Winterliche Auszeit am Drumlerhof in Südtirol
Ich habe Zöliakie, heißt: Ich kann kein Gluten essen. Nicht mal in kleinsten Mengen. Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, die eine strikte glutenfreie Ernährung fordert. Wenn die Pommes mit dem Schnitzel in der gleichen Fritteuse waren, geht das für mich bereits nicht mehr. Der Darm feiert‘s leider nicht. Ich wurde vor gut einem Jahr diagnostiziert und mein Leben ist seitdem irgendwie anders, wesentlich komplizierter. Ihr fragt euch jetzt vielleicht, warum ich das am Anfang eines Hinter den Kulissen Artikels erzähle. Nun ja, weil ich kürzlich im Drumlerhof in Südtirol mal eben vergessen durfte, dass ich an dieser Krankheit und allem, was damit einhergeht, leide.
Denn: Hier wird glutenfrei gekocht. Gastgeberin Ruth hat selbst seit über 20 Jahren Zöliakie und macht es anderen Betroffenen mit ihrer Küche (die weit über die Grenzen Südtirols hinaus bekannt ist) möglich, sich im Urlaub mal wieder ganz normal zu fühlen.
Aber auch abgesehen vom Essen war mein Aufenthalt in dem charmanten Hotel im Südtiroler Ahrntal ganz zauberhaft. Also: Erstmal auf Anfang.
Zirmzimmer, Keksüberraschung und Bergblick
Ich komme an einem Montag im Drumlerhof an – Kaiserschmarrn-Tag, wie ich später erfahre. Ich werde von Emma, Junior-Gastgeberin und Tochter der Drumlerhof-Eigentümer Ruth und Stefan, empfangen. Gemeinsam mit Schwester Franzi ist sie seit 2023 im Hotel mit am Werken. Direkt bekomme ich einen herrlichen Kaffee serviert, den ich genüsslich in der gemütlichen Lobby des Hotels trinke.
Draußen ist es eisig kalt, wir haben -5 Grad, Schnee liegt vor dem Hotel. Meinen Cappuccino ausgetrunken, mache ich mich mit Emma wenig später in den zweiten Stock auf den Weg zu Zimmer 202. Als die Tür aufgeht, duftet es herrlich nach Zirbe. Ich liebe diesen Geruch. Mein kleines, aber feines Zimmer leuchtet außerdem in Fuchsia-Farben und hat einen herrlichen Blick auf die Berge. Die Vormittagssonne füllt den Raum mit ganz viel Licht. Hier fühle ich mich direkt wohl. Was ich auch sofort bemerke, ist der Teller mit Keksen drauf, glutenfrei natürlich. Eines davon landet direkt in meinem Mund.
Erfolg am Gemeinwohl messen
Einmal ausgepackt und eingerichtet, streife ich ein bisschen durchs Hotel. 37 Zimmer und Suiten gibt es hier, intim und überschaubar. Es ist alles sehr durchdacht im Haus, das Farbkonzept stimmig und die Mischung aus Alt und Neu mehr als gelungen. Die Lobby ist mit vielen Sitzmöglichkeiten ausgestattet, die Bar sorgt mit Pflanzentapete und Samtelementen für ein cooles Flair.
Ein paar Runden durchs Haus gedreht, finde ich mich dann um Punkt 12 (wie es sich für eine Granny wie mich gehört) im hauseigenen Restaurant „Drumlerstuben“ ein und stärke mich, bevor es wieder raus in die Kälte geht.
Ich suche mir das Sellerie-Steak von der Karte aus. Es kommt mit knusprigen Chips, mit Parmesan überbacken und in einer käsigen Soße. Ein wahrer Gaumenschmaus, das kann ich euch sagen.
Im Drumlerhof ist alles selbstgekocht und -gebacken. Ruth tüftelt in der Küche oft tagelang an neuen Rezepten und verwöhnt mit ihrem Team die Gäste nach Strich und Faden.
Die ganze Karte ist auch in glutenfrei erhältlich (schließlich machen Menschen mit Zöliakie hier rund 25 % der Gäste aus) und die Zutaten für die Gerichte regional und saisonal: Obst und Gemüse vom eigenen Bio-Hof in Signat am Ritten oder vom Gemeinschaftsacker „TauFrisch“ in Sand in Taufers, Wurstwaren aus eigener Produktion, frisch gekelterter Bio-Wein und viele weitere Erzeugnisse aus der Umgebung landen direkt auf den Tellern.
Statt rein auf Gewinn zu setzen, misst man den Erfolg im Drumlerhof übrigens am Gemeinwohl von Mensch, Tier und Natur. Deshalb wird jährlich auch eine Gemeinwohlbilanz erstellt und überprüft.
Ein Ausflug ins Eis
Mit vollem Magen (ob das so schlau war) treffe ich in der Lobby Günther Ausserhofer. Er wird mir heute eine Einführung ins Eisklettern geben. Wir fahren dazu von Sand nach Rein in Taufers. Schon auf unserer Fahrt dorthin sehe ich seitlich immer wieder zugefrorene Wasserfälle, an denen sich wagemutige Outdoor-Fans hochrangeln. Wir halten bei einem Wasserfall relativ weit hinten. Mit Pickel, Steigeisen und Klettergurt ausgestattet, geht es auch schon los. Günther erklärt mir die Basics, macht den Vorstieg und schickt mich dann auch gleich an die riesige Eiswand. Diese Aktivität ist definitiv außerhalb meiner Komfortzone (aber darum geht’s im Leben ja auch ein bissl, oder?), ich meistere sie aber, wie ich finde, ganz gut. Ich komme circa 5-6 Meter die eisige Wand hoch und die Höhe macht mir weniger aus, als ich dachte. Adrenalin schießt trotzdem regelmäßig durch meinen Körper. Nach drei Runden verabschiedet sich dann mein Trizeps und es wird Zeit, wieder ins Hotel zu fahren.
Kaiserschmarrn und Zeit im Rooftop-Spa
Als ich zurück im Drumlerhof ankomme, bin ich gerade noch rechtzeitig für den Kaiserschmarrn, der hier immer Montagnachmittags serviert wird – glutenfrei versteht sich. Mit einer Portion Apfelmus und Preiselbeermarmelade lasse ich mir meine Portion in der Bar mit einem heißen Tee schmecken.
Mit vollem Bauch mache ich mich anschließend auf den Weg in den Wellnessbereich unterm bzw. auf dem Dach. Damit war der Drumlerhof übrigens Vorreiter, denn: Gastgeber Stefan hatte als einer der ersten in der Region den Einfall, den Pool in den obersten Stock zu verfrachten. Eine sehr gute Idee, wie ich finde, denn wie auch sonst hätte man beim Schwimmen diesen wundervollen Ausblick auf die Berge?
Einmal alles, bitte!
Nach meiner Wellness-Zeit mache ich mich nach einem kurzen Stopp in meinem Zimmer direkt auf den Weg zum Abendessen. Ich bekomme einen gemütlichen Platz direkt neben dem Kamin, das Licht ist gedimmt (dafür bin ich als neurodivergente Person unheimlich dankbar) und die Stimmung sehr behaglich.
Emma empfiehlt mir einen alkoholfreien Aperitif – ein bisschen bitter, ein bisschen süß, mit strahlend oranger Farbe. Danach gibt es vier Gänge für mich: Ein Auberginengericht mit Mozzarella, Maltagliati (eine Nudelform, wörtlich „schlecht geschnitten“) mit Schwarzkohl und Bohnen, Spinatknödel mit Parmesansoße und einen Brandteigkrapfen mit cremig-schokoladiger Füllung. Als Emma mich zu Beginn fragt, was ich heute gerne hätte, äußere ich zum allerersten Mal in meinem Leben alle meine Wünsche und Einschränkungen. Das war wirklich neu für mich. Genauso wie die Pasta, denn: Wann bekommt man schon mal selbstgemachte, glutenfreie Nudeln? Spoiler: Nie.
Nach diesem wundervollen Abendessen rolle ich zurück in mein Zimmer und schlafe, nachdem ich mich ins Bett gelegt habe, innerhalb von Sekunden ein.
Frühstück und Abreise
Am nächsten Morgen (leider auch schon mein Abreisetag) zieht es mich um circa halb neun ins Restaurant zum Frühstück. Im Drumlerhof gibt es morgens kein Buffet, Frühstück wird a la Carte serviert – man will hier Ressourcen schonen, nichts wegwerfen und vermeiden, dass sich Gäste zu viel auf die Teller laden. Ich bestelle mir die glutenfreien Waffeln mit Früchten und Schokosoße – ein wahres Fest für meine Geschmacksnerven. Zusätzlich steht am Tisch noch eine Auswahl an hausgebackenen Brötchen, Butter, selbstgemachter Marmelade und Joghurt. Ich schiebe mir eine Gabel nach der nächsten in den Mund und sehe dabei draußen im Hof den großen Schneeflocken beim Fallen zu.
Mein Abschied hier fällt mir nicht leicht. Normalerweise bin ich nicht so schwermütig, wenn ich einem Hotel Auf Wiedersehen sagen muss, aber hier ist es irgendwie anders. Ruth sagt mir, dass Gäste am Ende oft Tränen in den Augen haben, weil sie sich hier so gut umsorgt fühlen und auch ich werde meines Aufenthaltes immer mal wieder emotional, weil ganz ehrlich: Wann hört man schon die Worte „Alle Speisen können auch glutenfrei zubereitet werden“? Nochmal Spoiler: So gut wie nie. Ruth gibt mir zum Abschied noch ein Sackerl (sorry, my österreichisch – Tüte ist gemeint) voll glutenfreier Brandteigkrapferl mit. Hat sie „mal eben schnell“ für mich gebacken. Ich traue meinen Augen kaum. Ruths Kochbuch habe ich auch mit im Gepäck. Dieses überreiche am Abend, als ich zuhause in Salzburg ankomme, gemeinsam mit den Brandteigkrapferl meiner Mama. Die macht sich gleich ans Werk und füllt die guten Dinger auch „mal eben schnell“. Wenig später sitzen wir bereits mit der Süßigkeit über den Rezepten und ich freue mich, irgendwie ein Stück Drumlerhof mit nach Hause genommen zu haben.
© Fotos: Nadine Pinezits
Nadine Pinezits
Nadine ist freiberufliche Redakteurin und Texterin. Sie lebt in Österreich und pendelt zwischen Salzburg und Wien. Sie ist somit entweder in den Bergen oder im Großstadtdschungel unterwegs, versucht aber gleichzeitig, so viel Zeit wie möglich in ihrem Herzensland Portugal zu verbringen.



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