Hinter den Kulissen: Tenuta Montemaggiore, Italien

Tenuta Maggiore

Auch in Italien ist das Wetter im Winter nicht immer wunderbar. Silvester haben wir dieses Jahr trotzdem hier verbracht und hatten auch einige sonnige Tage, an denen wir sogar ohne Jacke draußen sein konnten. Auf der Rückreise gen Norden hatte uns dann aber der Regen fest im Griff. Das Fahren war sehr anstrengend. Umso besser also, dass ein Zwischenstopp auf halber Strecke geplant war. In einem B&B bei Bologna wollten mein Söhnchen und ich die Nacht verbringen. Die schmale Straße mit furchtbar viel Gegenverkehr und vielen Kurven war zwar unangenehm zu fahren, doch die Ankunft in der Tenuta hat das wieder völlig wettgemacht. Das große gelblich angestrahlte Tor direkt an der Straße schwang nach dem Klingeln lautlos auf. Dahinter dann fast filmreif beleuchtete Wege, die leicht geschwungen bergauf führen. Wie ein Ort außerhalb dieser Welt.

Anna Likhaceva
Fenster des Tenuta Montemaggiore

Ein Zwischenstopp in einer anderen Welt

Oben erwartete uns schon die ganz reale Anna Likhaceva mit ihren wunderschönen erdbeerblonden Haaren und führte uns in das gemütliche Häuschen Casa di Otello. Hier hat in früheren Zeiten der Bewirtschafter der Tenuta (was soviel heißt wie Gutshof) mit seiner Familie gelebt. Alte Böden, schiefe alte Wände und schmale Holztüren. Ein schmiedeeisernes Geländer, das mein 8-Jähriger sofort als Klettergerüst entdeckte. Alles wirkt noch ganz wie damals. Im Zimmer duftet es wunderbar nach getrocknetem Lavendel und das Bett ist nicht zu weich und nicht zu hart und mit herrlich dicken Decken ausgestattet. Am Morgen bleiben wir noch genüsslich liegen. Der Ausblick auf die Pinien vor dem Fenster ist aber auch zu schön.

Zum Frühstück wurden wir hinüber in Annas Wohnung gebeten. Wenn man dieses extravagant ausgebaute Wirtschaftsgebäude denn so nennen kann. Wo früher die Kühe standen, ist jetzt ihr im Lounge Stil gestaltetes Wohnzimmer zu finden. Wo früher der Mist floss, plätschert jetzt ein meterlanges Wasserbassin mit speziell fluoreszierender Farbe. Und in der früheren Orangerie wartet jetzt unser Frühstück.

Beim Honigfrühstück erfahren wir mehr über die Familie

Hier brennt ein Feuer im alten gusseisernen Herd und wir kommen in den Genuss, die verschiedenen Honigsorten der Tenuta zu probieren. Ruben mag gerne den Millefiori (Blütenhonig). Ich den dunklen Bosco (Waldhonig), den die Bienen hier unter anderem aus dem Nektar der Pinienbäume fertigen. Diese Bäume sind hier eigentlich gar nicht heimisch, erzählt Anna, die uns beim Frühstück Gesellschaft leistet. Sondern sie stammen vom Atlantik und aus dem Libanon. Genau diese Bäume waren es aber, die Annas Vater so gut gefallen haben, dass er das Anwesen gekauft hat. Die Pinien erinnerten ihn an seine Heimat Russland. Dort in Moskau sind auch Anna und ihre Schwester Lia geboren und aufgewachsen bis sie Anfang der 90er Jahre nach Bologna der Heimat ihrer Mutter umgezogen sind.

das Frühstück
Blick ins Zimmer
Servietten

Nach dem Frühstück führt uns Anna stolz über das Gelände. Sie erzählt mir von der Vergangenheit der Tenuta. Von Otello, dem treuen Verwalter, der in der Kriegszeit hier die Stellung gehalten hat und sich einmal vor den mordenden Schergen nur mit einem Sprung in die Mistgrube retten konnte. Damals gehörte die Tenuta noch anderen Besitzern.

Ein Spaziergang zum grünen Zimmer

Wir schlendern ein bisschen durch den Wald. Es duftet nach Nadelbäumen und es ist auch wieder schön sonnig, sodass sogar ein paar Bienchen ausgeflogen sind, um an den alten Wabenkästen herum zu naschen. Verborgen hinter einer hohen Hecke ist der Gemüsegarten. Jetzt im Januar liegen die ordentlich gezogenen Beete brach. Aber sonst wachsen hier Erdbeeren, Kartoffeln und natürlich die für Italien unerlässlichen Tomaten und Zucchini. Dieses geheime grüne Zimmer hat einen ganz eigenen Reiz und wird auch für sommerliche Aperitivoabende als Veranstaltungsraum genutzt.

Genauso wie der wirklich atemberaubend ausgebaute Stall mit Scheune in dem Anna nun lebt. Sie ist nach dem Studium in die Fußstapfen des Vaters getreten und handelt nun wie er mit Antiquitäten. Die Leidenschaft der Familie für antike Objekte spiegelt sich auf der Tenuta wieder. Im gesamten Haus gibt es so gut wie nichts Neuzeitliches (außer vielleicht einen Wasserkocher und den Toaster). Aber Trödel gibt es genauso wenig zu sehen. Ganz ehrlich: Mir ist der Mund offen stehen geblieben. So etwas habe ich noch nie gesehen. Eine überwältigende Fülle an außergewöhnlich schönen und gut erhaltenen Geräten, Möbeln, Einrichtungsgegenständen,...

Kein Wunder, dass hier regelmäßig Fotoshootings, Filmdrehs, Kunstevents und andere Veranstaltungen stattfinden. Bei einem hochkarätigen Event wurde sogar ein Wasserballett geboten. Anna zeigt mir ein paar Filmausschnitte von einer aktuellen Bio-Werbung, die ich schon aus dem italienischen Fernsehen kenne. Jetzt erkenne ich: das ist ja in der Orangerie. Da wo wir vorhin noch selbst saßen! Sehr idyllisch.

Soziales Engagement und Gastfreundschaft

Mit den Einnahmen durch das Vermieten der Räume, unterstützen Anna und ihr Lebensgefährte soziale Projekte für Jugendliche, die Hilfe brauchen. Einige von denen haben außerdem die Gelegenheit auf der Tenuta Arbeitserfahrung zu sammeln. So haben wir den jungen Ibrahim aus Gambia kennengelernt, der heute zusammen mit Giovanni aus Rumänien mit Holzmachen beschäftigt ist.

Das B&B dagegen ist eigentlich eher eine Spielerei von Anna. Sie liebt es Gäste willkommen zu heißen, sagt sie mir. Und deshalb ist sie gemeinsam mit ihrer Mutter Roberta zur Zeit damit beschäftigt, im Herrenhaus weitere Gästezimmer einzurichten. Sie sollen, wie schon die Zimmer im Bauernhaus, zum Stil des Hauses passen. Dementsprechend ist in der Villa ein luxuriöses Bed&Breakfast geplant. Da bin ich aber sehr gespannt, wie das aussehen wird. Das werde ich mir unbedingt anschauen.

Aber vorerst liegen noch viele Kilometer vor uns, bis wir wieder zuhause sind. Kaum aus dem Tor, fällt mir auf, das ich eine Kleinigkeit vergessen habe. Ich klingle und Giovanni, der im Torhaus wohnt macht mir auf. Zu Fuß will ich schnell hinauf und das Ladekabel holen, das noch in der nostalgischen Steckdose neben dem Bett steckt. Aber Giovanni sagt: Springen sie auf und gut festhalten! Und fährt mich mit dem Quad hinauf und wieder hinunter. Ein rasanter Abschluss dieses kleinen Zwischenstopps irgendwo mitten in Italien.

Mehr Informationen zur Tenuta Montemaggiore findest du auf Good Travel

Blich aus Tenuta Montemaggiore

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