Eine Nacht im Schneeiglu in Südtirol
Seid ihr schon mal mit Skikleidung in der Sauna gesessen? Nein? Ich schon. Und zwar im Ahrntal in Südtirol, als ich in den Mountain Igloos am Speikboden übernachtet habe. Anfang Februar habe ich bei -12 Grad in den kleinen Schneehäusern geschlafen. Und ja, ich musste mich zwischendurch ganz kurz mit Skihose und Pulli in der Sauna aufwärmen, bevor ich dann die Nacht über ganz kuschlig und warm in meinem Expeditionsschlafsack geschlummert habe. Doch fangen wir von vorn an.
Willkommen in Iglu Nummer 5
Es ist ein sonniger und eiskalter Tag, als ich am Speikboden im Südtiroler Ahrntal ankomme. Auf 2000 Metern Höhe steht hier ein kleines Iglu-Dorf, das ich zu Fuß von der Bergstation erreiche. Mit einem Rucksack voll mit Winterkleidung, einer Stirnlampe und Badekleidung (ja, tatsächlich) komme ich oben an. Maria und Florian aka Flocki nehmen mich direkt in Empfang. Die beiden machen mit mir den Check-in, versorgen mich mit einem heißen Begrüßungsdrink und zeigen mir mein Iglu für die Nacht. Ich beziehe das mit der Nummer 5, direkt neben dem Iglu-Restaurant. Auszupacken gibt es nicht viel, ich stelle lediglich meinen Rucksack in dem kleinen Schneehaus ab. Mein Iglu ist mit einem großen Bett, Fellen und einem richtig warmen Schlafsack ausgestattet. Laternen werden später das Innere meiner Schlafstätte erhellen.
Was ich direkt beim Betreten durch die kleine Holztür bemerke, ist die Stille im Iglu. Schnee schluckt ja bekanntlich Geräusche und so ist es hier wirklich ruhig. Und: Ein paar Grad wärmer als draußen. Das kommt daher, weil der Schnee viele eingeschlossene Luftpolster enthält, die hervorragend isolieren und die Wärme im Inneren halten. Der Eingang des Iglus ist außerdem tiefer gebaut als der Schlafbereich. Das führt unter anderem dazu, dass die kalte Luft draußen bleibt und warme Luft oben gespeichert wird. Der Aufbau der Iglus hier braucht ganze drei Wochen, wie mir Maria erklärt. Gestartet wird damit Anfang Dezember. Übernachten kann man dann von den Weihnachtsfeiertagen weg bis in den April.
Schneeschuhwandern bei Vollmond
Schön langsam versammelt sich die Gruppe, die heute die Nacht in den Iglus verbringt, draußen auf dem Platz. Wir gehen gleich alle gemeinsam auf eine Sonnenuntergangs-Schneeschuhtour hier am Speikboden. Schneeschuh-Erfahrung habe ich bereits letztes Jahr in der Schweiz gesammelt, die Basics kenne ich also. Insgesamt zu neunzehnt wandern wir gemeinsam mit Flocki entlang von Ziehwegen und kleinen Waldwegen. Wir sind noch keine halbe Stunde unterwegs, da fangen die ersten Bergspitzen an, in den wunderschönsten Pink- und Orangetönen zu leuchten. Der Schnee, der die Berge bedeckt, leuchtet im warmem Licht und meine Kamera knipst dieses Postkartenmotiv im Sekundentakt. Nach Sonnenuntergang immer mit dabei: Der Vollmond, der unseren Stirnlampen mit seiner Leuchtkraft fast schon die Arbeit abnimmt. Gut warm wird uns beim flotten Gehen auch, die Poren schwitzen und die Augen leuchten. Knapp zwei Stunden später kommen wir zurück ins Iglu-Dorf, der Hunger ist bei allen bereits groß.
Suppe und Saunabesuch
Wir dürfen auch direkt im Iglu-Restaurant Platz nehmen. Felle, Lichterketten und dezente Deko machen den Gastraum aus Schnee extrem gemütlich. Wir bekommen ein drei Gänge Menü serviert – heiße Suppe, Hausmannskost und Süßes stehen auf dem Plan. Alles schmeckt toll, die Portionen sind riesig. Ich merke nach dem ersten Gang jedoch, dass ich friere. „Wieviel frieren ist eigentlich normal?“, frage ich Maria fast schon peinlich berührt. Sie fackelt nicht lange und sagt: „Komm, wir gehen mal kurz in die Sauna, dann geht das schon wieder.“ Und sie behält recht. Nachdem ich gute 10 Minuten mit Skihose und Pulli in der Sauna sitze, ist mir wieder richtig warm. Und das soll auch die ganze Nacht so bleiben, dazu aber später mehr.
Auf der Suche nach den Sternen
Es ist eine sternenklare Nacht, fast schon kitschig. Wir haben mittlerweile -12 Grad erreicht, Temperaturen, die förmlich nach einem Abstecher ins Hot Tub schreien. Ich schmeiße mich also in meinen Badeanzug und steige genüsslich in die warme Wanne – die erste ihrer Art, die meiner Meinung nach die optimale Temperatur hat (sehr heiß, nicht lauwarm). Ein paar aus der Gruppe und ich sitzen im warmen Wasser, schauen in die Sterne und philosophieren darüber, wie die Nacht wohl werden wird. Die Kinder, die dabei sind, halten Ausschau nach Sternenbildern. Das hier ist einer dieser Momente, wo man plötzlich ganz klein wird und die Welt und all das, was in ihr gerade so vorgeht, für kurze Zeit komplett vergisst. Die Schönheit der Natur hat diesen Effekt eigentlich immer und ich frage mich, wie ich das nur jedes Mal wieder vergesse?
Ganz ohne Frieren durch die Nacht
Das Bad im Hot Tub beendet und alle Schichten wieder angezogen, geht es für mich nun in mein Iglu. Draußen ist etwas Wind aufgezogen und ich bin froh, mich nun in meinen isolierten Schlafplatz zurückzuziehen. Mit Wärmflasche und Kuschelsocken lege ich mich um 22 Uhr in den dicken Schlafsack und versuche zu schlafen. Mir ist mehr als warm, sodass ich die Wärmflasche für kurze Zeit sogar weglege (nur um sie mir ein paar Stunden später wieder zu schnappen). Ich wache einmal um fünf Uhr auf, um aufs Klo zu gehen. Auf dem Weg zur nahegelegenen Liftstation, wo die Toiletten sind, genieße ich noch einmal die Ruhe, die hier gerade herrscht. Ich bin umgeben vom Licht des Mondes, von ein paar Sternen und der eiskalten Nacht – herrlich. Am nächsten Morgen schlafe ich, bis mich mein Wecker um 7:30 Uhr weckt. Der erste und durchaus lustige Anblick an diesem Morgen: Mein komplett steifer Badeanzug, der über Nacht eingefroren ist und nun von alleine steht.
Aus der Komfortzone rauszugehen zahlt sich immer aus
Als ich die Iglutür öffne, erhellt die Sonne bereits die ersten Berggipfel und es lässt darauf schließen, dass mir heute wieder ein wunderschöner Tag bevorsteht. Ich packe meine sieben Sachen und marschiere die paar hundert Meter runter ins Bergrestaurant, wo Frühstück auf die Gruppe wartet. Bei heißem Tee und Brötchen mit Schokocreme lasse ich die vergangene Nacht noch einmal Revue passieren und komme zu dem Fazit, dass die Aktivitäten, die uns aus unserer Komfortzone rausholen, am Ende oftmals genau die sind, die uns am meisten im Gedächtnis bleiben.
Weiterer spannender Artikel von Nadine:
DIE GLETSCHER DES SCHWEIZER WALLIS: EIN ABSCHIED AUF ZEIT?
© Fotos: Nadine Pinezits
Nadine Pinezits
Nadine ist freiberufliche Redakteurin und Texterin. Sie lebt in Österreich und pendelt zwischen Salzburg und Wien. Sie ist somit entweder in den Bergen oder im Großstadtdschungel unterwegs, versucht aber gleichzeitig, so viel Zeit wie möglich in ihrem Herzensland Portugal zu verbringen.



KOMMENTAR