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Im Urlaub ohne Auto

5 Orte: Im Urlaub ohne Auto

Immer mehr Menschen sehnen sich nach Orten, an denen der Verkehrslärm verstummt und der Alltag ein paar Gänge herunterschaltet. Ein autofreier Urlaub ist dafür ideal: Wer sein Ziel nur zu Fuß erreicht, kommt meist auch innerlich langsamer an. Statt Parkplatzsuche warten Vogelstimmen, statt Stau frische Berg- oder Meeresluft. Die Anreise wird selbst schon zum Teil des Erlebnisses – und man kommt schon anders an.

Ein Hütte in den Schweizer Bergen – so ursprünglich wie vor 1000 Jahren

Erstmal heißt es ein wenig schwitzen, denn das Rifugio Alpe San Romerio liegt auf 1.800 Metern, die es zu Fuß zu erklimmen gilt. Bereits der Anstieg ist schon die Reise wert, wandert man doch durch natürliche Wälder, atmet saubere Luft und genießt dabei eine traumhaft schöne Landschaft. In der Berghütte – vollständig aus natürlichen und nachhaltigen Materialien errichtet – lebt es sich, umsorgt von einem authentischen und passionierten Serviceteam, im besten Sinne vereint mit der Natur. In der Natur, als Teil von ihr, in ihrem Rhythmus. Es ist die Vision der Betreiber, genau dies zu leben. Deswegen führen sie mit Leidenschaft die Traditionen der Alpwirtschaft weiter und geben Gästen gerne die Möglichkeit des Miterlebens – etwa durch eigenhändiges Zimmern eines Holzschemels. Aktivitäten wie Wandern, Yoga oder Mountainbiken laden zur Bewegung ein. Unmittelbar auf dem Gelände des Refugios steht das tausendjährige romanische Kirchlein „San Remigio“. Wer hier oben ankommt, spürt sofort: Autofrei zu reisen bedeutet nicht Verzicht, sondern ein intensiveres Ankommen.

Rifugio Alpe San Romerio
Schlafen unter freiem Himmel
Yoga in den Bergen
Svizzera_ValPoschiavo_SanRomerio

Ruhe genießen im ehemaligen Zirkuswagen in Dänemark

Die Landschaft rund um den Circusvognen auf Ærø ist hügelig, lebendig und voller Details. Zu jeder Jahreszeit bietet sich ein neues Farbenspiel aus Bäumen, Pflanzen und Blumen vor der Kulisse des Archipels, wo man die Ostsee-Fähren vorbeifahren sieht. Mittendrin der Zirkuswagen als bunter Kontrast, der zugleich eine gelungene Einheit mit der Natur bildet. Anna, David und ihre Kinder haben diese außergewöhnliche Unterkunft für ihre Gäste errichtet. Der Zirkuswagen wurde vor etwa fünfzig Jahren in der DDR gebaut. 2021 hat die Familie den Wagen erstanden und aufwändig saniert. Das Kunstwerk an der Außenwand hat Jonas Pihl gestaltet. Im Inneren finden sich warme Farben, viel Holz und eine gemütliche Einrichtung. Die perfekte Mischung aus Nostalgie, Romantik und Kreativität – und es fehlt einem hier gar nichts. Direkt vor dem Wagen grasen Ziegen, Schafe und Pferde, die alle Gäste neugierig willkommen heißen. Die riesige Terrasse lädt zum gemeinsamen Lesen, Spielen, Essen, Dösen, Sternegucken und Erholen ein. Auf Ærø zeigt sich, wie leicht autofreies Reisen sein kann – entschleunigt und ganz nah an dem, was wirklich zählt.

Cirkusvogn_in der Natur
Ziege
Cirkusvogn Innen

Eine gemütliche STUBN im Chiemgau zum Aufatmen

Auf einem Hochplateau in den Chiemgauer Alpen, 950 Meter über dem Meeresspiegel, schmiegt sich die Frasdorfer Hütte behaglich in sattgrüne Almwiesen. Seit vielen Generationen gehört sie der Familie Cramer-Klett, die aus der urigen Hütte einen kulinarisch-behaglichen Wohlfühlort mitten in der Natur – die STUBN – gemacht hat. Die Auszeit beginnt für die Gäste bereits vor der Ankunft. Denn die Unterkunft ist nur zu Fuß, mit dem Rad oder dem angebotenen Shuttleservice erreichbar. Etwa eine Stunde spaziert oder radelt man auf schönen Forst- und Wiesenwegen, bevor man die in einer kleinen Mulde gelegene Hütte erreicht. Von hier aus kann man den Blick über Wiesen, Täler, Berge, Fichten und Tannen schweifen und sich rundum kulinarisch verwöhnen lassen. Der autofreie Weg hinauf macht die Ankunft umso kostbarer – und lässt einen die alpine Ruhe bewusster genießen. Nachts umhüllt die Gäste die ganz besondere Bergstille, bevor sie am Morgen mit dem sanften Klang der Kuhglocken erwachen.

STUBN_FRASDORF
STUBN-Koch
STUBN leckeres Essen
STUBN_Balkon
Kühe

Briol: Seit Generationen eine Bergoase – dank der Urgroßmutter

Hoch oben über Dreikirchen im Eisacktal liegen einige Häuser in den grünen Wiesen, an die Hänge geschmiegt wie Schwalbennester, und wer es erst herauf geschafft hat, kann hier eine typisch Südtiroler Sommerfrische genießen. Das Berghotel Briol besteht aus mehreren Häusern, die die Familie Settari über einige Jahrzehnte am Berg gebaut hat. Treibende Kraft dabei war Johanna Settari (1851-1931), die Urgroßmutter der heutigen Besitzerin. Dabei hat sie schon damals die heutigen Regeln festgelegt: der Besitz darf nur innerhalb der Familie weitergegeben werden, keine Zäune und alles stets im Sinne des Berges erhalten. Da sich ihre Nachkommen an diese Regeln gehalten haben, findet man hier immer noch eine außergewöhnliche Idylle vor, wie in alten Zeiten. 

Ins Briol kommt man nur zu Fuß oder notfalls mit dem Geländetaxi. Im Haupthaus, das 1928 im Bauhausstil errichtet wurde, ist tatsächlich auch noch fast alles wie damals. Das um die Jahrhundertwende entstandene Haus Settari dagegen hat die jetzige Besitzerin Johanna behutsam renovieren lassen. Hier finden sich drei Zimmer mit Blick zum Tal. Die Mahlzeiten werden im Haus Briol eingenommen und sind im Preis inbegriffen. Es gibt ein köstliches Frühstücksbuffet, mittags ein Salatbuffet und abends wird ein Menü serviert. So sorglos kann das Leben sein!

Briol
Sauna im Briol
Pool auf dem Berg
Frühstück-im-Briol
Schlafen im Baumhaus
Alpenglühen im Briol

Eine eigene Insel bei den glücklichen Finnen – Majorsgrund

Einmal auf einer einsamen Insel leben und sich wie ein:e Entdecker:in fühlen – das geht auf Majorsgrund, einer der schönsten Privatinseln Finnlands. Gäste erwarten dort wunderschöne Natur, atemberaubende Sonnenuntergänge, Polarlichter und einzigartige Ruhe. Die Insel befindet sich vor der Küste Westfinnlands, circa 600 Kilometer südlich des Polarkreises – Mitternachtssonne inklusive. Die Gastgeber Timo und Jannis Pohl vermieten zwei kürzlich renovierte Häuser – das Blockhaus Aurinko für bis zu 10 Gäste und das Blockhaus Meri für bis zu 6 Gäste. Die Einrichtung in den Häusern ist typisch skandinavisch. Ein Kamin und die luftige Helligkeit machen die Unterkunft zu einem gemütlichen Hideaway. Bis zu sechzehn Gäste können hier zur Ruhe kommen. Die langfristige Idee von Timo und Jannis war es, einen autarken Ort zu schaffen – auch um Gäste davon zu überzeugen, mehr auf die Umwelt zu achten. Die Natur ist kaum an Schönheit zu übertreffen. Kein Wunder, dass die Finnen immer wieder zu den glücklichsten Menschen gewählt werden.

Majorsgrund
Urlaub auf einer Insel
Abendstimmung Majorsgrund
Schwedenhütte auf einer Insel

Fazit: Autofrei reisen heißt bewusster ankommen

Ob hoch oben in den Bergen, auf einer kleinen Insel oder inmitten sanfter Hügellandschaften – autofreie Reiseziele verändern nicht nur die Art, wie wir uns fortbewegen, sondern auch, wie wir einen Ort erleben. Der Weg wird Teil der Auszeit, das Ankommen intensiver, die Umgebung spürbarer. Ohne Motorengeräusche rücken andere Dinge in den Fokus: Natur, Begegnungen, Zeit.

Die fünf Orte zeigen, wie vielfältig autofreier Urlaub sein kann – mal ursprünglich und reduziert, mal kreativ und verspielt, mal komfortabel und genussvoll. Was sie verbindet, ist das Gefühl von Entschleunigung und die Einladung, sich wieder stärker mit der Umgebung – und mit sich selbst – zu verbinden.

Autofrei zu reisen bedeutet also nicht Verzicht, sondern Gewinn: an Ruhe, an Klarheit und an echten Erlebnissen.

© Fotos: Rechte bei den Unterkünften, Judith Hehl

Geraldine arbeitet als freie Autorin für Good Travel und hat gerade eine Ausbildung zur Nachhaltigkeitsmanagerin absolviert. Nach zwanzig spannenden Jahren beim Film, widmet sie sich jetzt hauptberuflich ihren anderen Leidenschaften – Reisen, Essen und Design.

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