Domu Antiga, ein geheimnisvoller Ort auf Sardinien

Domu Antiga - Sardinien

Ein Gastbeitrag der Bloggerinnen von IN SEARCH OF:
Lucie Herrmann und Maria Giesecke

Sardinien. Die Insel, die vor allem durch das Wasser drum herum zu karibischem Ruhm kam, bietet nicht nur Urlaub zum ordentlich Abgammeln, sondern verbirgt auch ein spannendes Geheimnis: Die Insel bastelt alte Leute! Können wir uns da vielleicht etwas abgucken? Ich sag mal so, die eigene Grundsubstanz war auch schon mal besser und meine Vergänglichkeit wird mir, notgedrungen, immer mehr bewusst. Tripps und Tricks von außen gibt es viele: Da soll man nur noch kaltgepressten Saft trinken und fünf Mal pro Woche Pilates machen, Wasser filtern und Bienen streicheln ... Aber hilft das wirklich? Wie wird man richtig alt und ist auch noch happy dabei? Aber bevor ich mir Blutegel an sämtliche Lymphknoten knöpfe und nur noch rohes Gemüse esse, möchte ich gucken, ob es vielleicht andere Möglichkeiten gibt.

Blue Zones - Lass mal alt werden!

Sardinien gehört zu den sogenannten Blue Zones. In diesen Gebieten werden die Menschen ganz besonders alt. Vor allem das Inselinnere verspricht ein langes Leben und weist extrem viele Hundertjährige (Männer) auf. Neben Sardinien gibt es weitere dieser Hotspots auf der Welt, in denen Menschen die 100 gerne überschreiten und dabei lange alt und glücklich sind. Okinawa in Japan, Nicoya in Costa Rica oder die griechische Insel Ikaria versprechen ein langes, knorkeliges Leben. Besonders auffällig: Es sind eben wirklich ausschließlich Inseln oder abgelegene Regionen, die Altersrekorde brechen. Wissenschaftler*innen haben sich auf den Weg gemacht und speziell die Ernährungsgewohnheiten dieser Regionen unter die Lupe genommen. Irgendwo muss der Schlüssel ja verborgen liegen und irgendwie muss man das ja auf den Rest der Menschheit übertragen können.

Ältere Menschen auf Sardinien

Lucie und ich haben uns auf den Weg gemacht, um selbst zu ermitteln, warum gerade in the Center of Sardinia der Schlüssel für ein Langes Leben liegt. Gefunden haben wir das 1.300 Seelen Dorf Gergei im Herzen Sardiniens, weit weg vom Tourismus, dem Strand und lebensverkürzendem Trubel. In dem von der UNESCO ausgezeichnetem alten Steinhaus des Boutique Hotels Domu Antiga, welches originalgetreu renoviert und in seinem Urzustand von 1700 in einer kleinen Gasse liegt. Es lässt sich selbst erleben, dass hier sogar Steinhäuser übertrieben alt werden, weil das Leben entscheidend anders läuft: Ruhig. Entschleunigt. Und: Radikal regional. Slow-everything. Die Familie wohnt in der Region seit Generationen, und der Sohn der Familie, Samuel, spielt gerne Quetschkommode, hat das Haus nach einem Studium im Ausland erstanden und renoviert, nachdem seine Sehnsucht nach der Heimat zu groß wurde. Seine komplette Familie hat sich ihm angeschlossen, auch die Schwester, die schon in Australien lebt. Gemeinsam betreiben sie dieses wunderschöne komplett nachhaltige Hotel.

Eselrennen und Hochzeiten sind eine willkommene Abwechslung

Beim Rundgang durch das Dorf fällt auf, dass es jetzt wirklich sehr sehr ruhig ist. Es gibt Pferde, Esel, Schafe und einige Haustiere. Der Alltag ist beständig und gleichbleibend. Traditionelle Feste, Eselrennen und Hochzeiten bringen Abwechslung und unterstützen ab und an die nötige Durchmischung des Genpools.

die Köchinnen im Domu Antiga
Selbstgemachte Nudeln
Zutaten - hier im Domu Antiga wird alles selbstgemacht
Workshop im Nudelnmachen
Nudeln wie im Bilderbuch

Die perfekte Ernährung für ein langes Leben

In vielen Artikeln habe ich gelesen, dass vor Allem die „Mittelmeerdiät“ verantwortlich für Gesundheit und uralte Menschen ist, also viel Fisch und andere Meeresfrüchte. Das Meer ist hier weit weg. Wir waren über eine Stunde mit dem Auto unterwegs. Dementsprechend sieht auch der Speiseplan der Region aus: Pasta, Fleisch und Käse mit Gemüse und Eier sind hier Grundnahrungsmittel.

In einem Kochkurs haben wir zusammen mit der Schwester Giulia und der Mama Maria Grazia die Ernährung der Gegend genauer unter die Lupe nehmen können. Alles, wirklich alles, kommt ausschließlich aus der Region. Die Milch für den Käse kommt vom Hof nebenan, der Hartweizen für die Pasta wird in der Steinmühle im Nachbarort gemahlen und das Gemüse wird im eigenem Garten angebaut. Auf die Frage, warum denn hier alle so alt würden, meinte Giulia, dass es sicherlich auch an der Isolation liegt. Es gibt wenig Einfüsse von außen und die Produkte, die verwendet werden, sind meist ursprünglich und von der Industrialisierung verschont geblieben. Hier wurde nichts auf Ertrag hin optimiert, sondern robuste und leckere Kulturen haben sich durchgesetzt und sind ideal an die Umgebung angepasst. Genau wie die Menschen. Der Familienzusammenhalt ist in der Region besonders groß und wir haben großes Glück, dass unsere Gastgeber uns so freundlich aufgenommen haben und wir einen so detaillierten Einblick in das Leben gewinnen konnten. Sonst ist es für Außenstehende gar nicht so einfach, an diese Familien heranzukommen. Das Leben findet in den Höfen statt, abgeschlossen von außen. Also, Ernährung, Familie, wenig Stress und einen Schluck Schulmedizin dazu und ZACK: Langes Leben.

authentischer Schlafplatz
das Akkordeonspiel

Lass mal langsam machen

Leider waren wir nur eine Nacht und nicht einmal 24 Stunden in dem Ort. Zu gerne hätte ich eine ausgedehnte Feldforschung unternommen, alte Leute über das Leben früher befragt und noch mehr von dem leckeren Essen gegessen.

Fakt ist, dass Stress und ungesunde Ernährung die Lebenserwartung nach unten schrauben. Industrienahrung ist vielleicht billig und schnell verfügbar, dafür bringt sie uns auch schneller ins Grab. Natürlich ist es schwierig, in einer Großstadt wie Berlin ausschließlich regional und bio zu futtern, auf Esel zur Arbeit zur reiten und einmal in der Woche ein Lamm zu schlachten. Aber ein wenig Slow-Food und Slow-Life als lebensverlängernde Maßnahme sollte ja wohl zu machen sein.

Blogerinnen Maria und Lucie

Auf ihrem Blog IN SEARCH OF (www.insearchof.best) schreiben Maria und Lucie zusammen mit anderen tollen Menschen über ihre Ess- und Reiseerlebnisse, einen nachhaltigen Lebensstil, Beauty und das gute Leben im Allgemeinen. Maria liebt alles was flauschig ist (Tiere) und flippt bei Tiersichtungen aller Art komplett aus. Ihre Lieblingskonsistenz im Allgemeinen ist knusprig. Lucie kann super kochen, kümmert sich um das Wohl ihrer Mitmenschen und hat zuhause eine beeindruckende Rüdensammlung..

Fotos: Maria Giesecke

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