5 Orte von Künstler:innen gestaltet
Unterkünfte prägen, wie wir reisen. Sie bestimmen, wie wir ankommen, wie wir einen Ort wahrnehmen und oft auch, wie lange ein Eindruck bleibt. Besonders spürbar wird das an Orten, die nicht nur geplant, sondern gestaltet wurden – zum Beispiel von Künstler:innen, die ihre Ideen in Räume übersetzt haben.
Diese Unterkünfte sind persönlich, manchmal eigenwillig und immer Ausdruck einer kreativen Vision. Wir stellen euch daher fünf Orte vor, die von Künstler*innen gestaltet wurden und die euch mit ihrer individuellen Machart sicher beeindrucken.
Hotel Altstadt Vienna
Mitten im kreativen 7. Bezirk Wiens liegt ein Hotel, das Kunst und Gastfreundschaft miteinander verknüpft: Das Hotel Altstadt Vienna. Hier erzählt jedes Zimmer seine eigene Geschichte, jede Ecke ist persönlich gestaltet und zwischen den Salons und Suiten spürt man die Handschrift der Künstler*innen und Designer*innen, die hier gearbeitet haben. Das historische Patrizierhaus von 1902 beherbergt zudem Privatwohnungen, sodass Gäste Tür an Tür mit Wiener*innen wohnen. Seit über 30 Jahren wird das Hotel familiengeführt und diese persönliche Atmosphäre prägt den Alltag: Gäste werden herzlich empfangen, können nachmittags hausgemachten Kuchen im Roten Salon genießen oder an Yogakursen auf der Rooftop-Terrasse teilnehmen. Im Altstadt Vienna spürt man zudem nicht nur die Kunst, sondern auch die Verantwortung für Umwelt und nachhaltiges Handeln: Strom kommt aus erneuerbaren Quellen, Wasser- und Energieverbrauch werden reduziert, Frühstück und Bar bieten regionale, saisonale und biologische Produkte und das Team wird fair gefördert, ausgebildet und in soziale Projekte eingebunden.
Mehr Information zur Unterkunft gibt’s hier.
Madonnella Agricola
Morgens weckt der Hahn, der Blick aus dem Fenster fällt auf grüne Hügel, blühende Sträucher und die weite, offene Landschaft. Wer im Madonenella Agricola ankommt, spürt sofort die Ruhe, die Mariangela und Giulio hier geschaffen haben. Giulio ist Künstler mit großer Fantasie und einem Gespür für Farben, und Mariangela hat seit jeher eine Leidenschaft für gutes Essen und das Bewirten von Freunden. Das kleine Agriturismo vor den Toren Roms ist ihr Traum: ein Ort, an dem Kunst, Natur und das Leben auf dem Land zusammenkommen. Das Anwesen, ursprünglich von einem adeligen Künstler gestaltet, wurde von den beiden weiterentwickelt. Jedes Zimmer erzählt mit Gemälden, persönlichen Gegenständen und natürlichen Materialien wie Holz, Lehm und Kalk von ihrer Vision. Kulinarisch geht es hier genauso bewusst zu: Obst, Gemüse und Eier stammen aus eigenem Anbau, Brot und Marmeladen werden selbst hergestellt, der Rest kommt von lokalen Produzent*innen. Madonnella Agricola ist ein Rückzugsort für alle, die entschleunigen, kreativ werden oder einfach die Verbindung zu Natur und nachhaltigem Leben spüren wollen. Workshops, Pool und Hot Tub runden das Angebot ab.
Creative Workshpos findet ihr hier.
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Meisterzimmer
Mitten auf dem Gelände der legendären Baumwollspinnerei Leipzig liegt ein Ort, der wie kaum ein anderer zeigt, was künstlerische Transformation bedeuten kann. Wo einst industrielle Gründer-Euphorie herrschte, arbeiten heute über 120 Künstler*innen, fast alle Leipziger Galerien haben hier ihren Sitz. Werkstätten, Theater, Programmkino, Läden, Restaurants und ein großer Garten machen das Areal zu einem vibrierenden Mikrokosmos zwischen Kunst, Alltag und Utopie.
Das Meisterzimmer selbst erzählt diese Geschichte auf besonders sinnliche Weise: Einer der ersten nachindustriell genutzten Räume verwandelte sich vom Damenwaschraum zum Atelier und schließlich zum Gästeapartment. Sieben originale Waschbecken, alte Spinde und frühe künstlerische Eingriffe sind bis heute sichtbar – Spuren einer neuen Gründerstimmung, die zum Lesen in der Sonne, zu Yoga, zum Träumen oder Arbeiten einlädt. Es gibt vier Wohnungen unterschiedlicher Größe und Stil, für bis zu 8 Personen.
Während des Lockdowns ging das Meisterzimmer noch einen Schritt weiter: Kunstschaffende wurden eingeladen, hier zu leben und zu arbeiten – bezahlt wurde die Übernachtung mit neu entstandener Kunst. Die vier loftartigen Apartments mit hohen Decken, riesigen Fabrikfenstern, Küchen und Bädern bieten Freiraum und Rückzug zugleich. Für Pausen lockt nebenan das Café Mule mit Handwerksbäckerei und Garten.
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Saveriako Farm Stay
Hoch oben in den Bergen von Agia Pelagia, eingebettet in einen stillen Olivenhain, liegt ein Ort, an dem Kunst, Nachhaltigkeit und mediterrane Lebensfreude ganz selbstverständlich zusammenfinden. Von den Veranden der Apartments von Saveriako und Lidian schweift der Blick über Blumen, Kräuter und Olivenbäume bis hin zum tiefblauen Ägäischen Meer, das am Horizont mit dem Himmel verschmilzt.
Der gebürtige Italiener Saveriako, Weltenbummler und gelernter Koch, machte den ehemaligen Bauernhof ab 2005 Schritt für Schritt zu einem kreativen Rückzugsort. Die Apartments sind vollständig aus recycelten Materialien gestaltet – inspiriert von Fundstücken, die andernorts als Müll gelten würden. Besonders großzügig ist das lichtdurchflutete Atelier mit 75 Quadratmetern, ideal für Freundesgruppen oder Familien. Hängematten im Olivengarten, Frühstück auf der Sonnenterrasse und Grillabende mit regionalen Produkten gehören hier zum Alltag.
Künstlerisch geprägt ist auch die Einrichtung: Die niederländische Künstlerin und Designerin Lidian verantwortet den modernen, „easychicen“ Stil der Agia Ateliers. Handgefertigte Objekte, Vintage-Stücke aus alten kretischen Häusern, gemalte Teppichmuster auf Betonboden und Lampen aus gesammelten PET-Deckeln erzählen von Kreativität mit Haltung. Ergänzt wird der Aufenthalt durch Saveriakos Bistro, italienischen Mokka, Kochkurse und Olivenölverkostungen – ein Ort, der zeigt, wie entschleunigter Urlaub und künstlerisches Gestalten ineinandergreifen.
San Martino
Kurz vor den Mauern von Montepulciano, an einem Ort, der im Mittelalter als Aussichtspunkt diente, liegt heute das kleine Agriturismo San Martino, das Ruhe, Weite und kreative Inspiration vereint. Der Blick über die sanften Hügel der südlichen Toskana ist spektakulär – und bis heute das Herzstück dieses besonderen Rückzugsortes.
Die Gastgeber haben das Anwesen vor rund sechzehn Jahren übernommen und mit großer Sorgfalt in eine Oase verwandelt. In jeder Ecke der Fattoria küsst einen die Muse und spiegelt den Frohsinn von Karin wider. Viele der Textilien, Dekorationselemente, Recyclingobjekte und Drucke stammen direkt aus ihrer eigenen kreativen Arbeit.
In der Küche werdenvegetarische und vegane Gerichte auf höchstem Niveau gezaubert. Alles wirkt durchdacht und authentisch.
Der weitläufige Garten mit Blumen, alten Bäumen und einem Schwimmteich voller Seerosen – fast wie aus einem Monet-Gemälde – lädt zum Verweilen, Lesen, Meditieren ein. Wer kreativ arbeiten möchte, findet in den „Creativity Labs“ Raum dafür: von Upcycling-Workshops über experimentelles Zeichnen bis hin zu meditativer Arbeit mit Ton. Abends wird bei Kerzenlicht gegessen, begleitet vom Duft der Blumen und dem Leuchten der Glühwürmchen. Ein Ort zum Austauschen und Gestalten.
Creative Workshops findet ihr hier.
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© Fotos: Hotel Altstadt Vienna / Marisa Vranjes, Madonenella Agricola, Meiseterzimmer / Manfred Muelhaupt; Saveriako Farm Stay, Nick Putzmann, Fattoria san Martino / Nadja Hudovernik
Nadine Pinezits
Nadine ist freiberufliche Redakteurin und Texterin. Sie lebt in Österreich und pendelt zwischen Salzburg und Wien. Sie ist somit entweder in den Bergen oder im Großstadtdschungel unterwegs, versucht aber gleichzeitig, so viel Zeit wie möglich in ihrem Herzensland Portugal zu verbringen.



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