Wohlfühl-Urlaub in Höhlen im El Maravedí
Carola ist eigentlich im Ruhestand – doch von Ruhe keine Spur. Stillstehen liegt ihr nicht. Stattdessen sprüht sie vor Elan, entwickelt neue Ideen und packt an. Gemeinsam mit ihrem Sohn Leon und Carlos, dem Mann für alle Fälle, kümmert sie sich um das 65 Hektar große Gelände, die Gäste und das bio-zertifizierte Olivenöl. Und natürlich werden immer neue Pläne geschmiedet: Demnächst entsteht aus einem alten Häuschen auf dem Grundstück ein barrierefreies Ferienhaus.
Wie alles begann …
Seit 1974 ist die Finca Foyeta de Tur in der Nähe von Alicante an der Costa Blanca im Familienbesitz. Ein Ort mit Geschichte – und ein Gelände mit Höhlen, die schon immer da waren. Bis zu seinem Tod lebte hier ein alter Mann; danach standen sie lange leer, dienten als Abstell- und Lagerraum.
Erst viele Jahre später bekamen sie eine neue Zukunft: Leon machte die historischen Wohnhöhlen im Rahmen seines Architekturstudiums zu seinem Masterprojekt. Der Anspruch war hoch – der Umbau sollte so nachhaltig wie möglich erfolgen und zugleich ästhetisch überzeugen. 2024 wurde die aufwändige Restaurierung abgeschlossen. Heute verbinden die Höhlen ursprüngliche Bausubstanz mit klarem Design, durchdachten Details und zeitgemäßem Komfort.
Die Räume und Gänge sind mit ökologischem Kalk ganz ohne chemische Zusätze, ohne Beton oder Stahl instand gesetzt worden. Zwei besonders hohe Höhlen-Räume sind zur Stabilisierung mit einem Gewölbe aus Tonziegeln ausgekleidet und mit Kalk verputzt worden. Diese Art des Kuppel-Baus beherrschen nur wenige Handwerker. Der Boden ist ein handgegossener und steinpolierter Tadelakt, auch eine Art Kalk, der mit ökologischen Pflanzenölen versiegelt wurde.
Wie alt sind denn die Höhlen?
Wie alt die Höhlen tatsächlich sind, lässt sich nur schätzen. Mindestens 300 Jahre dürften es sein – wahrscheinlich eher 500 oder mehr. Einige Fundstücke aus den Höhlen, wie eine Münze aus dem 18. Jahrhundert, ein alter Pflug, Öl-Karaffen und Seile werden in einem Raum ausgestellt. Die alte Münze, genannt Maravedi, gab den Höhlen den Namen. Und ein Olivenbaum vor der Höhle wird auf 500 Jahre geschätzt – gut möglich, dass die ersten Bewohner ihn gepflanzt haben.
Cooles Design in kühlen Höhlen
In den Höhlen wurden Holzliegen und Stühle liebevoll restauriert und neu bespannt, während weitere antike Möbelstücke und die Türen behutsam aufgearbeitet und wieder eingesetzt wurden. Materialien wie Schilfstangen für das Dach wurden direkt auf dem eigenen Land geschlagen, getrocknet und vorbereitet.
Im einzigen Höhlen-Schlafzimmer, die anderen Schlafzimmer sind in einem Anbau, ist ein großes Rundbett. Bäder und Küchen sind modern gestaltet. Bei der Ausstattung wurde bewusst auf Plastik verzichtet; stattdessen kommen hochwertige, langlebige Materialien zum Einsatz, die Funktionalität und Ästhetik verbinden. Der Terrassenbereich wurde aus alten Tonfliesen gestaltet. Elegante Sonnensegel schützen vor der Sommerhitze.
Nachhaltigkeit ist hier definitiv kein Greenwashing
Die gesamte Finca bezieht keinen Strom von außen, sondern produziert die Energie mit Solarzellen. Das Abwasser wird in allen Gebäuden durch die Schilfkläranlage gesäubert. Besonders widerstandsfähige regionale Pflanzen werden bevorzugt ausgesät. Sogar Samen gezüchtet, die wiederum als Saatgut genutzt werden.
Etwa 800 Olivenbäume, 80 Mandelbäume, teilweise auch auf Wildmandeln veredelte alte spanische Sorten, Johannisbrotbäume, Feigen-, Zitronen- und Granatapfel-Bäume wachsen hier. Alles steht im Zeichen der Mischkultur und minimalinvasiven Eingriff in die Natur. Überall wachsen Wild- und Heilkräuter, deren Funktion Carola gerne erklärt. Sie hat neben Journalismus einige Semester Biologie studiert und führt interessierte Gäste übers Gelände. Besonders interessant finde ich die sogenannte Terpentin-Pistazie, die einen harzig-aromatischen Duft verbreitet. Die fettlöslichen Harze der hübschen Terebinthe sind der Grundstoff für Terpentin. In manchen Regionen der Welt wird sie aber auch zum Färben oder abgekocht als eine Art Kaffee gemahlen.
Carola sagt von sich, sie sei eine faule Gärtnerin, weil die Natur von ganz alleine wächst und gedeiht und sie nur im Spätsommer die duftende, bunte Wildnis etwas zurechtschneidet.
Die Bäume werden ganz bewusst nicht bewässert – und bisher haben sie dadurch die extremen Trockenzeiten mit Hilfe der tiefen Wurzeln und des stabilen Grundwasserspiegels gut überstanden. Dafür nimmt man hier auch mal Ernteeinbußen in Kauf, um die Böden gesund zu halten und nicht auszulaugen. Was man wiederum am Ertrag erschmecken kann. Der ökologische Wasserfußabdruck tendiert hier gegen Null und das Thema ist allen besonders wichtig. Gäste werden informiert und um den ressourcenschonenden Umgang mit Trinkwasser gebeten. Wer möchte, darf auch mit anpacken. Zur Olivenernte und zum Baumschnitt kommen viele Freiwillige (sogenannte WWOOFer), die gegen freie Kost und Logis mithelfen.
Ein Eldorado nicht nur für seltene Tiere
Neben den vielen regionalen Pflanzen sind aber vor allem die Tiere auf dem Gelände eine Besonderheit. Teils bedrohte Arten finden hier die Ruhe zum Brüten. Ganz seltene Tiere wie Uhus, die Zwergohreule, Steinkäuze, Feldlerchen, Perleidechsen, Schmetterlinge, Nashornkäfer und sogenannte Ziegenmelker (eine Nachtschwalbe) leben hier.
Ruhe für Menschen, die mitten in der Natur sein wollen
Es gibt hier keinen Lärm – weder Autos, noch sonstige Fahrzeuge hört man hier. Obwohl die quirlige Küste nur 25 Autominuten entfernt liegt, ist es hier im Hinterland absolut ruhig. Es gibt keine Fernseher oder sonstige Verkabelungen. Natürlich gibt es Wlan für den täglichen Bedarf oder wenn man dann doch mal eine Mail checken muss. Der Router ist aber auch abschaltbar.
Egal ob Naturbursche oder gestresster Workaholic – hier findet jede und jeder absolute Ruhe und kann in der Natur ganzjährig in den komfortablen Wohnhöhlen auftanken. Im Sommer sind die Höhlen angenehm kühl und im Winter speichern sie lange die Kaminwärme und sorgen für Gemütlichkeit. Besonders schön ist es hier auch über die Feiertage. Es wird im Winter selten unter fünf Grad nachts und tagsüber scheint oft die Sonne. Viele Gäste kommen immer wieder, um diesen besonderen Ort zu genießen. Absolute Stille und die sanften Geräusche der Natur begleiten den Aufenthalt.
© Fotos: El Maravedi
Geraldine Voss
Geraldine arbeitet als freie Autorin für Good Travel und hat gerade eine Ausbildung zur Nachhaltigkeitsmanagerin absolviert. Nach zwanzig spannenden Jahren beim Film, widmet sie sich jetzt hauptberuflich ihren anderen Leidenschaften – Reisen, Essen und Design.



Kul Roka
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