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See in Südtirol

Südtirols leise Orte: Zwischen Reben und See

Rund um den Kalterer See zeigt sich der Frühling von seiner entspannten Seite. Die ersten Blätter schieben sich an den Weinstöcken hervor, Glyzinien blühen an alten Mauern und die Obstbäume stehen in voller Pracht. Man spürt sofort, wie mit der Natur auch die Lebensfreude in Südtirol aufblüht. Die wärmere Sonne und die herzliche Offenheit der Menschen stecken einen sofort an, eine Umgebung, die unglaublich viel Energie zurückgibt. Wer hier unterwegs ist, entdeckt Orte in Südtirol, die genau diese Lebendigkeit in sich tragen.

Zwei davon durfte ich im Frühling besuchen: den Stroblhof in Eppan und die Pension Leuchtenburg oberhalb des Kalterer Sees. Verbunden werden beide nicht nur durch die Landschaft, sondern auch durch eine wunderschöne Strecke, die sich wunderbar mit dem (E-)Bike erkunden lässt. Vorbei an Weinreben, kleinen Höfen, blühenden Gärten und immer wieder mit Blick auf Wasser oder Berge. Eine Region, in der Natur, Kulinarik und Gastfreundschaft fast selbstverständlich ineinandergreifen.

Stroblhof – zwischen Weinbergen und dieser besonderen Ruhe

Schon beim Ankommen im Stroblhof fällt auf, wie still es hier ist. Keine Straße direkt vor dem Haus, keine Geräusche von Verkehr. Stattdessen Vogelstimmen, Wind in den Reben und ein weiches Frühlingslicht, das sich über die Weinberge legt.

Der Stroblhof ist ein Ort, der über Generationen gewachsen ist. Bereits im 13. Jahrhundert wurde das Haus erstmals erwähnt, bis heute wird es von derselben Familie Nicolussi-Leck geführt. Nach außen prägen heute vor allem drei Frauen den Hof: Tochter Anna, ihre Mutter und Tante. Gleichzeitig arbeiten hinter den Kulissen auch Vater und Bruder mit, die sich besonders um das Weingut kümmern. Man spürt schnell, dass hier alle an einem Strang ziehen – ein Zusammenhalt, der dem Hof seine ganz eigene, spürbare Dynamik verleiht.

Viele Geschichten des Hauses erzählen davon, wie eng Familie, Natur und Alltag hier schon immer verbunden waren. Der Großvater etwa baute früh ein Hallenbad und einen Tennisplatz, aus Begeisterung für den Sport und mit erstaunlichem Weitblick für seine Zeit. Ein anderer Vorfahre entdeckte mithilfe einer Wünschelrute die hofeigene Quelle, aus der bis heute Wasser fließt.

Naturpool des Hotel Stroblhof in Eppan, Südtirol, mit türkisblauem Wasser, rotem Sitzmöbel auf Holzdeck und grünem Bergpanorama im Hintergrund
Aufgereihte Weinflaschen des Weinguts Stroblhof in Eppan, Südtirol, mit Labels wie Blauburgunder, Riserva und Pigeno vor Steinwand

Dass dieses Vordenken Tradition hat, zeigt sich auch heute: Der Stroblhof entwickelt sich weiter, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Im Mai 2026 entstand mit den neuen Rittstein Homes ein architektonisch spannender Neubau zwischen den Weinbergen. Große Glasflächen, natürliche Materialien und Kalkspachtelung schaffen Räume, die Hitze im Sommer fernhalten und im Winter Wärme speichern. Alles wirkt reduziert, privat und eng mit der Landschaft verbunden. Gleichzeitig bleibt der Gedanke derselbe: ein Ort, der entschleunigt. Überhaupt hat man hier nie das Gefühl, dass Nachhaltigkeit laut erklärt werden muss. Sie zeigt sich eher in vielen kleinen Dingen. In regionalen Kreisläufen, den eigenen Weinen, Kräutern aus dem Garten, langlebigen Materialien oder darin, wie selbstverständlich Bestehendes weitergedacht wird.

Rezeption Stroblhof
Eingangsbereich des Stroblhof Eppan unter blühender Glyzinie, umgeben von Hortensien

Morgens sitzt man am liebsten auf der begrünten Terrasse beim Frühstück. Während meines Aufenthalts blühte dort eine alte Glyzinie in kräftigem Lila über den Sitzflächen. Zwischen Kaffeetassen, Vogelgezwitscher und dem Blick ins Grüne beginnt der Tag hier gemütlich ruhig.

Frühstückstisch am Stroblhof Eppan mit bunten Schälchen, Teekannen, frischen Säften und Vollkornbrot im Freien bei Sonnenlicht
Historischer Innenhof des Stroblhof Eppan mit blühender rosa Pfingstrose, Rundbogeneingang und weiß verputzten Mauern

Abends verlagert sich vieles in das jahrhundertealte alte Gewölbe des Hauses. Dicke Steinmauern, gedimmtes Licht, mehrere Gänge und dazu unter anderem die Weine des eigenen Guts. Besonders schön: die gekonnte Verbindung aus Südtiroler Produkten und mediterraner Leichtigkeit, die sich durch die Küche zieht.

Dazwischen liegen Stunden am Naturpool, im Spa oder einfach draußen zwischen den Weinbergen. Indoorpool, Outdoorpool, Saunen und Dampfbad öffnen sich fast alle ins Grüne und bescheren einem erholsame Stunden.

Gedeckter Tisch im Restaurantgewölbe des Stroblhof Eppan mit Weingläsern, Brotkorb, roter Kissenbank und gedimmter Hängelampe
Kunstvolles Dessert im Restaurant des Stroblhof Eppan: Törtchen mit Erdbeerfüllung, Sahnehaube, Kakaokrümeln und Erbsensprossen

Besonders eindrücklich sind die Eislöcher unweit des Hofs. Ein Ort, an dem die Natur scheinbar ihre eigenen Gesetze schreibt: Während ringsum die Weinberge bereits warm in der Sonne liegen, strömt zwischen den Felsspalten plötzlich kalte Luft hervor. Fast wie ein Atem aus dem Berg. Beim Gehen wechseln sich Wärme und Kühle ab, Licht und Schatten. Ein seltsames, fast schon magisches Gefühl. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.

Am Ende ist es genau dieses Zusammenspiel aus Naturwundern, gelebter Familientradition und moderner Architektur, das dem Hof seine lebendige und einzigartige Energie verleiht.

Mehr Infos Zum STROBLHOF

 

Pension Leuchtenburg – die alte Dame am See

Vom Stroblhof aus führt der Weg weiter Richtung Kalterer See. Oberhalb davon liegt die Pension Leuchtenburg. Ein Haus, das Gastgeberin Kat Sparer liebevoll „die alte Dame“ nennt. Und tatsächlich fühlt sich die Pension ein wenig wie eine Persönlichkeit an: eigenwillig, charmant und voller Seele – und ganz bewusst nur für Erwachsene. Kat ist hier praktisch groß geworden. Als die Pension ihrer Eltern kurz vor dem Verkauf stand und ihr Vater unten am See den Tränen nahe war, weil er diesen Ort nicht loslassen konnte, traf sie eine spontane Entscheidung: Sie bleibt. Gemeinsam mit ihrem Partner Jan begann sie, die alte Pension vollkommen neu zu denken.

historisches Rundbogenfenster der Pension Leuchtenburg in Kaltern, Südtirol
Eingangsbereich der Pension Leuchtenburg in Kaltern mit zwei grünen Samtsesseln, antikem Holzspiegel und historischem Gewölbe
Zimmerdetail der Pension Leuchtenburg mit weißem Bett, rundem Holznachttisch und Messingwandlampe vor terrakottafarbener Wand
Freistehende weiße Badewanne im Gewölbebad der Pension Leuchtenburg mit geöffnetem Holzfenster und leinengrauen Vorhängen

Heute verbindet die Leuchtenburg alte Substanz mit einer ruhigen, zeitgenössischen Gestaltung. Gemeinsam mit einer bekannten Südtiroler Architektin entstanden helle Räume mit natürlichen Materialien, klaren Linien und einer Atmosphäre, die sofort entschleunigt. Viel Holz, viel Licht, große Fenster und immer wieder der besondere Blick auf den See.

Mit einem Augenzwinkern nennt sich die Pension selbst „die teuerste Pension Südtirols“. Und vielleicht stimmt das sogar. Gleichzeitig fühlt sich hier nichts nach klassischem Luxus an. Eher nach einem Ort, an dem alles mit sehr viel Sorgfalt passiert.

Besonders eindrücklich war für mich der private Zugang zum See. Zur Pension gehören ein kleines Saunafass direkt am Wasser und ein Tretboot, das Gäste nutzen können. Ich bin damit langsam über den See gefahren, hinüber zur anderen Uferseite zum Mittagessen. Was ein Leben!

Kalterer See mit Holzsteg, blauem Ruderboot und Blick auf begrünte Weinberge und Berge Südtirols im Frühling
Gartenbereich der Pension Leuchtenburg in Kaltern mit Liegestühlen, Sonnenschirmen und grünem Saunafass zwischen Weinreben

Überhaupt dreht sich hier vieles um das bewusste Erleben. Um langsame Tage, gemeinsames Essen und Begegnungen. Jeden Montagabend versammeln sich die Gäste zur Tavolata an einer langen Tafel im Speisesaal. Mehrere Gänge werden serviert, man kommt ins Gespräch, tauscht Wanderempfehlungen aus oder sitzt einfach lange zusammen. Ein Abend, der sich weniger nach Hotelprogramm anfühlt als nach einem Aufeinandertreffen mit (nun) neuen Bekannten.

Kat selbst ist dabei überall präsent. Morgens serviert sie Kaffee, organisiert Eisbaden oder kümmert sich um kleine Dinge im Hintergrund. Man spürt schnell, wie viel Herz in diesem Ort steckt.

heller Speisesaal der Pension Leuchtenburg am gedeckten Frühstückstisch mit Seeblick
Rustikale Schüssel mit frischem Rucola-Salat und gebrösteltem Weißkäse beim Tavolata-Abend der Pension Leuchtenburg

Im Untergeschoss befinden sich eine kleine Sauna, unweit ein Yogaraum und eine wunderbar kuratierte Bibliothek mit Designbüchern und Romanen. Immer wieder finden dort auch Retreats oder kleinere Workshops statt – passend zu der ruhigen, fast kontemplativen Stimmung des Hauses. Gastgeber Jan ist zertifizierter Wim Hof-Instructor. Samstags können Gäste des Hauses zusammen mit Jan das Thema Eisbaden erleben.

Das Frühstück folgt derselben Haltung wie der Rest der Pension: kein großes Buffet, sondern ein täglich wechselndes Menü am Tisch. Kreativ, überraschend und gleichzeitig angenehm unaufgeregt und vor allem wunderbar lecker. Man startet langsam in den Tag und dadurch ziemlich gut gelaunt. Und draußen wartet immer der See.

Frühstückstisch der Pension Leuchtenburg mit dreistöckiger Etagère, buntem Geschirr und Blick auf den türkisblauen Kalterer See

Zwei Orte, die ihre Umgebung spürbar machen

Der Stroblhof und die Pension Leuchtenburg könnten unterschiedlicher kaum sein. Das eine ist ein gewachsener Familienhof zwischen Weinbergen, das andere ein stiller Rückzugsort über dem Wasser. Und doch teilen beide dieselbe Haltung: die Umgebung nicht nur als schöne Kulisse zu verstehen, sondern als etwas, das den Aufenthalt prägt.

Durch Architektur, Materialien, Kulinarik und die Art des Gastgebens entstehen hier Orte, die eng mit ihrer Landschaft verbunden sind. Nachhaltigkeit zeigt sich dabei nicht laut oder belehrend, sondern in vielen kleinen Entscheidungen: im bewussten Umgang mit Bestehendem und in Häusern, die sich weiterentwickeln dürfen, ohne ihre Seele zu verlieren.

Genau das macht die Reise rund um den Kalterer See so besonders: Auf dem Weg zwischen Reben und Wasser schaltet man fast automatisch einen Gang runter, lädt die eigenen Batterien auf und spürt die intensive Energie dieser blühenden Landschaft ganz unmittelbar.

Was bleibt, ist hier das Gesamtgefühl. Dass hier jemand sehr genau darüber nachgedacht hat, was ein Aufenthalt heute bedeuten kann. Und auch den Mut hat, Dinge bewusst anders zu machen. Vielleicht ist genau das der eigentliche Luxus: nicht alles anbieten zu wollen, sondern das Richtige. Was den Zum Hirschen besonders macht, ist die Art, wie auf Gäste eingegangen wird. Man fühlt sich gesehen, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Willkommen, ohne viele Worte.

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© Fotos: Cécile Meier

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