Ferien mal anders: 5 Schulen zum Übernachten
School´s out for summer – so heißt der Klassiker von Rocklegende Alice Cooper. Die großen Ferien stehen deutschlandweit vor der Tür und sorgen für gespannte Vorfreude. Wir haben fünf Unterkünfte in ehemaligen Schulen zusammengestellt – so fühlen sich die Ferien gleich doppelt cool an. Warum gerade Schulen sich als Unterkünfte anbieten, liegt daran, dass sie in kleineren Orten oftmals länger leer stehen, zentral liegen und die Schularchitektur oft über einen einladenden Eingangsbereich, hohe Decken und große Fenster verfügt.
La Scuola Guesthouse: In Venetien die Schulglocke verschlafen
Zwischen dem Gardasee und Venedig liegt dieses bezaubernde Bed & Breakfast La Scuola Guesthouse in der hügeligen Landschaft Venetiens in der Nähe des Asiago Plateaus. Die ehemalige Schule aus den 1920er Jahren haben Valeria und Marco 2012 komplett renoviert. Die einzigartige Atmosphäre weckt bei vielen Gästen Erinnerungen an die Schulzeit – fast wie ein Zeitreise. Die Einrichtung mit authentischen Schulmöbeln, Tafeln, Vogel- und Pflanzen-Bestimmungskarten, historischen Sportgeräten und Schulbüchern ist magisch. Und die schwarz-weißen Fotos ehemaliger Schulklassen beflügeln die Phantasie, wie es hier wohl früher war, zur Schule zu gehen.
Die fünf Zimmer wurden passenderweise nach Schulfächern benannt und sind sehr geschmackvoll und ebenfalls etwas nostalgisch und gemütlich eingerichtet. Alle Zimmer haben zudem einen Blick auf den Garten und den ehemaligen Schulhof, den schönen kleinen Glockenturm und die saftig-grünen Hügel. Morgens gibt es ein herrliches Frühstück in einem der beiden ehemaligen Klassenzimmer. Hier fühlt sich jeder Tag wie ein verlängertes Sommerferien Gefühl an – ganz ohne Stundenplan, aber mit umso mehr italienischer Leichtigkeit.
The Betterheim: Schleswig-Holsteins Geschichte schnuppern
Im reetgedeckten Backsteinhaus The Betterheim aus dem Jahre 1840 sind nach der Kernsanierung vier großzügige Ferienwohnungen mit wunderschönem und gleichzeitig nachhaltigem Interior entstanden. Frede ist von Hause aus Innenarchitektin und Stylistin und hat die Wohnungen modern, stilvoll und gemütlich eingerichtet und dabei den alten Charme des Gebäudes erhalten. Die sanierte Fachwerkstruktur passt zu den Möbeln aus Rattan und Wiener Geflecht, zellige Kacheln im Bad in rosa oder salbeigrün sorgen für stylische Akzente, schöne Boho-Decken, Kissen und passende Deko-Objekte runden das Konzept ab.
Eigentlich will man sofort alles mitnehmen und sich zu Hause genauso einrichten. Und das geht auch – Frede verkauft die Accessoires und Möbel der niederländischen Trendmarke HKliving an interessierte Gäste. Dazu gibt es gratis Tipps für gute Einkaufsmöglichkeiten von den lieben Gastgebern. Drum herum gibt es vor allem Natur pur zum Abschalten und Entspannen – wer zur Abwechslung etwas Stadtluft schnuppern möchte, der ist schnell in Lübeck oder Schwerin. Ach, wären doch immer Ferien…
Tetenbüllerbü immer schulfrei: Nomen est omen in Tetenbüll
Das Haus des Tetenbüllerbü – immer schulfrei! wurde 1870 als Schulgebäude errichtet und sollte durch seine moderne Bauweise damals den Aufbruch symbolisieren. Es ist seit über 50 Jahren im Besitz der Familie Colmant und wurde vor wenigen Jahren kernsaniert. Das lichtdurchflutete Gebäude mit zwei Schlafzimmern und einem geräumigen Wohnzimmer bietet viel Platz zum Durchatmen. Das elegante Eichenparkett, die Pflanzen und die hellen Stoffe verleihen den Räumen eine stilvolle Gemütlichkeit. Besonders nett sind die kleinen Reminiszenzen an die ehemalige Nutzung – große Landkarten und Schautafeln aus dem Schulbetrieb.
Die herrliche Ruhe gab es aber sicher früher nicht, als die Kinder in den Pausen spielten und die Schulglocke läutete. Ein Garten mit altem Baumbestand umgarnt das schöne Ziegelgebäude aus dem vorletzten Jahrhundert. Die Region besticht durch ihre herrliche Natur und die frische Luft, die einen abends herrlich müde in die gemütlichen Betten fallen lässt. Besser kann sich „schulfrei“ eigentlich nicht anfühlen.
rosa und blau am See: Kunstunterricht in Kärnten
Gastgeber Ilona und Gerhard Filzwieser vom Rosa und Blau am See haben das alte Pfarrhaus von 1820 liebevoll renoviert. Eine kleine Kirche aus dem sechzehnten Jahrhundert und die als Atelier genutzte ehemalige Schule ergänzen das Ensemble. Mit viel Kreativität wurde aus dem historischen Gemäuer ein farbenfroher Urlaubsort. Eine nostalgische Schreibmaschine, ein Retro-Plattenspieler, originelle Lampen und jede Menge Kunst an den bunt gestalteten Wänden setzen Akzente als reizvoller Kontrast zum satten Grün der Natur. Der wunderschöne Garten mit kleinen Wohnzimmer-Gewächshaus bietet ausreichend Platz zum Lesen, Spielen oder Sterne gucken.
Der Wohnbereich ist für 8-10 Gäste ausgelegt – ideal für eine Gruppe von Freunden oder eine große Familie. Im Erdgeschoss gibt es die Gemeinschaftszimmer wie die hochwertig ausgestattete Küche, das Esszimmer und ein kleines Schlafzimmer. Im Obergeschoß sind drei Doppelzimmer und zwei Bädern mit integrierter Sauna. Der loftartige Dachboden kann zusätzlich genutzt werden. Die Energie der Gastgeber ist ansteckend. Kein Wunder also, dass hier immer wieder neue Ideen entstehen. In Themen-Workshops und Co-Creation-Veranstaltungen laden Ilona und Gerhard dazu ein, neue Impulse und kreative Prozesse zu entfalten. So macht Schule Spaß!
Hostel Suomenlinna: Finnisch lernen in Helsinki
Das Gebäude des Hostel Suomenlinna selbst hat eine lange Historie: Vor über 110 Jahren wurde es als Grundschule erbaut, später als Offiziersclub und Restaurant genutzt, bevor es 2002 als gemütliche Unterkunft eröffnet wurde. Bei der Renovierung wurde großer Wert darauf gelegt, den ursprünglichen Charme des Hauses zu bewahren. So ist die Einrichtung bewusst schlicht und authentisch gehalten, viele Elemente stammen aus recycelten Materialien, und die geschützte Bausubstanz wurde mit Sorgfalt erhalten.
Das Hostel wird vom Finnischen Camp School Verband betrieben, der hier umwelt- und kulturpädagogische Programme für Schulklassen und andere Gruppen anbietet. Mit einem Aufenthalt unterstützt man also direkt die Bildungsarbeit rund um das Welterbe Suomenlinna. Gäste erwartet eine herzliche, familiäre Atmosphäre in einem lichtdurchfluteten, historischen Haus. Obwohl das Hostel nur eine 15-minütige Fährfahrt vom Zentrum Helsinkis entfernt liegt, fühlt man sich hier in eine andere Welt versetzt – umgeben von Meer und Natur.
Fazit: Ob authentische Schulatmosphäre und Nostalgie, die Verbindung von Geschichte und Nachhaltigkeit oder absolut modernes Design. Der rote Faden: Diese Unterkünfte bieten mehr als nur ein Bett — sie erzählen Geschichten und schaffen ein besonderes Gefühl. Schulfrei war noch nie so schön.
© Fotos: Rechte bei den Unterkünften, Judith Hehl
Geraldine Voss
Geraldine arbeitet als freie Autorin für Good Travel und hat gerade eine Ausbildung zur Nachhaltigkeitsmanagerin absolviert. Nach zwanzig spannenden Jahren beim Film, widmet sie sich jetzt hauptberuflich ihren anderen Leidenschaften – Reisen, Essen und Design.



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