Eine portugiesische Liebesgeschichte in zwei Akten: Zwei Häuser, eine Seele
Es gibt Reisen, die fühlen sich an wie ein langes, tiefes Einatmen. Ich komme an einem Ort an, lasse den Alltag hinter mir und spüre, wie ich langsam zur Ruhe komme. Normalerweise folgt darauf der Moment, in dem man die Koffer packt und das Gefühl des Ankommens wieder verliert. Doch was, wenn der Ortswechsel sich diesmal gar nicht wie ein Bruch anfühlt, sondern die Reise einfach nahtlos ineinander übergeht? Genauso erging es mir auf meiner letzten Reise:
Wer Portugal von seiner authentischen, langsamen Seite erleben möchte, verbindet die beiden größten Städte des Landes, Porto und Lissabon, zu einer perfekten Symbiose. Der Weg dazwischen ist denkbar unkompliziert: Statt Hektik am Flughafen steige ich einfach in den Flixbus. Ohne Zwischenstopp, in gerade einmal drei Stunden und erstaunlich entspannt zieht die portugiesische Landschaft an meinem Fenster vorbei, während ich mich von der Ruhe Portos (im Vergleich zu Lissabon gesehen) auf die Lebendigkeit der Hauptstadt einstimme. Das Schönste daran? Ich reise von einem Zuhause direkt ins nächste. Denn in beiden Städten warten zwei Apartmenthäuser, die wie Geschwister funktionieren und doch ihren ganz eigenen Charme haben: das wunderschöne Massarelos House in Porto und das ikonische Baixa House in Lissabon.
Das kreative Fundament und die Kunst des Ankommens
Hinter beiden Projekten steht ein Name: Jesús Moraime. Er ist der Besitzer der beiden Unterkünfte und von ihm stammt schlichtweg alles; das gesamte besondere, gestalterische Konzept, die beeindruckende Vision und die feine Handschrift. Auch wenn er als kreativer Kopf im Hintergrund bleibt, zieht sich seine visuelle Handschrift wie ein roter Faden durch die Räume. Als spanischer Landschaftsarchitekt hat er die historischen Mauern mit großem Respekt vor der ursprünglichen Bausubstanz restauriert und urbane Refugien geschaffen, die eine tiefe Ruhe ausstrahlen. Wirklich wunderbar, um sich zu erholen.
Die Grenze zwischen Hotel und klassischer Ferienwohnung wird hier komplett aufgebrochen. Nachhaltigkeit wird nicht laut geschrien, sondern ganz selbstverständlich gelebt – von der Reduzierung von Plastik bis hin zu engen, lokalen Kreisläufen. Sogar das Team lebt diesen Austausch: Durch Praktika und Trainingsprogramme reisen die Mitarbeitenden zwischen den Städten hin und her, um voneinander zu lernen. Das verbindende Element vor Ort ist dabei Anabela Bártolo; sie schlägt die Brücke zwischen Lissabon und Porto und sorgt mit ihrer unkomplizierten, herzlichen Art dafür, dass man sich an beiden Orten sofort ungezwungen geborgen fühlt.
Akt I: Ein perfekter Aperitif und die Ruhe des Douro im Massarelos House (Porto)
Meine Reise beginnt im Norden. Porto hat diesen ganz besonderen Charme, eine Stadt, die trotz ihrer Lebendigkeit eine absolute Gemütlichkeit (im besten Sinne) besitzt. Genau dieses Gefühl fängt das Massarelos House mit seinen 15 Apartments ein. Es liegt in einem der stilleren, grüneren Viertel (im gleichnamigen Massarelos Viertel) der Stadt, sanft eingebettet auf der ruhigen Flussseite des Douro. Als Anabela mich hier empfängt, stellt sie mir als erstes ein Getränk vor, in das ich seither verliebt bin: einen Porto Tonic – (meist) weißer Portwein trifft auf eiskaltes Tonic Water. Ein wunderbarer, erfrischender Aperitif, den man glücklicherweise in der ganzen Stadt finden kann. Während im Inneren des Hauses die traditionelle Handwerkskunst der portugiesischen Keramik gefeiert wird, ist der von Jesús gestaltete, terrassierte Gartenhof mit seinen Orangen-, Mandarinen- und Lorbeerbäumen und dem kleinen Plunge-Pool eine Oase der Ruhe. Hier macht es zu jeder Tageszeit Spaß, sich aufzuhalten: Egal ob mit einem Buch auf der Liege, die Füße ins Becken haltend oder mit einem heißen Espresso am Tisch.
Ein perfektes Frühstückskonzept
Das durchdachte Frühstückskonzept ist perfekt für Unabhängige und funktioniert in beiden Häusern nach demselben, wunderbaren Prinzip: Bereits vor dem Check-in und jeden Tag diskret während der Zimmerreinigung wird der Kühlschrank im Apartment befüllt. Am Vortag wähle ich einfach aus, was ich für den nächsten Morgen noch brauche, wie frische Butter, Käse, Obst, Säfte oder selbstgebackenen Kuchen. Morgens bereite ich mir mein Frühstück in der eigenen Küche selbst zu und kann es nach Lust und Laune aufpeppen. Wer möchte, kann sich hier mittags und abends komplett selbst versorgen oder eben die kulinarische Vielfalt der Stadt erkunden. Die Ausgangslage ist dafür ideal, denn mein City Trip startet direkt vor der Tür: Ich kann ganz entspannt am Douro entlang spazieren oder über den nahegelegenen Park direkt in die lebendige Innenstadt gehen.
Mein Porto
Mein erster Kaffeestopp führt mich ins minimalistische, lichtdurchflutete Soma Porto Café, bevor ich mich für ein spätes Frühstück im wunderschönen Época niederlasse, ein wunderbar unaufgeregter Ort mit saisonalen, puristischen Gerichten. Gleich um die Ecke liegt auch das extrem angesagte, japanische Hype-Lokal Out To Lunch. Hier schaut man am besten mittags oder am frühen Nachmittag für fantastische, authentische Izakaya-Gerichte und feinen Sake vorbei. Frisch gestärkt lasse ich mich weitertreiben und erkunde das kreative Stadtviertel Cedofeita. Besonders rund um das stilvolle Rosa Et Al Townhouse mit seinem verträumten Gartencafé im Innenhof und den vielen kleinen inhabergeführten Concept Stores und Galerien in den Nachbarstraßen verliert man sich gern für ein paar Stunden.
Weitere Tipps:
Museu de Serralves: Das Museum für zeitgenössische Kunst wurde von Álvaro Siza entworfen und liegt mitten in einem riesigen, wunderschönen Park
Parque da Cidade: Größter Stadtpark des Landes
Strandbar iBar: Hier gibt es kühle Drinks und dazu ganz klassisch gesalzene Lupinen (tremoços) zum Snacken
Piscinas de Marés: Baden in Gezeitenbecken, die direkt in die rauen Granitfelsen am Meer gebaut sind
Abendessen im charmanten Provável: Es gibt leckere Shared-Plates
Akt II: Vintage-Charme und sanftes Erwachen in der Baixa (Lissabon)
Nach drei Stunden unkomplizierter Busfahrt öffnet sich der Vorhang für den zweiten Akt. Im historischen Gewusel der Hauptstadt befindet sich das Baixa House. Das wunderschöne Gebäude aus dem 18. Jahrhundert liegt direkt im Herzen der Baixa Pombalina, jenem eleganten Altstadtviertel, das nach dem großen Erdbeben von 1755 im strengen, neoklassizistischen Schachbrettmuster wiederaufgebaut wurde. Im Gegensatz zum luftig-modernen Stil in Porto ist das Baixa House eine Liebeserklärung an das Stöbern und Sammeln. Jesús hat die 13 Apartments jahrelang mit einzigartigen Vintage-Stücken, Antiquitäten und recycelten Möbeln aus Portugal und Spanien eingerichtet. Jede Wohnung ist einem anderen Garten Lissabons gewidmet und versprüht einen ganz individuellen, extravaganten Charme voller Erinnerungen. Das liebevolle Frühstücksprinzip aus Porto wird auch hier gelebt: Wenn ich morgens aufwache, hängt ein kleiner Leinenbeutel mit frischen Brötchen an der Türklinke. Ich koche mir einen portugiesischen Kaffee in der eigenen Küche, setze mich ans Fenster und schaue der Stadt beim Erwachen zu.
Mein Lissabon
Und dann ziehe ich selbst los und erkunde allerhand: Nur wenige Schritte entfernt, direkt um die Ecke, wartet bereits das Prado, ein Restaurant mit Farm-to-Table-Küche. Für entspannte, hippe Genussmomente zieht es mich in die zeitgeistige Bar Alimentar, das fantastische, ruhigere Gancho oder ins charmante Pomme Bistrô, während ich mir to-go den besten frisch gepressten Saft hier und da gönne, um letztlich einen hervorragenden Espresso im winzigen, minimalistischen Café Dramático hole. Wer auf der Suche nach langlebigen Klassikern ist, macht einen Abstecher zu ISTO. – hier gibt es nachhaltige, transparent produzierte Männermode in perfekter, skandinavisch-portugiesischer Ästhetik.
Weitere Tipps:
Jardim da Estrela: Für eine grüne Pause
Museu Calouste Gulbenkian: Tolle Kunstsammlung mit wunderschönem ästhetischen Park
LX Factory: vergessene Fabrikgelände, das kreativ wiederbelebt wurde: Restaurants, Cafés und vieles mehr …
MAAT: Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia
Praia de Carcavelos: breiter Strandabschnitt
Historisch reisen, ganz ohne Stress
Das vielleicht Schönste an der Handschrift von Jesús Moraime ist, wie mühelos man von beiden Häusern aus in das historische Leben der Städte eintauchen kann. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, dass ich aus den Fenstern beider Unterkünfte die ikonische, historische Straßenbahn vorbeigleiten sehen kann. Und das Beste daran: Man kann jeweils direkt um die Ecke einsteigen. Schneller, entspannter und charmanter kann man einen City Trip kaum starten. Die Erholung von den vielen gesammelten Schritte im Anschluss genießt man echt nicht besser als in hübschen Apartments wie diesen – und im Massarelos House natürlich auch im dazugehörigen Garten.
© Fotos: Cécile Meier
Cécile Meier
Cécile ist freie Autorin und Nachhaltigkeitsstrategin. Sie genießt das Reisen in vollen Zügen: Verschiedene Kulturen kennenzulernen, anderen Sprachen zu lauschen und dabei entweder am Meer oder in einer (Groß-)Stadt Neues zu entdecken, fasziniert sie immer wieder. Besonders liegen ihr die Geschichten und Intentionen der Good Travel Gastgeber:innen am Herzen.



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