Sicherheit in den Bergen: Worauf es wirklich ankommt
Bergsport boomt. Immer mehr Menschen zieht es zum Wandern, Klettern und Trailrunning raus in die Natur. Gleichzeitig steigen auch die Einsätze der Bergrettung. Diese muss jedes Jahr unzählige Male ausrücken, oft wegen Erschöpfung, falscher Ausrüstung oder weil Menschen Wetter und Gelände unterschätzen. Viele starten spontan los, verlassen sich aufs Handy oder überschätzen ihre Kondition. Dabei reichen oft schon ein paar einfache Regeln, um sicher unterwegs zu sein.
Tourenplanung klingt langweilig, ist aber extrem wichtig
Einfach draufloswandern funktioniert vielleicht im Stadtpark, aber nicht unbedingt am Berg. Wer vorher kurz checkt, wie lang die Tour ist, wie viele Höhenmeter warten und wie schwierig der Weg wirklich ist, erspart sich später oft Probleme. Besonders beliebt sind mittlerweile Touren, die auf Instagram harmlos aussehen, in Wahrheit aber ziemlich fordernd sein können. Deshalb lieber ehrlich einschätzen, was man konditionell wirklich schafft und nicht nur, was cool aussieht.
Das Wetter macht in den Bergen, was es will
Unten im Tal Sonnenschein, oben plötzlich Nebel, Sturm oder Gewitter: in den Bergen kann sich das Wetter innerhalb von Minuten drehen. Genau das wird oft unterschätzt. Vor allem Gewitter sind gefährlich, wenn man gerade auf einem Grat oder einer freien Fläche unterwegs ist. Erfahrene Bergsteigende starten deshalb meistens früh am Morgen. Und wenn das Wetter kippt, gilt immer: umdrehen.
Und wichtig – nie von den markierten Pfaden abkommen!
Die falschen Schuhe ruinieren jede Tour
Man sieht es jeden Sommer: Leute mit Sneakern (oder noch schlimmer: Sandalen) auf steinigen Wegen. Klar, nicht jede Wanderung braucht Profi-Equipment, aber gutes Schuhwerk macht einen riesigen Unterschied. Wer auf nassem Untergrund ausrutscht, merkt schnell, warum Wanderschuhe Sinn machen. Dazu kommen genug Wasser, eine Jacke gegen Wetterumschwung, eine Stirnlampe (falls es doch mal später wird) und im besten Fall auch eine kleine Erste-Hilfe-Ausrüstung. Klingt basic, wird aber erstaunlich oft vergessen.
Selbstüberschätzung ist am Berg ein echtes Problem
Viele Unfälle passieren oftmals aber gar nicht wegen extremer Bedingungen, sondern weil Menschen ihre eigenen Grenzen ignorieren. Noch schnell zum Gipfel, obwohl die Beine schon schwer werden? Schlechte Idee. Müdigkeit sorgt dafür, dass man unkonzentriert wird, falsch auftritt oder Risiken eingeht, die man sonst vermeiden würde. Wer merkt, dass die Kraft nachlässt, sollte lieber früher umdrehen statt später Probleme bekommen.
Handyempfang ist keine Sicherheitsgarantie
Google Maps funktioniert nicht überall (surprise). In vielen Bergregionen gibt es schlechten Empfang oder der Akku ist schneller leer als gedacht. Deshalb verlassen sich routinierte Wandernde nie nur aufs Smartphone. Offline-Karten oder klassische Wanderkarten sind immer noch sinnvoll, vor allem bei längeren Touren. Eine Powerbank schadet definitiv auch nicht.
Alleine unterwegs? Lieber doppelt vorsichtig sein
Allein in den Bergen unterwegs zu sein, kann richtig schön sein: ruhig, entspannt und perfekt, um die eigenen Gedanken zu ordnen. Gleichzeitig steigt aber auch das Risiko. Wenn etwas passiert, ist niemand da, der helfen oder Hilfe holen kann. Deshalb sollte man zumindest Freund:innen oder Familie Bescheid geben, welche Route geplant ist und wann man ungefähr zurück sein will. Im Notfall kann das entscheidend sein.
Respekt vor dem Berg und der Natur sollte ein No-Brainer sein
Die Berge sind kein Freizeitpark. Warnschilder zu ignorieren, auf nicht ausgebauten Wegen zu gehen und an der Klippe noch schnell ein Gipfelfoto zu machen, ist leider alles andere als cool (auch wenn die sozialen Medien uns oftmals etwas anderes glauben lassen wollen). Am Ende ist kein Foto oder Ausblick der Welt wichtiger als die eigene Sicherheit.
Also: Wer vorbereitet losgeht, aufmerksam bleibt, das eigene Ego zurückschrauben und auch mal umdrehen kann, wenn‘s brenzlich wird, erlebt die Berge meistens genau so, wie sie sein sollten: beeindruckend, unvergesslich und unbeschadet.
Die 10 wichtigsten Dinge für die Sicherheit in den Bergen:
- Die Tour richtig vorbereiten
- Wetter im Blick behalten
- Richtig ausrüsten
- Eigene Grenzen spüren
- Offline-Karten mitnehmen
- Jemanden über die Route informieren
- Daran denken, dass es nicht überall Handy-Empfang gibt und Powerbank mitnehmen
- Respekt vor Berg und Natur
- Markierte Route nie verlassen
- Mini Urlaubsapotheke mitnehmen (Schmerztabletten, Verbände und Infektionsspray …)
© Fotos: Pexels / Yaroslav Shuraev, Alin Serban, Kristian Bechthold, Hikerwise, Kei Scampa
Nadine Pinezits
Nadine ist freiberufliche Redakteurin und Texterin. Sie lebt in Österreich und pendelt zwischen Salzburg und Wien. Sie ist somit entweder in den Bergen oder im Großstadtdschungel unterwegs, versucht aber gleichzeitig, so viel Zeit wie möglich in ihrem Herzensland Portugal zu verbringen.



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