes Grün machen den Laurisilva zu einem der außergewöhnlichsten Wälder Europas.

Moosbewachsene Felsen und ein klarer Bach im Laurisilva-Wald auf Madeira

Foresta Umbra, Italien

Im Süden Italiens, auf der Halbinsel Gargano in Apulien, liegt ein Wald, den man hier vielleicht nicht erwarten würde: die Foresta Umbra. Nur wenige Kilometer vom Mittelmeer entfernt wachsen riesige Buchen, Eichen und Ahornbäume. Der Name bedeutet so viel wie „schattiger Wald“ und könnte passender kaum sein.

Während an der Küste die Sonne scheint, herrscht im Inneren des Waldes eine angenehm kühle, fast mystische Atmosphäre. Im Frühling und Herbst zeigt sich die Foresta Umbra besonders eindrucksvoll, wenn das Licht durch die Baumkronen fällt und der Waldboden von Blättern bedeckt ist. Der Wald ist Teil des Nationalparks Gargano und lässt sich auf einer Fläche von 10.500 Hektar auf zahlreichen Wanderwegen erkunden.

Felsküste mit natürlichem Torbogen und türkisfarbenem Meer auf der Halbinsel Gargano nahe der Foresta Umbra

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© Fotos: Pexels / wwarby; unsplash / Benni Asal, Lukasz Szmigiel; Pexels / Lajos Kristof Kantor, unsplash / Pascal Bullan, Sebastian Schuppik, Mario la Pergola; Pexels / mmg Cancell

 

Nadine ist freiberufliche Redakteurin und Texterin. Sie lebt in Österreich und pendelt zwischen Salzburg und Wien. Sie ist somit entweder in den Bergen oder im Großstadtdschungel unterwegs, versucht aber gleichzeitig, so viel Zeit wie möglich in ihrem Herzensland Portugal zu verbringen.

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