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Strandverkäufer trägt einen mit bunten Bikinis behängten Schirm an einem überfüllten Mittelmeerstrand

Overtourism und was man dagegen tun kann

Des einen Freud ist des anderen Leid: Während Menschen überall auf der Welt schon ihre nächste Reise planen, wünschen sich andere nichts mehr, als dass Tourist:innen öfter mal zuhause bleiben. Overtourism oder „Touristifizierung“ bezeichnet die Überlastung von Städten, Regionen oder einzelnen Sehenswürdigkeiten durch zu viele Besucher:innen. Wir beleuchten das Thema – und geben Tipps für Reisen, die Mensch und Umwelt vor Ort schonen.

Seit die Corona-Pandemie den Tourismussektor zeitweise lahmgelegt hatte, machen Proteste gegen zu viele Besuchende längst wieder regelmäßig Schlagzeilen. Besonders in Spanien brodelt es: Das beliebte Urlaubsland, in dem rund 48 Millionen Menschen leben, verzeichnete 2025 mit fast 100 Millionen Tourist:innen einen neuen Rekord. Auch viele andere Regionen weltweit klagen über Overtourism, wie diese Karte zeigt. Doch wie kommt es dazu?

Overtourism: ein Symptom des Kapitalismus

Overtourism ist kein Zufall, sondern ein Symptom unserer kapitalistischen Gesellschaft. Mit steigendem Lebensstandard wird Reisen für immer mehr Menschen zur Selbstverständlichkeit. Unkomplizierte Pauschalreisen, Billigflüge und verlockende Last-Minute-Angebote befeuern die Touristenströme. Und soziale Medien tun ihr Übriges, um Menschenmassen auch an solche Orte zu locken, die einst als Geheimtipp galten.

Die Folgen sind gravierend: Wohnraum wird knapp, die Infrastruktur überfordert und die Umwelt leidet. Auch das Reiseerlebnis für Besucher:innen trübt sich bei zu viel Trubel. Ab wann genau dieses „zu viel“ erreicht ist, ist dabei von Ort zu Ort unterschiedlich. Ein kleines Dorf oder ein Naturschutzgebiet mit einem empfindlichen Ökosystem etwa ist schneller überlastet als eine Großstadt. Kritisch wird es immer dann, wenn Tourismus mehr schadet als nützt.

Dichte Menschenmenge drängt sich durch die antiken Ruinen von Ephesos in der Türkei

Overtourismus setzt Wohnraum unter Druck

In Städten mit ohnehin angespannter Wohnsituation verstärkt Tourismus den Druck auf den Wohnungsmarkt. Hotelketten verdrängen Sozialwohnungen, und Plattformen wie Airbnb blockieren Wohnraum für Einheimische. Gegen letzteres gehen inzwischen immer mehr Städte vor. In Berlin etwa regelt das Zweckentfremdungsverbot die touristische Vermietung streng. Paris erlaubt Airbnb-Vermietungen nur für maximal 90 Tage pro Jahr. Barcelona will bis 2028 alle Airbnb-Lizenzen auslaufen lassen, und in New York dürfen die Unterkünfte nur dann an Kurzzeitgäste vermietet werden, wenn die Vermieter:innen selbst vor Ort sind.

Infrastruktur und Umwelt unter Belastung

Neben der Wohnraumproblematik verändert zu viel Tourismus vielerorts auch die lokale Infrastruktur. Ursprüngliche Geschäfte und Cafés weichen Souvenirshops und Restaurants, die auf Touristen ausgerichtet sind. Damit geht das authentische Leben Stück für Stück verloren – lediglich die Souvenirs zeigen noch, wie es hier ursprünglich mal aussah. Und jenseits der Urlaubszeit wird es an diesen Orten dann oft gespenstisch still.

Sonnenreiche und regenarme Regionen ziehen oft besonders viele Touristen an, da hier schönes Urlaubswetter garantiert ist. Das setzt vor allem Regionen, die bereits unter Wassermangel leiden, unter Druck. Zusätzlich werden Abwasser- und Müllentsorgungssysteme überlastet, worunter neben der Bevölkerung vor allem die Umwelt leidet. Und auch zu viel Lärm ist vielerorts ein Problem – besonders in bekannten Party-Städten, aber auch mitten in der Natur.

Luftaufnahme eines überfüllten Strandes mit gelben Sonnenschirmen und vielen Badegästen im türkisblauen Meer

Maßnahmen gegen Overtourism

Staatliche und kommunale Maßnahmen können helfen, Overtourism zu begrenzen und Ausgleichsmechanismen zu schaffen. Neben den bereits beschriebenen Bemühungen einiger Städte zur Regulierung von Airbnb sind das:

  • Tourismusabgaben und Bettensteuern, deren Einnahmen in Infrastruktur und Umweltschutz fließen
  • Besucherlenkung und Reservierungssysteme für stark frequentierte Sehenswürdigkeiten
  • Tageslimits in besonders sensiblen Gebieten
  • Förderprogramme für regionale Alternativen jenseits der Hotspots

Wichtig ist dabei die Mitbestimmung derjenigen, die vom Overtourism konkret betroffen sind. Wer vor Ort lebt, sollte an der Planung und am wirtschaftlichen Nutzen der Tourismusaktivitäten beteiligt werden – nur so entstehen Verständnis, Akzeptanz und langfristig stabile Strukturen.

Good Travel: Tourismus kann auch anders

Trotz berechtigter Kritik darf man nicht vergessen: Tourismus schafft weltweit zahlreiche Arbeitsplätze und trägt zur Bewahrung und Pflege von Sehenswürdigkeiten, Traditionen und Kulturlandschaften bei. Idealerweise sollte er jedoch so gestaltet sein, dass Einheimische und Gäste gleichermaßen davon profitieren und Umwelt und Natur möglichst nicht beeinträchtigt werden.

Genau das ist der Kerngedanke von Good Travel, unserer Plattform für nachhaltige Unterkünfte. Bei unseren Nachhaltigkeitskriterien spielen besonders Umwelt- und soziale Aspekte eine große Rolle. Mehr Infos hierzu findet ihr hier. Die meisten unserer Unterkünfte sind inhabergeführt und ihr könnt euch direkt vor Ort von unseren Gastgeber:innen Tipps geben lassen, wie ihr Massen umgehen, Besonderes erleben und zugleich einen möglichst geringen Reise-Fußabdruck hinterlassen könnt.

Wichtig ist jedoch nicht nur, wohin ihr reist, sondern auch wann – und wie oft. Verreist lieber seltener und taucht dafür umso tiefer ein. Und wer in der Nebensaison reist, spart oft nicht nur Geld, sondern auch Nerven – und lernt eine Region ganz anders kennen, als wenn diese mit Touristenmassen überlaufen ist.

Overtourism-Paris-Eiffelturm-Touristen-Seine.jpg

Einen weiteren Artikel zum Thema Overtourism findet ihr hier:

WIE SICH OVERTOURISM-DESTINATIONEN IN DER KRISE NEU ERFINDEN

Fotos: Pexels / Carolino Portraits, Thomas Ronveaux, ch jawad, unsplash / Andri Wyss

Ina ist digitale Nomadin und reist zu Wasser und zu Lande durch Europa. Dabei hält die Journalistin stets Ausschau nach besonderen Orten für Good Travel, philosophiert in ihrer Kolumne über das Reisen, fotografiert, musiziert und schreibt Artikel zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen aller Art.

2 Comments

  • Jan

    Vor allem die richtigen Leute wären nett. Man hat das Gefühl da reisen nur extrovertierte Selbstdarsteller, die nur wegen Likes und Klicks irgendwohin reisen. Das ist grässlich, genau das will ich nicht.

  • Kul Roka

    Ich habe diesen Beitrag sehr gerne gelesen. Vielen Dank fürs Teilen!

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