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Sabine vom Rössli Mogelsberg

Sabine Bertin und das Rössli Mogelsberg – Liebe auf den zweiten Blick

Sabine Bertin ist nicht nur Betriebsleiterin und Gastgeberin des Rössli Mogelsberg, sondern ist auch an der Rezeption des Hotels vorzufinden; sie kümmert sich zudem um die E-Mail-Kommunikation, Reservierungen und die Buchhaltung, sie hilft im Service des eigenen Restaurants aus und übernimmt dafür die Küchenplanung. Sie kann also als wahrhaftes Allround-Talent bezeichnet werden, das den Überblick über die anstehenden Aufgaben behält und dabei die über 20 Mitarbeitenden koordiniert, – und das bereits seit 44 Jahren. Aber nochmal auf Anfang und ins Jahr 1978. Zu einer jungen Frau, die in Zürich lebte und den Traum hatte, ein eigenes kleines Restaurant zu eröffnen.

Sabine Bertin
Rössli Mogelsberg im Winter

Gemeinsam zur Wunscherfüllung, so die Idee

Bekanntlich werden Wünsche dann konkret, wenn man darüber spricht und sie mit anderen teilt. So erging es auch Sabine und ihrem damaligen Mann, die gemeinsam mit Freund:innen Gespräche führten und überlegten, wie sie sich zusammentun könnten, um gemeinschaftlich ein großes Gebäude zu erwerben, – im Raum stand die Idee, eine Fabrik oder ähnliches zu kaufen, um darin Büros, Praxen und Ateliers zu platzieren, denn die Gruppe bestand aus 20 Künstler:innen, Jurist:innen, Ärzt:innen, Psycholog:innen, Berufsberater:innen und Unternehmer:innen. In diesem großen Gebäude sollte das Herzstück ein Restaurant sein, das Sabine und vier weitere aus der Gruppe eröffnen und führen wollten. 

 

Bei der Suche eines geeigneten Gebäudes, hatte ein Freund und Mitglied der „Restaurant-Gruppe“ den Tipp bekommen, dass das Rössli in Mogelsberg zum Verkauf stand. Sabines erster Eindruck war weniger positiv, denn Mogelsberg befindet sich über eine Stunde von Zürich entfernt und war ihr als Ort zu klein und konservativ. Allerdings konnten die anderen vier aus der Gruppe sie überreden, dem Rössli zumindest eine Chance zu geben und so machten sie sich mit dem Auto auf den Weg zu einer Besichtigung. 

 

In Mogelsberg trafen sie die damaligen Wirtsleute, die Sabine von Anfang an total nett fand. Doch das Rössli hatte es ihr im Gegenzug zu den Wirtsleuten überhaupt nicht angetan: Sie empfand es als zu riesig und mächtig. Außerdem waren da Zimmer, die vermietet werden sollten und ein großer Saal im zweiten Stock, – Sabine hingegen wünschte sich ein kleines, feines Restaurant mit einem überschaubaren Speiseraum. Atmosphärisch lag das Objekt weit weg von ihren eigentlichen Wünschen und Vorstellungen an ihren zukünftigen Ort des Lebens und Arbeitens.

 

 

Rössli Mogelsberg im Sommer

Doch es musste eine schnelle Entscheidung her. Die Gruppe schaffte es erneut, Sabine zu überreden und so erwarben sie gemeinsam das große, prächtige Rössli. Von November 1978 bis Weihnachten wurde die Zeit für Renovierungen genutzt und ein Platz geschaffen, damit die Gruppe dort wohnen konnte. Zudem haben sie das Dachgeschoss aufwendig ausgebaut. 

Ab 1979 ging der Hotel- und Restaurantbetrieb los. Sabine entdeckte mit der Zeit, dass das Haus voller Seele steckt und ihr bis heute unglaublich viel Energie und Kraft schenkt. Doch ihre Entscheidung wurde auf die Probe gestellt, als sie nach den ersten acht Jahren im Rössli ein Angebot bekam, gemeinsam mit einem Freund ein Restaurant in der Zürcher Altstadt zu übernehmen. Als sie das uralte Restaurant, in welchem auch Goethe verkehrt haben soll, zum ersten Mal sah, konnte sie ihren Augen nicht trauen, denn alles war genau so, wie sie es sich immer erträumt hatte: klein, herzlich und ohne Zimmer. Diese Möglichkeit brachte eine große Unruhe und Unsicherheit in ihr Leben und sie stellte den Status quo in Frage.

Durch Schweigen zur Entscheidung

Da Worte und Gespräche zu keiner Entscheidung führten, musste ein anderer Plan her. Sabine beschloss, an einer buddhistischen Zen-Session teilzunehmen. Dabei sollte sie zehn Tage schweigen. Diese Zeit nutze sie, um in sich hineinzuhören und -zufühlen. Sie wollte nicht abgelenkt werden und eine Entscheidung treffen, die nur aus ihrem Inneren herauskommt, ohne Beeinflussung von anderen. Während des Schweigens erhielt sie ein Bild in ihrem Kopf: Das Rössli war auf einem Hügel zu sehen und strahlte lichterfüllt in die Weite, am Fußende des Hügels befand sich Zürich, das grau und düster wirkte. Dieses Bild und die Zeit des Schweigens bildeten den Moment ihrer Entscheidung. Einer Entscheidung für das Leben im Rössli. Am letzten Tag des Schweigens wusste sie: Sie bleibt in Mogelsberg.

„Nicht ich habe das Rössli gefunden, das Rössli hat mich gefunden.“ – Sabine Bertin

 

Schlafen und Speisen im Sinne der Sternzeichen

In jüngeren Jahren beschäftigte sich Sabine mit Astrologie und den 12 Prinzipien der Sternzeichen. Für sie waren diese Prinzipien ein tolles System, die Welt zu erklären, denn sie findet, dass man sie auf alle Bereiche des Lebens anwenden kann, so beispielsweise auch auf Farben oder Geschmacksnoten. Dementsprechend gestaltete sie die Farbwahl und -einrichtung der Zimmer im Rössli, aber auch die Wahl der Gourmet-Menüs, die sich jeden Monat mit den Sternzeichen verändern.

 

Seit dem 24. September genießen die Gäste des Hotels das Menü der Waage. Passend zum Sternzeichen gibt es ein farbenfrohes Menü, das für einen gewissen „Wow-Effekt“ sorgt und auf die künstlerische Ader von Waagen abzielt. Sie sind Vermittler:innen, harmonisch, suchen die Balance und haben einen Sinn für das Schöne und Besondere. Aus diesem Grund darf im Menü auch kein Champagner fehlen. Die einzelnen Gänge werden nicht nur hübsch angerichtet, sondern haben es geschmacklich in sich. Auf die Teller kommen unter anderem eine leichte Gemüse-Terrine mit buntem Blattsalat, frisch gebratene Steinpilze auf Champagner-Risotto sowie Gemüsebeutel aus Bric Teig auf Peperonicrème mit „Spätzli“ und Herbstgemüse.

1. Gang Menü
Menü 3. Gang
4. Gang Menü

Im “Stier-Zimmer” befindet sich ein 350 Jahre alter Holzboden, ebenso wie vier Betten, denn Stiere sind Familienmenschen und können so mit den Liebsten im Rössli übernachten. Da Stiere Herdentiere sind, die sehr traditionell und in Verbindung mit der Natur stehen, fiel Sabines Wahl auf eine alte Truhe, die als Schrank dient und auf eine grüne Dusche, die wie eine frühlingshafte Wiese wirken soll.

Stierzimmer
Stierzimmer mit Bad

Besondere Energie abseits des Trubels

Heute genießt Sabine die Ruhe, welche die Ortschaft Mogelsberg ausstrahlt. Das hört sie auch immer wieder von ihren Gästen, die den „Stadt Stress“ bereits nach kurzer Zeit nach dem Ankommen abfallen spüren. Die Zeit vergeht dort einfach langsamer – die beste Voraussetzung, um sich zu regenerieren, ein paar schöne Tage zu verbringen und sich verwöhnen zu lassen. 

Biologisch und nachhaltig von Beginn an

Neben der Ruhe möchte Sabine den Gästen einen unvergesslichen Aufenthalt bescheren. Dazu gehören für sie biologische, saisonale und regionale Speisen im Restaurant und ebenso ein biologischer Bau, der für ein besonderes Wohlfühl-Erlebnis sorgt. Das baubiologische Prinzip müssen auch die Schreiner einhalten, die immer mal wieder Arbeiten im Hotel vornehmen.

Die Hotelzimmer sind mit hochwertigen Schweizer Naturbetten ausgestattet und an den Fenstern hängen Vorhänge aus biologischer Baumwolle oder Bio-Seide. Auch bei den vermeintlich kleinen Dingen des Hotelbetriebs legt Sabine höchsten Wert auf die Umweltverträglichkeit: Es wird wenig gedruckt, Papier wird nochmals verwendet, geputzt wird mit ökologischen Reinigungsmittel, die Räume sind mit LED-Lampen ausgestattet und die Heizung hängt an einer zentralen Schnitzelheizung im Dorf.

Auch wenn es bei Sabine und dem Rössli keine Liebe auf den ersten Blick war, ist es eine Liebe, die seit über vier Jahrzehnten hält und wächst. Und genau das bekommen die Gäste zu spüren.

 

DAS RÖSSLI MOGELSBERG HAT UNS EIN REZEPT VERRATEN UND BACKT SCHLORZIFLADEN

 

© Fotos: Rössli Mogelsberg

Cécile ist freie Autorin und Nachhaltigkeitsstrategin. Sie genießt das Reisen in vollen Zügen: Verschiedene Kulturen kennenzulernen, anderen Sprachen zu lauschen und dabei entweder am Meer oder in einer (Groß-)Stadt Neues zu entdecken, fasziniert sie immer wieder. Besonders liegen ihr die Geschichten und Intentionen der Good Travel Gastgeber:innen am Herzen.

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