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Luxus auf See

INA WO(A)NDERS: Luxus auf See mal anders gedacht

Unsere Autorin Ina lebt seit vielen Jahren auf einem Segelboot – und weiß, wie dieser Alltag jenseits der Hochglanzmagazine aussieht. In dieser Kolumne erzählt sie, warum auf See plötzlich das Selbstverständliche besonders wird.

Neulich fand mein Instagram-Algorithmus, es sei an der Zeit, mir beim Doomscrolling einen Trip auf einer Luxusyacht ans Herz zu legen. Ich konnte nicht anders, als innezuhalten, und mich einen Moment lang dieser Vision hinzugeben. Ein Aperol Spritz im Cockpit bei Sonnenuntergang. Luftige, weiße Leinenkleidung, teurer Schmuck, dezentes Make-Up und eine perfekt sitzende Frisur, die souverän der Meeresbrise trotzt. Ein liebevoll gedecktes Frühstück auf dem Vordeck. Im nächsten Moment werden die Segel gesetzt, der Himmel ist tiefblau, das Meer spiegelglatt, der Alltag weit weg.

Fünf andere Luxus-Momente

Ich musste schmunzeln. Denn zwischen diesen Bildern und meinem Alltag liegen Welten. Klar: es gibt sie, die lauen Abende mit einem Drink im Cockpit, wenn die Sonne langsam im Meer versinkt. Die einsamen, zauberhaften Buchten, die nur mit dem Boot erreichbar sind. Es gibt Delfine, die übermutig aus der Bugwelle springen und einen mit purer Lebensfreude besprenkeln. Aber all diese Bilder erzählen weder die ganze Geschichte, noch, warum sich manches an Bord so viel besonderer anfühlt als an Land. Ich habe fünf Momente mitgebracht, die zeigen, wie sich meine Wahrnehmung von Luxus in den letzten Jahren verändert hat. Denn für mich ist Luxus inzwischen…

1. Ankommen: Wenn endlich Ruhe einkehrt

Nach einer anstrengenden Überfahrt ist der größte Luxus nicht der Sonnenuntergang im Cockpit. Es ist der Moment, in dem die Wellen nachlassen, der Anker endlich hält, das Boot zur Ruhe kommt und der Motor ausgeschaltet wird. Nichts fliegt mehr durch die Gegend. Tassen und Teller können – ganz unbeobachtet – einfach auf dem Tisch stehen bleiben. Kochen fühlt sich nicht länger wie eine Yogaübung an, bei der man sich gleichzeitig festhalten und den Topf im Gleichgewicht halten muss. Wenn man tagelang mit dem Meer getanzt hat, ist Stillstand Luxus pur.

2. Unterwegs: Wenn Warten belohnt wird

Segeln bedeutet oft vor allem eines: warten. Darauf, dass ein Sturm endlich vorbeizieht. Oder auf den Moment, wenn der erste Windhauch das Ende einer Flaute verkündet. Während ich an Land feste Pläne und Termine schmiede, muss ich auf See Puffer einplanen, die jenseits meiner Kontrolle liegen. Und genau deshalb kribbelt es so schön, wenn’s endlich losgeht.

Regentage auf dem Segelboot
Sonnenuntergang auf dem Boot

3. Reparaturen: Wenn endlich alles wieder läuft

Auf einem Boot geht ständig was kaputt. Mal ist es nur eine Kleinigkeit, mal eine Reparatur, die einen wochenlang auf Trapp hält. Und ja: das ist immer ärgerlich – und meistens auch teuer. Aber wenn immer alles funktionieren würde, hätte ich so manch kleinen Glücksmoment nie als solchen erlebt – zum Beispiel, wenn die Toilette endlich wieder funktioniert.

Segelboot reparieren

4. Essen: Wenn frisches Gemüse zum Highlight wird

An Land war der Wocheneinkauf für mich lange etwas, das möglichst schnell erledigt sein sollte. Heute kann ich es kaum erwarten, nach einer längeren Überfahrt durch eine Obst- und Gemüseabteilung zu schlendern. Denn nach Tagen oder gar Wochen ohne frische Lebensmittel werden ein knackiger Salat oder ein saftiger Apfel plötzlich zu etwas Besonderem. Natürlich ist der Einkaufsweg oft anstrengend und langwierig: Erst mit dem Dinghy an Land, dann zu Fuß mehrere Kilometer bis zum nächsten Supermarkt und schließlich alles wieder zurückschleppen – möglichst ohne, dass unterwegs etwas über Bord geht. Ist es die Mühe wert? Ja, jedes einzelne Mal.

5. Strom: Wenn die Sonne genug Energie schenkt

Nach mehreren bewölkten Tagen wird der Blick auf den Batteriemonitor zur Gewohnheit. Reicht der Strom noch für den Laptop? Müssen wir heute sparsamer sein? Und dann kommt endlich die Sonne zurück und füllt – ganz kostenlos – die Batterien wieder auf. Wer weiß, vielleicht reicht es ja sogar für den Warmwasserboiler? Kleine Highlights machen an Bord den Unterschied.

Im Gegensatz zu dem, was Hochglanzmagazine und Werbespots zeigen, ist das Besondere am Bootsleben für mich, dass nicht immer alles wie am Schnürchen läuft. Dieses Leben wirft einen immer wieder auf das Wesentliche zurück – und dann reichen plötzlich ein bisschen Ruhe, ein kleiner Windhauch oder ein saftiger Apfel, um sich einen Moment lang unglaublich reich zu fühlen.

Hier geht es zu Inas Kolumne.

© Fotos: Ina Hiester

 

Ina ist digitale Nomadin und reist zu Wasser und zu Lande durch Europa. Dabei hält die Journalistin stets Ausschau nach besonderen Orten für Good Travel, philosophiert in ihrer Kolumne über das Reisen, fotografiert, musiziert und schreibt Artikel zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen aller Art.

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