Marseille – Die Perle am Meer
Ich durfte schon zum zweiten Mal die französische Perle am Mittelmeer bereisen. Marseille ist für mich eine Stadt, die man wirklich mehrfach besuchen kann, weil sie sich ständig verändert, immer wieder neue, spannende Cafés dazukommen und es nie langweilig wird. Eine Stadt – bunt, ein bisschen wild, extrem lebendig und im Sommer vor allem heiß. Das Leben passiert hier bevorzugt draußen, in schattigen Gassen oder kleinen Hinterhöfen. Ich spaziere durch die Straßen, sauge die Energie auf und merke schnell: Die langen Walks direkt am Wasser – während die Bewohner Marseilles locker an mir vorbeijoggen, ja auch während der Mittagszeit – erfordern irgendwann einfach eine Abkühlung.
Die Stadt am Meer
Da trifft es sich perfekt, dass das Meer hier an der Küste allgegenwärtig ist. Entlang der Corniche spazieren, den Blick aufs unfassbar türkisblaue Wasser richten und dann entweder direkt ins Meer springen, oder erst einen kühlen Drink genießen und dann ins Meer springen. Marseille hat mit dem Plage des Catalans oder dem Plage du Prado zwar richtige Stadtstrände, aber wer es wie die Locals machen will, sucht sich ein Plätzchen an den rauen Meeresklippen und Felsen. Es ist steinig, wild und genau dort sind die echten Marseillais zu finden, wenn sie direkt von den Klippen ins kalte Nass springen oder auf den warmen Steinen chillen.
Wer den absolut besten Blick über dieses gesamte Panorama sucht, sollte unbedingt hoch zur Aussichtsplattform an der Kirche Notre-Dame de la Garde. Von dort oben liegt einem die Stadt mit ihrem Hafen und dem weiten Mittelmeer regelrecht zu Füßen.
Zu Gast in der Pension Edelweiss & urbane Entdeckungen
Wenn man die Stadt komplett zu Fuß erobern will, braucht man die richtige Base bzw. Ausgangslage. Die Pension Edelweiss bietet genau das. Ein typisches Marseiller Altbauhaus, das von innen sofort mit seiner Ästhetik und Materialauswahl überzeugt. Die verschiedenen Zimmer schlängeln sich durch das historische Gebäude, keines gleicht dem anderen. Aurélie Dehling, die Gastgeberin, managt den Laden zusammen mit ihrem Team mit einer wunderbar entspannten Atmosphäre. Drinnen erwarten einen ganz unterschiedliche Farbwelten, bunte Wände, Spiegel-Galerien und ein toll kurierter Mix aus Antiquitäten und tollen Designklassiker-Lampen. Kein steriles Hotel, sondern echter Charakter.
Ich habe im Erdgeschoss übernachtet und hatte dadurch echtes Glück: einen direkten Zugang zu einem kleinen Innenhof. Eine private Terrasse, um mitten in der Stadt kurz die Ruhe zu genießen. Das morgendliche Ritual führt dann hinauf in den ersten Stock. Dort gibt es einen kleinen Innenhof-Balkon, auf dem man wunderbar frühstücken kann. Es ist genau so, wie man es sich wünscht: knuspriges Croissants, gute Marmelade, ein gekochtes Ei und eine tolle Käseauswahl. Man lernt andere Gäste kennen, natürlich nur, wenn man mag. Hier kann man sich in Ruhe überlegen, was man heute unternehmen will, und zieht dann los.
Direkt in den Gassen rundherum stolpert man über Läden, die einen stundenlang fesseln können. Ein absolutes Highlight ist das Maison Empereur – ein traditionsreiches Kleinod mit vielen verwinkelten Räumen und Etagen voller traditioneller Haushaltswaren, Handwerksprodukte und Textilien. Es gibt unendlich viel zu bestaunen und tolle, ehrliche Produkte zu entdecken. Für den schnellen, unkomplizierten Einkauf gibt es zudem die super Bio-Supermärkte von Naturalia, die sich praktisch über die ganze Stadt verteilen.
Echte Lieblinge für tagsüber sind auch die Épicerie L’Idéal, die einen grandiosen Mittagstisch bietet, bei dem man großartige Lebensmittel einkaufen und gleichzeitig wunderschöne kleine Dekorationsteile entdecken kann, und das Café la Muse, das gerade völlig zurecht einen totalen Hype erlebt und der perfekte Ort für eine kurze Kaffeepause ist (oder abends für Drinks vorbeischauen).
Architektur-Ikonen, junge Kulinarik & Drinks am Meer
Marseille fasziniert mich auch architektonisch extrem. Bevor man überhaupt zu den modernen Bauten kommt, nimmt einen die historische Substanz der Stadt gefangen. Die Straßenzüge sind geprägt von prächtigen Altbauten, filigranen Jugendstilfassaden und diesem typischen, warmen Sandstein, der das intensive Mittelmeerlicht so wunderschön reflektiert. Und mittendrin steht im Kontrast dazu der berühmte Bau des Architekten Le Corbusier etwas außerhalb des Zentrums: die Cité Radieuse. Dieses visionäre Gebäude, in dem sich auch das legendäre Hotel befindet, ist ein echtes Kunstwerk. Das absolute Highlight ist die riesige, super coole Dachterrasse ganz oben auf dem Dach – ein genialer Ort mit brutalistischem Charme und einem fantastischen Blick (vor einem Besuch unbedingt die Öffnungszeiten checken).
Für mich als Foodie ist die Stadt ohnehin ein einziges Erlebnis, weil sich in der Gastro-Szene unglaublich viel tut. Was mir hier besonders auffällt und sehr gut gefällt: Es arbeiten so unglaublich viele junge Köche und junge, motivierte Leute in den Restaurants. Das bringt eine wahnsinnig frische, dynamische Energie an die Tische. Überall findet man spannende, unprätentiöse Konzepte, die konsequent regional und saisonal kochen. Ein Kiosk-Restaurant-Konzept hat es mir ganz besonders angetan: das Cécile (bzw. Cécile Food Club). Für mich als Namensvetterin war das natürlich ein persönliches Highlight. Hier gibt es fantastische, frische Salate, leckere Sandwiches und guten Kaffee, perfekt für Zwischendurch oder als Proviant für den Strand.
Ich liebe es überhaupt, mich hier einfach treiben zu lassen: eine Kugel Eis hier, ein tolles Dinner in wegweisenden Restaurants wie dem Livingston (berühmt für seine genialen Teller zum Teilen und Naturweine) oder dem großartigen La Mercerie. Ein echter Tipp für ein grandioses Abendessen ist auch das Ripaille, fantastische Sharing Plates, eine tolle Weinauswahl und ein wunderbares Publikum aus jungen, entspannten Leuten.
Die Meeres-Kulinarik ist wirklich etwas ganz Besonderes, fangfrischer Fisch und Muscheln modern und leicht interpretiert. Und wenn man coole Bars für exzellente Drinks direkt am Meer sucht, sollte man unbedingt im Dérive vorbeischauen: die perfekte Location, um den Tag mit Blick auf die Wellen ausklingen zu lassen. Und ja, auch wenn die Naturwein-Bars boomen: Zum Aperitif gibt es draußen in den Gassen immer noch ganz klassisch einen Pastis. Oder zwei. Man sitzt draußen, beobachtet Menschen, Touristen, Einheimische, die vorbeilaufen, sich neben einen setzen, hört verschiedene Sprachen und entdeckt verschiedenste Modestile – das macht einfach direkt gute Laune.
Der perfekte Abend auf dem Meer
Richtig besonders wurde es abends: Ich hatte eine Fahrt zum Sonnenuntergang mit einem Segelboot gebucht. Eine Gruppenfahrt mit fremden Menschen, ein total internationaler Mix. Man steigt am Hafen ein, lernt die anderen kennen, bekommt eine kurze Einführung und schon fährt man langsam raus aufs weite Meer. Der Weg führt vorbei an der spektakulären Architektur des Mucem und einmal um die Frioul-Inseln herum.
Vor den Inseln haben wir angehalten und durften für die perfekte Erfrischung in das – zugegeben sehr kalte – Wasser springen. Ob es sich gelohnt hat? Auf jeden Fall! Denn zurück an Bord wartete ein großartiges vegetarisches Buffet, das die Crew frisch zubereitet hatte: Zucchinikuchen, Nudel- und Couscoussalat, dazu gab es Wein und natürlich ein Dessert. Nach etwa drei bis vier Stunden sind wir schließlich nach Sonnenuntergang wieder in die dunkle Stadt eingefahren. Dieser Moment, wenn man auf den Hafen zukommt und nur noch das riesige Lichtermeer der Häuser sieht, war magisch.
Beim nächsten Besuch in Marseille, da bin ich mir sicher, werde ich wieder viel Neues entdecken und wie immer sehr inspiriert nach Hause kehren.
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FÜNF BESONDERE ORTE IN MARSEILLE
© Fotos: Cécile Meier
Cécile Meier
Cécile ist freie Autorin und Nachhaltigkeitsstrategin. Sie genießt das Reisen in vollen Zügen: Verschiedene Kulturen kennenzulernen, anderen Sprachen zu lauschen und dabei entweder am Meer oder in einer (Groß-)Stadt Neues zu entdecken, fasziniert sie immer wieder. Besonders liegen ihr die Geschichten und Intentionen der Good Travel Gastgeber:innen am Herzen.



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