3 Fragen an Kathrin David von „give and grow“
Kathrin David ist Gründerin und Geschäftsführerin von give and grow, einem Social Start-Up, das sich auf Bildungsarbeit rund um die Themen nachhaltiges Reisen und globaler Dialog spezialisiert hat. Mit seinen Bildungsformaten möchte „give and grow“ dazu beitragen, dass wir unterwegs ganzheitliche Reiseerfahrungen machen und unvoreingenommen miteinander in Verbindung treten. Das Start-Up finanziert seine Arbeit überwiegend aus Projektmitteln der Europäischen Union und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
1. Rucksackpacken gehört zu jedem Urlaub mit dazu. Auf eurer Website stellt ihr allerdings ein etwas anderes Konzept vor – den sogenannten Mental Backpack. Was hat es damit auf sich?
Der Mental Backpack steht für unser geistiges Reisegepäck – und das ist oft vollgepackt mit Erwartungen. Bilder, die vor unseren Augen auftauchen, wenn wir an unsere Reisedestination denken, oder Glaubenssätze und gewisse Vorstellungen, was Kulturen ausmacht. Wenn wir reisen, nehmen wir unseren mentalen Rucksack immer mit. Er ist wie eine Brille, die unsere Wahrnehmung verzerrt. Denn unbewusster Weise bemühen wir uns immer, unsere Reiseerfahrungen an unsere Erwartungen anzupassen.
2. Können wir denn beeinflussen, was sich in unserem Mental Backpack so alles ansammelt?
Das können und sollten wir. Der erste Schritt ist – genau wie beim Ausmisten Zuhause – erst mal eine Bestandsaufnahme. Was genau erwarte ich von meiner Reise? Welche Bilder gehen mir durch den Kopf? Mit welchen Verhaltensweisen rechne ich? Welche Hygiene- und Bildung-Standards erwarte ich? All diese Gedanken sollte man sich am besten aufschreiben. Auf unserer Website haben wir in einem Workbook eine Packliste zusammengestellt, mit deren Hilfe man den eigenen mentalen Rucksack analysieren und ausmisten kann.
3. Inwiefern profitiere ich selbst und die Menschen vor Ort davon, wenn ich mich mit meinem Mental Backpack beschäftige?
Je mehr geistiges Reisegepäck wir in Form von Vorurteilen und Stereotypen unbewusster Weise mit uns herumschleppen, desto unauthentischer wird unsere Reise. Wenn wir uns hingegen mit unserem Mental Backpack auseinandersetzen, geben wir uns die Chance für eine ganzheitlich-bewusstere Reiseerfahrung. Wir können unsere Reisedestination facettenreicher wahrnehmen und kommen mit den Menschen vor Ort persönlicher und näher in Kontakt. Das hilft dabei, Stereotype abzubauen und insgesamt nachhaltigere Reiseentscheidungen zu treffen.
Fazit: Mental Backpack
Wer nachhaltig reisen möchte, sollte nicht nur seinen physischen, sondern auch seinen mentalen Rucksack prüfen. Erwartungen, Bilder und Vorurteile begleiten uns oft unbemerkt – und beeinflussen, wie wir eine Kultur erleben. Kathrin David und give and grow zeigen, dass bewusste Selbstreflexion vor und während einer Reise nicht nur den eigenen Horizont erweitert, sondern auch echte Begegnungen auf Augenhöhe ermöglicht. Wer seinen Mental Backpack ausmistet, schafft Raum für Offenheit, authentische Erlebnisse und nachhaltige Entscheidungen – zum Vorteil für uns selbst und für die Menschen vor Ort.
Ina Hiester
Ina ist digitale Nomadin und reist zu Wasser und zu Lande durch Europa. Dabei hält die Journalistin stets Ausschau nach besonderen Orten für Good Travel, philosophiert in ihrer Kolumne über das Reisen, fotografiert, musiziert und schreibt Artikel zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen aller Art.



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