Eintauchen ins Aussteigerleben im Süden Portugals – der Alentejo

Weinanbau in Portugal

Ein Gastbeitrag von Carolin Frühauf

Die kleinen Gassen von São Luís im Südwesten Portugals sind noch voller Leben, als wir Freitag abends das kleine Rathaus aufsuchen. Die Türen stehen weit offen und in der Festhalle sitzen ungefähr 70 Leute an langen Tischreihen und lauschen der Abschlussrede von Ana, die das vierte Treffen der Ökoprojekte in Süd-Alentejo abschließt und dazu aufruft noch zur Jamsession im Hof zu bleiben.

Jung und Alt sitzen nebeneinander und unterhalten sich ausgelassen. Eine Gruppe Kinder läuft einem kleinen Hund hinterher. Zum Nachtisch gibt es Natas do Céu- Himmelscreme. Man hört klimpernden Silberschmuck, sieht bunt gemusterte Kleider, Birkenstocks und Rastalocken. Aussteiger, Farmer, Einheimische und Kreative haben sich heute zusammengesetzt, um mögliche Kooperationsformen zu diskutieren – unter anderem eine Essenskooperative, die schon bald ins Leben gerufen wird.

Permakultur in Portugal
Tomaten aus ökologischem Anbau

Eines der populärsten Eigenversorgungskonzepte ist der Permakultur-Anbau. Die Idee der Permakultur ist es, schon vorhandenen Ökosysteme einer Landschaft direkt zu nutzen oder sie in neu geschaffenen Kreisläufen zu imitieren. Eine Permakultur-Farm ist somit darauf ausgelegt, noch viele weitere Generationen zu versorgen ohne die Umwelt zu belasten.

Wen das genauer interessiert, kann einige der Projekte im Alentejo besuchen - Das  Vida Pura Projekt  bietet beispielsweise Workshops und Tagesbesuche an.

Vor 1970 galt der Alentejo als eine der ärmsten Regionen Portugals. Großgrundbesitzer bestimmten das Leben der Einheimischen, die hauptsächlich aus Korkschälern, Landarbeitern und Erntehelfern bestanden. Heute leben immer noch nur 5% der Portugiesen in der Region. Weizenfelder, Korkeichen, Olivenbäume und Schafsherden lassen die Landschaft wild und etwas verwunschen aussehen. Das Motto der Einheimischen sieht man noch an vielen Hauswänden:

‚A terra a quem a trabalha’ - ‚Das Land dem, der es bearbeitet’.

Horden von Touristen sind im Alentejo nicht mal in der Hochsaison zu sehen und den ein oder anderen Strandabschnitt kann man oft ganz für sich genießen. Seit den 80er Jahren siedeln immer mehr Ausländer in die Region. Unter ihnen Menschen, die ein Leben im Rhythmus der Natur dem des quirligen Stadtlebens vorziehen und sich hier zu Farmkollektiven und Kommunen zusammenfinden, um ein selbstbestimmtes aber auch manchmal hartes Leben zu führen.

Steg zum Meer

(Praia Carrapateira)

Die Bewohner des Alentejo scheinen nicht viel Geld zu haben, dafür haben sie einen anderen großen Schatz für sich gepachtet: Zeit. Zeit, sich vor dem Haus stundenlang mit dem Nachbarn auszutauschen. Zeit, für einen Galão (portugiesischer Milchkaffee) und eine Zigarette im Café, bis die Mittagshitze vorbei ist. Zeit, um sich nicht über den zu spät kommenden Bus aus Lissabon zu beschweren, denn er kommt immer zu spät.

Die Zeit als großer Schatz

Joke und Peter sind auch auf dem Treffen der Farmkollektive. Die gebürtigen Holländer leben seit neun Jahren im Örtchen Troviscais bei São Luís und führen ein kleines   Glamping Resort   mit Safarizelten und Jurten, in denen man die kühlen Sommernächte Portugals genießen kann und morgens die Vögel zwitschern hört.

Jurte der Nature Lodge in Portugal

Eine Mischung aus beidem, Farmleben und Glamping, bietet das  Öko Glamping Resort Aterra  etwas weiter südlich von Troviscais und São Luís. Claudia und Francisco haben dort einen Ort geschaffen, der verzaubert und viel Ruhe und Entspannung schenkt. Neben der asiatisch anmutenden Rezeption ist eine kleine Holzbrücke, umgeben von bunten exotischen Blumen und geht man ein Stück weiter, entdeckt man den kleinen Obst- und Gemüsegarten, in dem eine Gruppe Pfaue Gras pickt und vielleicht die ein oder andere Erdbeere im Sommer. Für ihre Gäste und Tagesbesucher bietet Aterra Yogakurse, Reiki, Ayurvedische Massagen und vieles mehr an.

Öko Glamping Resort Aterra

(Aterra Resort)

Ab und zu landen auch ein paar Wanderer in diesem kleinen Paradies. Sie sind unterwegs auf der  Rota Vicentina , einem 350 Kilometer langen Wanderweg. Er führt entlang pittoresken Dörfern, Dünen und Steilklippen. Portugal zeigt sich auf der Rota Vicentina von einer seiner ursprünglichsten Seiten. Wer mutig und neugierig ist und zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort, kann auf diesem Wanderweg viele kleine und große Geheimnisse entdecken.

Praia Carrapateira

(Praia Amado)

Praia Amado

(Praia do Malhão)

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