Hinter den Kulissen: Château d’Orion, Aquitanien, Frankreich

Einblick in die Küche

Ein Gastbeitrag von Janna Schwanemann

Im Südwesten Frankreichs, wo die Hügel sanft grün und die Pyrenäen atlantisch sind, liegt das Béarn. Ein Gebiet, das außer für seine Sauce béarnaise wenig berühmt und touristisch eher ein Geheimtipp ist. Denn wer glaubt, die französische Provinz am Fuße der Pyrenäen habe nichts zu bieten, irrt: Das Béarn und das benachbarte französische Baskenland strotzen vor atemberaubender Natur und reicher Kultur.

Eine Insel eigener Zeitlichkeit

Hier, inmitten eines kleinen Dorfes, liegt das Château d’Orion. Wer durch das gusseiserne Tor hindurch den gekiesten Pfad zum Schloss entlang fährt und durch die schwere Eingangstür den Empfangssaal betritt, merkt schnell: Dies ist eine Insel eigener Zeitlichkeit, fernab der Hektik des Alltag und dem getriebenen Rhythmus der Großstädte. Das ehemalige Laienkloster aus dem 17. Jahrhundert ist heute Gästehaus und Begegnungszentrum. Ein lebendiges Museum, das den Geist der Jahrhunderte spürbar macht und täglich mit neuem Leben gefüllt wird.

Die Inhaber
Eine Aussicht

Als Gast kann man in Château d’Orion nicht nur stilvoll schlafen und delikat essen, sondern ist, wenn man mag, auch herausgefordert zu diskutieren und philosophieren über die drängenden Fragen der Gegenwart. Die beiden Deutschen, Elke Jeanrond-Premauer und Tobias Premauer (siehe Bild oben), die das Haus im Jahr 2003 mitsamt seinem Inventar kaufte und liebevoll restaurierte, hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Modell für die lustvolle Symbiose von Geist und Genuss zu schaffen. Und so verbinden die Veranstaltungen der Denkagentur Château d'Orion das Rationale mit dem Sinnlichen, Inspiration und Erholung ergänzen einander.

Erkenntnis und Ernährung

Regelmäßig finden in dem historischen Landschloss „Denkwochen“ statt, bei denen sich eine kleine Gruppe von Teilnehmern in Gemeinschaft für fünf Tage intensiv mit einem Thema auseinandersetzt. Bei aller programmatischen und perspektivischen Vielfalt ist ein zentraler Aspekt doch immer die Suche nach einem gelingenden Leben. Diese erstreckt sich in Château Orion u.a. auf das Gebiet Ernährung. Es werden überwiegend Waren und Produkte verwendet, die aus dem eigenen Permakultur-Garten oder regionaler nachhaltiger Landwirtschaft stammen, sowie Projekte unterstützt, deren Fokus auf einer agrarökologischen Anbauweise liegt. Im Rahmen einer Denkwoche soll nun auch die spontane Vegetation in Wäldern und auf Wiesen in den Blick genommen werden: Steffen Fleischhauer und Claudia Gassner gestalten eine kreative Erkundungsreise unter dem Titel „Essbare Wildpflanzen“ vom 22. bis 28. April 2018.

tolles Gemüse
Eingangshalle

Für die Betreiber von Château d’Orion ist Ganzheitlichkeit ein zentraler Anspruch – in der Ernährung, wie auch im Denken und Handeln. Ziel ist die Verbindung von Herz und Verstand, die Balance zwischen ökologischer, ökonomischer und sozialer Verantwortung. Die Frage, wie wir künftig leben wollen, berührt auch das Gebiet der Arbeit und die Organisation von menschlichem Zusammenleben. So wird im Anschluss an das Wildpflanzenseminar eine Denkwoche mit der Change-Managerin Jutta Eckstein zum Thema agile Arbeitsorganisation geboten (29. April bis zum 05. Mai 2018).

Eine erfüllte Zeit

Wem dann doch eher der Sinn nach kontemplativer Erholung steht, der findet sicher Gefallen an einem der Liegestühle im Schatten der 200 Jahre alten Platane mit Blick auf die ferne Bergkette oder an einem Ausflug in die Umgebung. Der Jakobsweg „Voie de Vezelay“ führt in knapp 300 Metern Entfernung am Haus vorbei. Lohnend ist außerdem ein Besuch des ganz besonderen baskischen Heimatmuseums „Chemins/Bideak“ oder des Dörfchens „Sorde l'Abbaye“, das zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Auch das Meer ist nur eine knappe Stunde mit dem Auto entfernt, genauso wie die majestätischen Pyrenäen.

Wer sich auf einen Aufenthalt im Château d’Orion einlässt, erlebt keinen Urlaub von der Stange. Jedes Zimmer erzählt eine eigene Geschichte, man bewegt sich nicht anonym, sondern wird persönlich, niemals aufdringlich, bewegt. Statt einem internationalen, profillosen Essensbuffet wird wertschätzend und individuell mit dem gekocht, was der Garten je nach Saison hergibt. Nicht Zeitvertreib, sondern Zeitgenuss ist es, der den Kopf befreit und Raum für Neues schafft.

Das rote Treppenhaus
Blumen
Blick nach Draußen

Mehr Informationen zum Château d'Orion findest du auf Good Travel

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