Blog I Good Travel

Nachhaltige Mode aus Düsseldorf

Drei Menschen, drei Perspektiven: Wie Düsseldorf nachhaltige Mode neu denkt

Sponsered Content

Wer an Mode und Einkaufen in Düsseldorf denkt, denkt meist zuerst an die Königsallee: internationale Luxusmarken, glänzende Schaufenster und eine der bekanntesten Einkaufsstraßen Europas. Doch die Modestadt hat längst mehr zu bieten als die Kö. In Vierteln wie Unterbilk und Pempelfort, rund um Lorettostraße, Nordstraße oder Carlsplatz entstehen Kollektionen in Handarbeit, neue Ideen für bewussteren Konsum und Konzepte, die Mode persönlicher, langlebiger und individueller machen.

Hier arbeiten Menschen, die Nachhaltigkeit nicht als Verzicht verstehen, sondern als Einladung, Kleidung neu zu denken: Designerin Angelika Kauffmann entwirft handgefertigte Kollektionen mit hohem Wiedererkennungswert, Stylistin Uta Engbert von Slowsetter zeigt, welches Potenzial bereits im eigenen Kleiderschrank steckt, und Heiko Wunder von wunderwerk setzt sich seit Jahren für eine verantwortungsvollere Modebranche ein.

Drei Gespräche, drei Perspektiven und doch eine gemeinsame Erkenntnis: Nachhaltige Mode beginnt nicht erst beim Einkauf. Sie beginnt mit einer Haltung – und manchmal einfach mit dem Mut, Dinge anders zu machen.

Uta Engbert,
Gründerin Slowsetter

Porträt von Uta Engbert, Gründerin von Slowsetter, sitzend auf einem Stuhl vor beigem Hintergrund

Nachhaltigkeit und Stil müssen kein Widerspruch sein. Davon ist Uta Engbert überzeugt. Als sie vor einigen Jahren selbst nach Mode suchte, die ihrem Stil entsprach und gleichzeitig verantwortungsvoller produziert war, stellte sie fest: Das Angebot war überschaubar und oft von Klischees geprägt. Aus diesem persönlichen Bedürfnis entstand Slowsetter. Heute unterstützt sie Privatpersonen, Unternehmen und Marken dabei, bewusster mit Mode umzugehen, den eigenen Stil zu schärfen und vor allem den Blick auf das zu richten, was oft übersehen wird: den eigenen Kleiderschrank.

Du verbindest Stilberatung mit Nachhaltigkeit. Wie kam es dazu?

Mode war für mich schon immer ein Thema. Ursprünglich komme ich aus der Innenarchitektur und generell aus dem kreativen Bereich. Irgendwann habe ich gemerkt, dass sich meine Leidenschaft für Fashion perfekt mit dem Thema Nachhaltigkeit verbinden lässt. Damals habe ich für mich selbst nach Kleidung gesucht, die meinem Stil entspricht und gleichzeitig nachhaltiger produziert ist. Das war vor einigen Jahren allerdings gar nicht so einfach. Ich hatte keine Lust auf Öko-Klischees oder langweilige Mode. Ich wollte trendige Kleidung tragen, die trotzdem verantwortungsvoller produziert ist. Für mich hat sich beides nie ausgeschlossen.

Aus diesem eigenen Bedürfnis heraus ist letztlich auch meine Arbeit entstanden. Heute begleite ich Privatpersonen, Unternehmer oder Marken dabei, ihren Stil zu finden oder nachhaltiger zu gestalten. Die einen kommen zu mir, weil sie modischer werden möchten, die anderen, weil sie nachhaltiger konsumieren wollen. Im Idealfall entsteht daraus beides.

Wer Düsseldorf nachhaltiger entdecken möchte: Wo sollte er anfangen?

Ich würde empfehlen, sich nicht nur auf die Innenstadt oder die Königsallee zu konzentrieren. Rund um die Nordstraße oder in anderen Vierteln gibt es viele kleinere Geschäfte, die sich auf nachhaltigere Marken spezialisiert haben. Dort ist man für den Einstieg oft sehr gut aufgehoben.

Und selbst in größeren Häusern lohnt sich ein genauer Blick. Ich empfehle immer einen kleinen Schnellcheck: Nicht nur lesen, dass etwas recycelt ist, sondern schauen, ob erklärt wird, warum ein Produkt nachhaltiger sein soll. Wird transparent kommuniziert? Geht es um Umwelt, Menschen oder Tiere? Solche Informationen helfen bei der Einordnung.

Woran merkst du während eines Stylings, dass jemand seinen Stil wirklich gefunden hat?

Das passiert meistens schon während der Beratung. Wir probieren aus. Jemand sagt vielleicht: „Gelb steht mir nicht.“ Dann kombinieren wir Gelb mit einer anderen Farbe oder probieren einen ganz neuen Look. Wenn Menschen also plötzlich etwas anziehen, das sie sich vorher nie zugetraut hätten, und dann feststellen: „Moment, das gefällt mir ja“, ist das immer ein besonderer Moment. Oft entstehen dabei zehn oder zwölf Outfits aus Kleidung, die längst im Schrank hing. Das Wichtigste ist aber gar nicht die Anzahl der Outfits. Entscheidend ist, dass die Person sagt: „Darin fühle ich mich wohl.“

Besonders schön ist es, wenn sie sich später wieder melden und sagen: „Jetzt verstehe ich, was du gemeint hast.“ Viele glauben am Anfang, dass sie so etwas allein nicht können. Doch durch das gemeinsame Ausprobieren entwickeln sie Vertrauen in ihren eigenen Geschmack.

Das ist unglaublich selbstermächtigend. Und genau in diesem Moment merkt man es: Die Menschen fangen an zu strahlen.

Angelika Kauffmann,
Designerin & Gründerin

Modedesignerin Angelika Kauffmann sitzt lächelnd mit ihrem Hund Otte auf dem Schoß, sie trägt einen bunt gemusterten Blazer mit Puffärmeln

Puffärmel, feminine Silhouetten und handgefertigte Einzelstücke gehören längst zur Handschrift von Angelika Kauffmann.
In ihrem Düsseldorfer Atelier entstehen Kollektionen ihres gleichnamigen Labels, die historische Einflüsse in die Gegenwart übersetzen. Statt Trends hinterherzulaufen, setzt die Designerin auf Individualität, lokale Fertigung und Kleidung, die lange getragen werden möchte.

Für alle, die deine Marke noch nicht kennen: Wofür steht Angelika Kauffmann?

Mein Label besteht ausschließlich aus handgefertigten Stücken. Ich würde sagen, meine Mode ist sehr feminin. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass sie bequem ist. Man soll schick angezogen sein und sich trotzdem frei bewegen können.

Ich denke zum Beispiel an Wickelkleider oder elastische Elemente. Auch daran, dass man sich nach einem guten Essen noch wohlfühlt. Solche Dinge fließen immer in meine Entwürfe ein.

Produziert wird alles hier in Düsseldorf. Nachhaltigkeit bedeutet für mich aber auch, Materialien möglichst vollständig zu nutzen. Aus dem letzten Stoffrest entsteht vielleicht noch ein Kragen oder ein anderes Detail. Weggeworfen wird bei mir so gut wie nichts.
Meine Entwürfe haben außerdem einen hohen Wiedererkennungswert. Puffärmel oder bestimmte Schnitte tauchen immer wieder auf. Wer meine Mode kennt, erkennt sie meistens sofort.

Model in malvenfarbenem Kleid mit Puffärmeln aus Organza und goldenen Knöpfen, Design von Angelika Kauffmann
Model auf dem Laufsteg in weißem Kleid mit Puffärmeln und transparentem Schleier, Kollektion von Angelika Kauffmann

Alle deine Kollektionen entstehen in Düsseldorf. Welche Rolle spielt die Stadt für dein Label – und wohin soll die Reise künftig gehen?

Kreativ inspiriert mich Düsseldorf tatsächlich gar nicht. (lacht) Meine Inspiration kommt woanders her, aber manchmal sehe ich auch jemanden auf der Straße und denke: Wow, das sieht großartig aus. Aber das hängt nicht an einem bestimmten Ort.

Trotzdem ist Düsseldorf genau der richtige Ort für mein Label. Besonders gerne bin ich rund um die Lorettostraße oder den Carlsplatz unterwegs. Ich mag die kleineren Geschäfte, die Atmosphäre und die Menschen. Gerade in der Modeszene habe ich viele erlebt, die sich gegenseitig unterstützen und verstehen, dass Vernetzung allen hilft.

Heiko Wunder –
wunderwerk

Schwarz-weiß-Porträt von Heiko Wunder, Gründer der Modemarke wunderwerk

Heiko Wunder gehört zu den Düsseldorfer Modeunternehmern, die Nachhaltigkeit nicht erst entdeckt haben, als sie zum Branchenthema wurde. Mit wunderwerk gründete er 2012 eine Marke, bei der verantwortungsvollere Produktion von Beginn an Teil des Geschäftsmodells sein sollte – ohne deshalb auf modischen Anspruch zu verzichten. Düsseldorf ist dabei nicht nur Unternehmensstandort, sondern auch Heimat: Wunder wurde hier geboren, seine Großeltern lebten mehr als 50 Jahre auf der Lorettostraße. Heute erlebt er die Stadt noch einmal neu – als Modestandort, kreativen Kiez und Ausgangspunkt für die Frage, wie glaubwürdige Nachhaltigkeit in einer schwierigen Branche funktionieren kann.

Heiko, wofür steht wunderwerk heute – und was war dir von Anfang an wichtig?

Eigentlich hat sich daran seit unserer Gründung gar nicht so viel verändert. Wir sind als Modemarke gestartet. Heute gibt es viele nachhaltige Marken, die tolle Mode machen, bei der man diesen klassischen ‚Öko-Faktor‘ überhaupt nicht mehr sieht. Damals war das noch schwieriger, aber genau das war von Anfang an unser Ansatz: Zeitgemäße Mode in einer tollen Qualität zu machen, in der sich die Menschen gut fühlen und die trotzdem bezahlbar ist. Nachhaltigkeit haben wir als selbstverständlich vorgelebt.- nach dem Motto „Nachhaltig sind wir sowieso.“ Wir wollten Nachhaltigkeit nicht unbedingt in den Vordergrund bringen. Aus Marketingsicht war das vielleicht ein bisschen doof. Andererseits haben wir dadurch im Wholesale auch Kunden erreicht, die wir mit einem klassischen Nachhaltigkeitsauftritt wahrscheinlich nie bekommen hätten. Wir sehen uns deshalb bis heute als Modemarke, die für Zeitgeist steht. Keine Trendsetter, aber am Puls der Zeit. Gleichzeitig denken wir natürlich an die Wertschöpfungskette und die Menschen, die daran beteiligt sind.

Düsseldorf wird als Modestadt vor allem mit Luxus und der Kö verbunden. Warum ist die Stadt trotzdem ein guter Standort für eine Marke wie wunderwerk?

Die Menschen fahren gezielt zum Einkaufen hierher. Das halbe Ruhrgebiet kommt nach Düsseldorf. Dazu kommen viele Veranstaltungen und Gastronomie-Angebote. Das macht die Stadt unglaublich attraktiv.

Gleichzeitig sehen wir gerade, dass viele Menschen gerade bei Schuhen und Kleidung tatsächlich verzichten. Interessant ist, dass andere Dinge massiv teurer geworden sind und diese Preissteigerungen akzeptiert werden. Kleidung ist längst nicht im gleichen Maße teurer geworden. Wir haben unsere Preise beispielsweise in fünf Jahren vielleicht um fünf Prozent erhöht. Aber irgendwann ist nun mal für uns eine Grenze erreicht. Eine Hose für 149 Euro kann man schlecht noch teurer machen. Da gehen Menschen irgendwann nicht mehr mit.

Du bist in Düsseldorf geboren und inzwischen wieder in Friedrichstadt beziehungsweise Unterbilk zu Hause. Wo zeigt die Stadt für dich ihre spannendere Seite jenseits der Kö?

Meine Großeltern haben mehr als 50 Jahre auf der Lorettostraße gewohnt. Ich bin in der Gegend also mehr oder weniger mit aufgewachsen. Seit ich wieder hier wohne, entdecke ich das Viertel noch einmal ganz neu.

Die Lorettostraße, die Brunnenstraße, die Bilker Allee oder die Gegend rund um die Aachener Straße finde ich unglaublich spannend. Gerade die Brunnenstraße zeigt, wie positiv sich ein Viertel verändern kann. Erst sind die Mieten vergleichsweise günstig, kreative Menschen kommen, eröffnen besondere Orte und plötzlich beginnt ein ganzes Viertel zu leben.

Als Düsseldorfer fährt man manchmal nach Hamburg oder in andere Städte und denkt: „Boah, ist das alles toll.“ Dabei übersieht man, was direkt vor der eigenen Haustür passiert.

Nahaufnahme des wunderwerk-Labels und Knopfdetails an einer Jeans
Innenansicht des wunderwerk-Ladenlokals mit Jeans-Regalen, Kleidung und Logo-Schild Bildunterschrift: Der wunderwerk-Store in Düsseldorf zeigt die Kollektion der Modemarke vor Ort.

Nutzer können Routen in der COSH!-App finden!

Ein Interview mit Niki de Schryver von COSH! findet ihr hier.

©Fotos: Uta Slowsetter: Der Schempershofe; Angelika Kauffmann: Portrait: Sabrina Weniger, Model Johann Lütje und  anuarhammophotography, posh foto; wunderwerk: wunderwerk

KOMMENTAR

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert