Wochenendausflug zum Gletscher – Kai für uns im Kaunertal

Kaunertal

Für ein verlängertes Wochenende in die Berge, gerade bei diesem nassen Nieselwetter, das klingt nach einer wunderbaren Vorstellung. Aber gerade von Berlin aus, ist das doch immer eine ganz schön ordentliche Strecke. Lohnt sich das überhaupt?

Lohnt sich ein verlängertes Wochenende von Berlin in die Berge?

Um das herauszufinden, bin ich – Kai – gemeinsam mit meiner Mitbewohnerin Franzi von Donnerstag bis Sonntag ins Kaunertal nach Österreich gefahren.  Dafür ging es am Donnerstagmorgen mit dem ICE nach München. Bei einer guten Verbindung schafft man das in nur vier Stunden. Da das WLAN mittlerweile sogar ziemlich gut funktioniert, konnte ich die Zeit noch gut nutzen, um ein wenig zu arbeiten - wenigstens eine gute Auswirkung auf die Arbeitswelt in der aktuellen Situation.

Kai für uns im Kaunertal

Nach nur zehn Minuten Umsteigezeit ging es direkt weiter mit der ÖBB. So ist man bereits nach sechs Stunden in Innsbruck, welches einen bereits mit seinem wunderschönen Bergpanorama begrüßt. Übrigens: Wer nach den ersten Zugfahrten jetzt erstmal eine Pause machen möchte, dem ist Innsbruck als Zwischenstopp sehr zu empfehlen. Die dick mit Schnee bedeckten Bergspitzen ließen unsere Vorfreude jedenfalls wachsen.

Zwischenstopp in Innsbruck oder direkt weiter nach Landeck-Zams im Kaunertal

Von hier aus waren es dann noch einmal etwa 40 Minuten mit dem Zug weiter bis nach Landeck-Zams. Der Bahnhof ist in etwa eine halbe Stunde vom Kaunertal entfernt. Von dort ging es weiter mit einem Sammelshuttle ins Kaunertal. Genauer gesagt ging es für uns in den Ort Feichten zu unserem Hotel direkt am Ufer des Faggenbachs, welcher sich durch das Tal schlängelt.

Im Hotel erwartete man uns bereits und wir hatten sogar noch entspannt Zeit, um vor dem Abendessen eine Runde in die Sauna zu gehen. So konnten wir den Tag entspannt ausklingen lassen. Denn am nächsten Tag hieß es früh aufstehen: Es stand die erste Aktivität auf dem Programm! Aber zunächst ein paar Worte zum Kaunertal selbst.

Die Besonderheiten vom Kaunertal und Gepatschgletscher

Das Kaunertal zeichnet sich durch seine besondere Lage aus. Dadurch, dass es zwischen den Gebirgszügen Glockenturmkamm und dem Kaunergrat liegt, sind hier vor allem die Bedingungen für zahlreiche Wintersportarten extrem gut. Während das Tal auf etwa 1.300 Meter liegt, ragen die höchsten Gipfel bis auf über 3.000 Meter in die Höhe. Auch hier sind leider die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels zu spüren. Der Gepatschgletscher, der am Ende des Tals liegt, ist in den vergangenen 150 Jahren deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig haben sich die Ökosysteme verändert, was sich zum Beispiel an einem früheren Vegetationsbeginn zeigt. Um darauf zu reagieren, haben sich die umliegenden Gemeinden, der Tourismusverband und Naturpark Kaunergrat zur Modellregion KLAR! Kaunergrat zusammengeschlossen, was so viel bedeutet wie Klimawandel-Anpassungs-Modell-Region.

Wie sich lokale Initiativen für den Klimaschutz engagieren

So will man gemeinsam an Lösungen arbeiten, um sich mit den Herausforderungen und Veränderungen umzugehen. Ein Beispiel ist der Gebirgszug Kaunergrat, der letzten Sommer als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen wurde. Über 40 Prozent der Naturparkregion sind heute ausgewiesene Schutzgebiete. Die Ziele zu einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Entwicklung bauen dabei auf den Vorgaben der UN Sustainable Development Goals auf.

Zudem unterstützt das Programm CLAR (Clean Alpine Region) Tiroler Tourismusregionen sich als klimafreundliche Region weiter zu entwickeln. Im Kaunertal wurde bereits ein E-Shuttle umgesetzt und die Initiative „Raus aus Öl“ gestartet um Betriebe bei dem Umstieg zu erneuerbaren Energien zu unterstützen. Andere Projekte befassen sich mit der Speicherung von Regenwasser zur Bewässerung, Events ressourcenschonend zu gestalten oder Trinkwasserbrunnen zu errichten.

Für all diese Ambitionen wurde die Region im Jahr 2021 von der UNWTO als „Best Tourism Village“ ausgezeichnet. Auch wenn noch viel zu tun ist, so sieht man doch die Bemühung jedes Einzelnen, mit den Herausforderungen umzugehen. Von der regionalen Küche im Hotel Edelweiß bis hin zu erneuerbarer Energie für die Skilift-Anlagen sind die positiven Bestrebungen erkennbar.

Atemberaubende Aussicht

Unsere Aktivitäten:

Los ging es am Freitag früh nach dem Frühstück um 9:30 Uhr. Unser Weg führte uns entlang des Faggenbachs an der Dorfstraße entlang. Direkt neben dem alten Ortskern befindet sich die Touristeninformation und Naturpark-Ausstellung, in der sich ebenfalls eine Freizeitanlage mit Schwimmbad und Wellnessbereich befindet. Einige Schritte weiter trafen wir Heiner, unseren Langlauf-Lehrer, für unsere erste Aktivität.

Im Verleih bekamen wir das dafür benötigte Equipment ausgeliehen. Direkt auf der anderen Straßenseite erstecken sich weite Wiesen entlang des Bachs, die jetzt im Winter mit Loipen und Wanderwegen präpariert sind. Manche Anwohner:innen haben sogar das Glück, dass sie von ihrer Terrasse aus, direkt auf die Loipe fahren können, weshalb hier auch viele Einheimische ihre Runden drehen. Das Glück hat auch unser Skilehrer, was sicherlich seine Begeisterung für diesen Sport befeuert.

Vom Crashkurs im Skateski zur Gletscher-Ausstellung

Da wir beide noch nie Langlaufen waren sind, erklärte Heiner uns zunächst die Grundkenntnisse der Skating Technik. Nach einigen Übungszügen mit verschiedenen Techniken wagten wir uns für die ersten Meter auf die Loipe. Was zunächst noch recht wacklig war, wurde schnell besser. So drehten wir bereits nach zwei Stunden unsere erste Runde entlang des Faggenbachs.

... und gleich geht es auf die Loipe

Nach dem Mittagessen nahm uns Severin vom Tourismusverband mit in die Naturpark-Ausstellung „Klima, Gletscher, Kaunertal“. Hier wird die Geschichte des Tals, vor allem in Bezug auf den voranschreitenden Klimawandel und seine Auswirkungen auf den Kaunertaler Gletscher, sowie aktuelle Forschungsarbeiten behandelt. Auch wird der Bau der Talsperre in den 60er Jahren am Ende des Tals ausgestellt und sowohl die positiven Seiten, wie Hochwasserschutz und Stromgewinnung für tausende Menschen, aber auch die negativen Effekte die durch den Bau auf die Natur wirken, kritisch thematisiert.

Auf geht’s zur Skipiste – ganz ohne Auto

Am Samstagmorgen ging es mit dem Skibus direkt von der Hoteltür aus hoch in die Berge. Insgesamt sechs Busse fahren allein zwischen 8:30 und 11 Uhr bis zur Talstation der Ochsenalmbahn. Wer also etwas länger schlafen möchte kommt also trotzdem noch bequem und ohne Auto auf die Piste. Auch hier bekamen wir einen kurzen Skikurs, um uns nach einigen Jahren der Pause wieder an das Skifahren zu gewöhnen. Wer noch ganz am Anfang steht kann hier natürlich auch bei null anfangen, aber auch Profis kommen mit geführten Skitouren auf ihre Kosten.

Das Gebiet ist weitläufig und bietet neben den Pisten eine traumhafte unberührte Landschaft. Sogar einen Teil des Gletschers, der sich wie eine dicke, weißblaue Decke über die spitzen Felsen legt, lässt sich erkennen. Die drei Bergstationen auf bis zu 3.113 Meter stehen zugleich direkt an der Grenze zu Italien, die heute nur noch durch einen symbolischen Stein markiert wird. Von hier erstreckt sich in beide Richtungen und Länder ein atemberaubender Blick. Viel zu schnell zog der Tag vorbei und es ging mit dem Bus zurück ins Tal.

Auf der Höhe angekommen
Mit den Skiern ab ins Tal
Traumhafte Landschaft und Piste

Spontan zur Nachtrodelbahn

Da wir nach dem Abendessen nochmal Bewegungsdrang verspürten, schnappten wir uns zwei Schlitten, die im Hotel gratis verliehen wurden und machten uns auf den Weg zur Nachtrodelbahn. Direkt hinter dem Haus, ging es also den Berg hinauf. Der mit Lichterketten beleuchtete Weg führte 30 Minuten in Serpentinen den Berg hinauf. Ganze sechs Minuten dauerte dann die Abfahrt. Danach vielen wir behaglich in die Federn.

Am Sonntag hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen. Um den Tag noch etwas auszukosten, hatten wir mit Absicht den späteren Zug zurück gebucht. So blieb uns noch bis 14 Uhr Zeit. Wir schnappten uns noch einmal die zwei Schlitten und begaben uns auf die andere Seite des Tals. Hier führte ein Weg den Berg hoch zur Aussichtsplattform Adlerblick.

Faszinierende Eisskulptur
Eislandschaft im Kaunertal

Entlang von der Natur geformten Eisskulpturen zur Aussichtsplattform

Der Aufstieg dauerte im Vergleich zum Nachtrodeln den Abend zuvor deutlich länger: Eineinhalb Stunden ging es vorbei an beeindruckenden Eisskulpturen, die sich an den Felsen entlang des Wegs aus gefrorenen Wasserfällen und Bächen gebildet hatten. Für alle Schwindelfreien ergibt sich von der über die Felsen ragenden Plattform ein atemberaubender Ausblick über das gesamte Tal.

Dann ging es mit dem Schlitten zurück ins Tal, diesmal dauert die Abfahrt über 15 Minuten. Mit dem Shuttle ging es schließlich wieder zurück zum Bahnhof. Der Weg führte erneut über Innsbruck und München, bis wir am späten Abend zurück in Berlin waren und erschöpft aber glücklich, mit vielen neuen Erlebnissen, Erinnerungen und natürlich Unmengen toller Bilder ins Bett fielen.

Rodeln bei Nacht
Rodeln von ganz oben
Neugierige Kuh aus dem Kaunertal

Mein Fazit zum Kaunertal:

Das Kaunertal bietet im Winter als auch im Sommer eine riesige Auswahl an Aktivitäten für alle möglichen Interessen. Egal ob Rodeln mit der Familie, Schneeschuhwandern durch die unberührte Landschaft, Langlauf-Ski durch das Tal oder Alpinski von den Gipfeln im Gletscherskigebiet. Das Tal ist durch den Zug bis nach Landeck-Zams und die Busse oder Shuttle gut angebunden, sodass eine Anreise auch ohne Auto kein Problem ist. Wer also mal für ein paar Tage oder auch eine ganze Woche die Ruhe in den Bergen sucht, ist hier genau richtig.

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