Mehr Wien geht nicht: Zu Gast im Hotel Altstadt Vienna

Hotel Altstadt Vienna

Unsere Autorin Nadine durfte Urlaub in ihrer eigenen Stadt machen. Sie übernachtete im Hotel Altstadt Vienna und erlebte dort ein Wien wie aus dem Bilderbuch. Angefangen vom „Wiener Schmäh“ der Angestellten über die mit Kunst ausgestatteten Räumlichkeiten bis hin zum klassischen Wiener Frühstück mit Semmerl, Butter und Marmelade.

Als ich mich auf den Weg ins Hotel Altstadt Vienna mache, scheint die Sonne vom Himmel. Wir haben warme 13 Grad und der Frühling steht bereits in den Startlöchern. Ein perfekter Tag also, um die Stadt von einer neuen Seite kennenzulernen. Das Hotel liegt in der Kirchengasse inmitten von Wiens hippem Bobo-Bezirk „Neubau“. Dort war ich als langjährige Wahlwienerin zwar schon öfter, das Altstadt ist mir bis dato aber verborgen geblieben.

Mit der Straßenbahn und zu Fuß mache ich mich also auf den Weg zu meiner Unterkunft für die Nacht. Schnell finde ich sie, denn wie gesagt, die Kirchengasse kenne ich. Beim Eintreten in das alte Patrizierhaus kommt meiner Begleitung und mir gleich ein angenehmer Duft entgegen, der blumig und gleichzeitig pudrig riecht. Er erinnert mich an ein Parfum, das jemand aus meinem Freundeskreis trägt. Aber selbst nach scharfem Nachdenken komme ich nicht drauf, wer es ist. Egal, gut riecht es allemal.

Wir gehen im schönen Altbautreppenhaus nach oben und erspähen auch schon die Rezeption, an der wir freundlich begrüßt und gleich darauf hingewiesen werden, dass es ab 16 Uhr hausgemachen Kuchen gibt. Wie praktisch, denn bei unserer Ankunft ist es 15:50.

Treppenaufgang im Hotel

Ein Irrgarten der besonderen Art

Mit einem Glas Zitrone-Minz-Wasser, das uns zuvor angeboten wurde, werden wir auf unser Zimmer begleitet. Bereits am Weg dorthin denken wir uns, dass wir wohl nie wieder zurück zum Salon finden werden. Denn das Haus ist ein echtes Labyrinth. Ein wunderschönes Labyrinth, in dem es an jeder Ecke etwas zu entdecken gibt, aber ein Labyrinth.

Nach dem langen Weg durch die Gänge des Hotels, in dem man übrigens Tür an Tür mit Einheimischen wohnt, öffnen wir die Türen zur Josef Hoffmann Suite. Beim Eintreten können wir unser Glück kaum fassen. In diesem wunderschönen Zimmer trifft traditionell auf modern, Wiener Klassik auf internationale Designs und Altbaucharme auf zeitgenössische Elemente. Allesamt sollen an den Namensgeber dieses Zimmers, den österreichischen Architekten, Designer und Mitbegründer der Wiener Werkstätte, erinnern.

Josef Hoffmann Suite
Schreibecke in der Josef Hoffmann Suite
Badezimmer
Ich blättere in dem Buch über Hoffmann
Ein Designklassiker

Eine Sache, die uns beim anschließenden Plaudern in der wohnlichen Ecke gleich auffällt: es ist mucksmäuschenstill. Etwas, das ich von meiner Wohnung, die 20 Minuten weiter in einem anderen Wiener Bezirk und direkt an einer großen Straße liegt, nicht behaupten kann. Herrlich, denke ich, da werden wir gut schlafen!

Im Hotel Altstadt regieren Kunst und Kuchen

Kurz ausgeruht von unserer weiten Anreise (Achtung, Sarkasmus!) geht es auch gleich zum Kuchenbuffet. Es gibt eine Art Rührkuchen mit Beeren, der ohne jeden Zweifel selbstgemacht ist und fast ein bisschen schmeckt wie bei der Oma. Mit einem Stück davon und einer Tasse Tee machen wir es uns an einem der Tische gemütlich und genießen bei einem netten Plausch die Nachmittagssonne, die durchs Fenster scheint.

Man ist im Hotel Altstadt Vienna – so wie in der Wiener Innenstadt auch – immer von Kunst und Kultur umgeben. Schließlich ist das auch der Fokus, den das Hotel gesetzt hat. So sitzt man entweder im Salon und genießt die große Auswahl an Büchern zum Thema Design, wandert durch die von Kunstwerken geschmückten Gänge oder belauscht am Nebentisch ein philosophisches Gespräch zwischen echten Wiener Kunstkenner:innen. Es gab vor der Pandemie für externe Personen sogar regelmäßige Führungen durch das Hotel und auf Anfrage wird man auch jetzt noch durch die Museums-ähnlichen Gänge geleitet und mit vielen Infos versorgt, erzählt mir Saskia Wiesenthal, Marketing und Art Managerin und Tochter des Altstadt-Gründers Otto Ernst Wiesenthal.

Kuchen
Frühstücksraum
Kaminzimmer

Einmal alles zu Fuß erkunden

Die Nachmittags- und Abendgestaltung lässt uns viele Optionen offen, schließlich sind wir im siebten Bezirk und es mangelt hier nicht an angesagten Lokalen, kleinen Galerien und coolen Concept Stores. Das Museumsquartier, das mit rund 60 kulturellen Einrichtungen eines der weltweit größten Kunst- und Kulturareale ist, liegt auch ums Eck. Wir entscheiden uns aber gegen einen Besuch und für ein bisschen Bummeln sowie eine anschließende Pizza. Die Gegend, in der das Hotel steht, war beim Kauf übrigens nicht die Beste, erzählt mir Saskia. Bei der Dichte an hippen, jungen Menschen (nach Neubau kommt man immer ein bisserl, um gesehen zu werden) kann man sich das heute gar nicht mehr vorstellen.

Apropos Menschen: Was ich persönlich an Wien so schätze, ist die Größe. Obwohl die österreichische Hauptstadt fast zwei Millionen Einwohner:innen zählt, hat man das Gefühl, man kennt hier trotzdem jeden. Nicht umsonst wird gern gesagt „Wien ist ein Dorf“. Wohl wahr. Saskia sagt mir im Gespräch, dass sie am liebsten zu Fuß unterwegs ist und Wien dafür liebt, dass die meisten Wege wirklich einfach ohne Öffis, Rad oder Auto bestreitbar sind. Schließlich sieht man so auch viel mehr und kommt auch mal in Ecken, die einem sonst verborgen geblieben wären. Die Lage des Hotel Altstadt? Ziemlich perfekt für solch ausgedehntes sich-treiben-lassen.

Wenn es nach Saskia geht, würde unser Tag übrigens mit einem Spaziergang durch die Innenstadt (erster Bezirk) starten, zu einem Mittagessen im Mochi oder Café Ansari im zweiten Bezirk führen, in einen Besuch in der Albertina oder dem Belvedere 21 übergehen und schlussendlich beim Abendessen in der Herknerin oder dem Seven North sowie einem anschließenden Barbesuch im If Dogs Run Free enden. Auch eine gute Mischung, um Wien – vor allem, wenn man es noch nicht kennt– zu entdecken.

Gutes Essen trifft auf gute Geschichten

Gut ausgeruht und aufgeweckt vom Zwitschern der Vögel im Innenhof, geht es am nächsten Morgen runter in den Salon zum Frühstück. Am Buffet gibt es eigentlich alles, was das Herz begehrt: Tees von Sonnentor (ein österreichisches Unternehmen, das besonderen Wert auf Nachhaltigkeit legt), verschiedene Aufstriche und Marmeladen, Bio-Brot von der Bäckerei Öfferl (in Wien mitunter das beliebteste Brot), veganes Porridge, Pain au Chocolat, frisches Obst und Gemüse sowie einen Beeren-Orangen-Shot als Gruß aus der Küche – perfekt, um den Tag mit genügend Energie zu starten.

leckeres Brot
Ich genieße das Frühstück

Nach dem Frühstück führt mich Saskia noch durchs Haus uns zeigt mir einige der wundervollen Zimmer. Dabei erzählt sie mir, dass im Haus immer wieder Fotoshootings und Filmdrehs stattfinden – kein Wunder bei den Räumlichkeiten. Die Zimmer haben sich seit Beginn übrigens fast verdreifacht, aus 24 wurden 62. Mehr Platz für mehr Geschichten, findet Saskia. Und von denen gibt es eine Menge: Von zu heiß gewaschenen Wollanzügen deutscher Schauspieler:innen über Bienenschwärme im Zimmer bis hin zu alten Lustern, die das Hotel von ehemaligen Bewohner:innen des Hauses zurückbekommen und an ihren alten Platz gehängt hat.

Bilderwand
Eine weitere Suite
Badezimmer mit Fliegenmotiv-Tapete
Blick in die Wiener Stadt

Nach meinem Besuch im Hotel Altstadt Vienna steht fest: Dieses Hotel hat Charakter, Geschichte und vor allem eines, eine Seele. Sei es aufgrund der Familie, die hinter diesem Haus steht, den zuvorkommenden Mitarbeiter:innen oder den mit sehr viel Liebe zum Detail gestalteten Räumen. Wer echtes Wien-Feeling (ohne den bekannten Wiener Grant) erleben will, ist im Hotel Altstadt Vienna also goldrichtig.

Nadine Pinezits ist Gastautorin bei Good Travel

Nadine ist freiberufliche Redakteurin und Texterin. Sie lebt in Österreich und pendelt zwischen Salzburg, der Steiermark und Wien. Sie ist somit entweder in den Bergen oder im Großstadtdschungel unterwegs, versucht aber gleichzeitig, so viel Zeit wie möglich in ihrem Herzensland Portugal zu verbringen.

Nadine liebt Tiere, das Surfen, pflanzliches Essen, Sonnenuntergänge und ihren Van Hermann, mit dem sie – immer auf der Suche nach guten Geschichten – Europa unsicher macht.

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