Reisen für Familien

Reisen mit Kindern

Ein Gastbeitrag von Uli Morant:

Mit Familie eine Urlaubsreise zu machen, ist oft eine Herausforderung. Alle Wünsche unter einen Hut zu bekommen, kann in Stress ausarten. Hier sind zehn Tipps, wie ein Ferientrip mit Kindern entspannt bleibt – von Anfang bis Ende.

1. Wo wollen wir hin?

Mit dieser Frage klären sich meist schon viele andere. Europa oder Fernziel, Rundreise oder eine Einzeldestination, Berge oder Meer, Stadttrip oder Natur, Action oder Erholung ...? Es macht natürlich einen Unterschied, ob man mit kleinen Kindern reist oder mit Schulkindern – allein schon wegen der Urlaubszeit. Solange die Kinder noch nicht zur Schule gehen und man flexibel auf die Nebensaison ausweichen kann, lohnt es sich Lieblings- und Fernziele anzusteuern, die in der Hauptsaison teuer oder schlicht überbucht sind.

2. Was brauchen wir vor Ort?

Kinderbetreuung, Freizeitangebot, Einkaufsmöglichkeiten, Sportgelegenheiten, Restaurants, Sehenswürdigkeiten... Eine kleine Vorrecherche über die Gegebenheiten vor Ort erspart Enttäuschungen. In den letzten Jahren ist auch Sicherheit zu einem wichtigen Thema bei Familienreisen geworden. Wer sich über die aktuelle politische Lage in einem Land informieren möchte, kann vor der Buchung die Reisewarnungen und –empfehlungen auf den Seiten des Auswärtigen Amts checken. Bei Fernreisen sollte außerdem auch der Impfschutz der ganzen Familie noch einmal vorab überprüft werden: Sind zusätzliche Impfungen nötig? Auch die ökologischen Gegebenheiten sollten bei der Auswahl des Reiseziels mit bedacht werden. Natürlich möchte man als Urlauber und Gast in dem bereisten Land einen möglichst kleinen ökologischen „Fußabdruck“ hinterlassen. Zum anderen hat es aber auch rein pragmatische Gründe, denn es trübt die Sorglosigkeit in den „schönsten Wochen des Jahres“ maßgeblich ein, wenn zum Beispiel das Wasser täglich einige Stunden abgestellt wird, weil im ganzen Land Wasserknappheit herrscht.

3. Wie wollen wir im Urlaub wohnen?

Die Unterkunft in den Ferien trägt maßgeblich zum Erholungswert bei, schließlich soll es ein kleines Zuhause auf Zeit sein. Was also könnte zur Familie passen? Eine gemütliche Pension, das volle Verwöhnprogramm in einem schönen Hotel oder doch lieber eine Ferienwohnung, die mehr Unabhängigkeit garantiert?

Auch bei der Unterkunft lässt sich ein guter Mix finden, der alle Familienmitglieder zufrieden stellt. Vielleicht gibt es erst einen kleinen Abenteueraufenthalt in einem Baumhaus, einer Jurte, auf einem Bauernhof oder in einem Glamping-Zelt, wie die Kinder es sich schon lange wünschen. Damit auch die Eltern ihr Wohlfühl- und Entspannungskonto optimal auffrischen können, werden anschließend noch ein paar Übernachtungen in einem netten Hotel mit Spa-Bereich, Sportangebot und leckerer Gastronomie oder vielleicht in einer gut ausgestatteten Ferienwohnung gebucht.

4. Was wünschen sich die Kinder im Urlaub?

Kinder sind „Gewohnheitstiere“. Haben sie einmal ein Urlaubsziel gefunden das ihnen gefällt, wollen sie am liebsten immer wieder dahin zurück. Dieselbe Familien-Urlaubsdestination zu wählen, mit der auch die Eltern glücklich sind, kann auch Vorteile haben. Man kennt alles, man weiß worauf man sich einlässt und der Urlaub kann praktisch mit Tag eins beginnen.

Will man den Nachwuchs für ein neues Ziel begeistern, setzt man am besten auf die kindliche Abenteuerlust. Könnt ihr das Land in das wir reisen auf der Karte finden? Wo liegt es genau? Welche Sprache spricht man vor Ort? Welche Besonderheiten gibt es? Was kann man dort alles machen? Höhlen besichtigen, Raftingtouren auf Flüssen machen, mit dem Kajak im See paddeln, alte Burgruinen erkunden ...? Je bunter die Schilderung und je mehr die Kinder mit in das große Reiseabenteuer einbezogen werden, umso größer ist die Begeisterung für das gemeinsame Erlebnis.

5. Wie können wir die Zeit am besten nutzen?

Wer eine längere Reise plant, wird sowieso verschiedene Ziele ansteuern um möglichst viel von Land und Leuten kennen zu lernen. Doch auch bei einem zweiwöchigen Urlaub kann es sich lohnen über eine „Destinationskombi“ nachzudenken. Erst Strand (vielleicht in der Toskana), dann Berge (in Südtirol). Oder Stadt (Lissabon) und anschließend Natur (Algarve). Wer zur Bretagne will kann zum Beispiel mit dem Zug über Paris fahren, dort einige Tage Sightseeing machen und danach die vierstündige Weiterreise per Schnellzug (TGV) ans Meer nach Quimper antreten. Der Vorteil bei einem Szenewechsel ist, dass einem die Urlaubszeit viel länger vorkommt, weil es so viele unterschiedliche Eindrücke gibt.

Ein Strandspaziergang mit den Kleinen

6. Wie lange im voraus sollen wir planen?

Ja, die Spontaneität leidet etwas wenn man mit Kindern reist. Besonders in Ferienmonaten wie Juli und August ist eine lange Vorausplanung nötig, wenn man die schönste Pension, das schönste Ferienhaus, das schönste Hotel haben will. Auch bei einer Rundreise sorgt es für Entspannung, die Unterkünfte an den einzelnen Zwischenstopps schon im Voraus zu buchen. Nichts ist schlimmer als mit hungrigen, müden Kindern im Schlepptau an der Rezeption abgewiesen zu werden, weil bereits alles ausgebucht ist.

7. Was soll alles mit?

Windeln und Sonnencreme bekommt man mittlerweile an den entlegensten Orten der Welt. Doch einige Sachen sollten in jedem Fall mit ins Gepäck. Packlisten können den Organisationsstress im Vorfeld erheblich reduzieren. Unbedingt auch an eine kindgerechte Reiseapotheke denken.

Jedes Kind darf seine ganz persönlichen Lieblingssachen in eine kleine Tasche oder einen Rucksack packen. Stofftier, Schnuffeltuch, Hörspiele, Malbücher, Stifte ... Mit einigen vertrauten Dingen leben sich die Kinder schneller in ihrer Ferienbleibe ein. Ein paar zusätzliche Spiele, Bücher, Comics etc. sorgen außerdem für Unterhaltung, sollte das Wetter doch einmal nicht mitspielen.

8. Was wollen wir erleben?

Gerade der Urlaub ist die beste Zeit als Familie Neues auszuprobieren und kleine Abenteuer zu wagen. Warum nicht zusammen mit Sohn oder Tochter einen Kurs in Stand-up-Paddeling, Reiten oder Tennis belegen? Gemeinsame Aktionen geben viel Raum für unvergessliche Erinnerungen und schweißen die Familie zusammen. In Frage kommt alles, was Spaß macht, von einer Wanderung mit Lamas, dem ersten Mal Wellenreiten, bis hin zu einem Kletter-Schnupperkurs oder einer Übernachtung im Freien unterm Sternenhimmel.

9. Wie bringen wir Kinder und Kultur unter einen Hut?

„Nicht schon wieder Sightseeing!“ – Ein Spruch den Eltern von ihren kleinen Mitreisenden immer wieder laut vorgetragen bekommen. Die Kinder in den Tagesplan mit einzubeziehen, nach dem Prinzip „Jeder darf einmal bestimmen“, ist die beste Methode um dem Genörgel vorzubeugen. Und natürlich ist Ausgewogenheit in der täglichen Urlaubsplanung wichtig. Wer den halben Tag brav Kirchen und Museen besichtigt hat, darf nachmittags mit einem ausgiebigen Bad in Pool oder Meer „belohnt“ werden. Das gilt aber auch andersrum: Wenn Eltern sich tapfer stundenlang durch einen Freizeitpark gekämpft haben, dürfen sie vom Nachwuchs auch eine kleine Auszeit verlangen.

10. Wie hält das Urlaubsgefühl möglichst lange an?

Die positive Stimmung und das Wohlgefühl nach dem Urlaub möchte man am liebsten so lange wie möglich für sich und die Familie bewahren. Daher lohnt es sich, auch zuhause noch ein oder zwei Tage zusätzlich frei zu haben und nicht gleich wieder in den normalen Alltagstrott zu verfallen. Fotobücher sind eine wunderbare Möglichkeit die gemeinsamen Momente der Ferien wieder aufleben zu lassen und sie in Erinnerung zu behalten. Außerdem: Nach der Reise ist vor der Reise. Wissenschaftler haben heraus gefunden, dass die Vorfreude auf den Urlaub das persönliche Wohlgefühl positiv beeinflusst. Es ist also nie zu früh, die nächsten Ferien zu planen.

Uli Morant

 

Uli Morant ist Chefredakteurin von Luna, dem ersten Mode- und Lifestylemagazin für die Familie. Im Heft und online auf lunamag.de findet ihr regelmässig Tipps zu Reisen mit Kindern.

Photocredits: Steffen Jänicke

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