Wie durch Fotografien Schulbildung ermöglicht wird

John Vincent mit seiner Kamera

Durch Emotionen und Geschichten schafft Kunst einen Sinn und erfüllt so das Leben eines jeden ganz individuell. Doch kann Kunst auch Bildung schaffen? Die gemeinnützige Organisation Art Meets Education hat sich genau dies zur Aufgabe gemacht. Kinder aus finanziell benachteiligten Familien kreieren eigenständig Kunst und ermöglichen sich dadurch die Schulbildung. Möglich gemacht wird das durch die Erlöse, die auf deutschlandweiten Ausstellungen eingenommen werden. So starten die Kinder mit einer guten beruflichen Perspektive in ein selbstbestimmtes Leben ohne Armut.

Jonny – eine Begegnung, die alles veränderte

Nico Klein-Allermann, Gründer von Art Meets Education, ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Durch die philippinischen Wurzeln seiner Mutter verbindet ihn eine tiefe Verbundenheit zu diesem Land. Seit der Kindheit bereist er die Philippinien regelmässig, um seine dort ansässige Familie zu besuchen. Fast täglich spielte er dort als kleiner Junge mit seinem Cousin Timothy in einem angrenzenden Slum. An einem Verkaufsstand für Barbecue kauften sich die beiden oft eine Kleinigkeit zu Essen bei einem gleichaltrigen Jungen namens Jonny.

Als Nico dreizehn Jahre alt war, war auch Jonny dreizehn. Nico ging bereits in die weiterführende Schule. Jonny verkaufte Barbecue. Nico wurde neunzehn und hatte sein Abitur erfolgreich absolviert. Jonny verkaufte Barbecue. Heute ist Nico selbstständiger Fotograf, hat sein Studium beendet, die Welt bereist und dabei viele neue Lebenserfahrungen gesammelt. Jonny steht noch heute an derselben Straßenecke, hat bereits mehrere Kinder und verkauft Barbecue. Das Privileg auf Schulbildung, Weiterbildung und Selbstfindung blieb Jonny vorenthalten. Das zu realisieren, war für Nico der Moment, an dem sich für ihn alles änderte.

Oftmals fehlen die finanziellen Mittel für die Schuluniform und mehr

So entstand im August 2016 innerhalb von nur zwei Wochen das erste Projekt in Manila. Der Grundstein für Art Meets Education war gelegt und die ersten Kinder bekamen die Chance, sich ihre eigene Bildung durch Fotografie zu finanzieren.

Das Gründungsteam von AME

Die öffentlichen Schulen sind zwar in der Regel staatlich finanziert, dennoch fehlt es den betroffenen Familien oftmals an den Geldern, um die Kinder zur Schule zu schicken. Dabei fehlt vor allem an den finanziellen Mitteln für Schuluniformen, Schulmaterialien, Büchern, anfallenden Fahrtkosten sowie das Mittagessen. Genau an solche Familien richtet sich das Projekt von Art Meets Education. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Eltern die Schulausbildung ihres Kindes auch unterstützt hätten, wenn sie die erforderlichen Mittel dazu gehabt hätten. Leider bis heute keine Selbstverständlichkeit auf den Philippinien.

Eine enge Zusammenarbeit mit der Familie ist wichtig

Nur durch den dauerhaften Kontakt zwischen den Eltern, der Schule und dem Projekt, kann der erfolgreiche Abschluss der Highschool gewährleistet werden. Um diese intensive Betreuung der Kinder über zwölf Jahre hinweg zu gewährleisten, ist die Teilnehmerzahl pro Projekt auf zehn Kinder beschränkt. Um zu prüfen, ob das jeweilige Kind die Kriterien erfüllt, wird ein intensives Gespräch bei ihnen zu Hause durchgeführt.

Der Projektablauf von AME

Anschließend findet ein gemeinsames Treffen mit allen Teilnehmern statt. Dabei lernen sich die Familien kennen und der Projektverlauf wird genauer erklärt. Danach lernen die Kinder beim Foto-Workshop den Umgang mit der Kamera. Hier steht das technische Verständnis im Vordergrund, das Projektteam hält sich bezüglich der Sujets der Nachwuchskünstler vollständig heraus.

Im Anschluss findet die kreative Phase statt, in der die Kinder mit der Kamera in der Hand durch die Straßen ziehen und ihren Alltag und Umgebung fotografieren. Bei den anschließenden Interviews erzählen die Kinder von ihren Hobbies, Träumen und Berufswünschen. So bekommt jedes Foto am Ende ein Gesicht und die dazugehörige Geschichte. Viele der hier gegebenen Antworten spiegeln sich in den späteren Fotografien wider.

Von der Straße zur Ausstellung

Eine Auswahl, die in enger Zusammenarbeit mit der gesamten Familie getroffen wird, wird auf Ausstellungen in ganz Deutschland präsentiert. Wie auf dem Kunstmarkt üblich werden die ausgewählten Motive gerahmt, vom Künstler handsigniert und in einer limitierten Auflage von fünf Exemplaren zum Verkauf angeboten. Zusätzlich dazu kann man Poster und Postkarten, zum Beispiel im Online-Shop von AME, kaufen. Der Kauf eines Posters sichert dabei bereits schon einen Monat Schule für die Kinder.

Die Kinder mit ihren Postkarten

Erste Erfolge in der Millerntor Gallery

Erste Erfolge konnte AME auf einer Ausstellung in der Millerntor Gallery erzielen. Hier entdeckte der zwölfjährige Malte eine ausgestellte Fotografie des achtjährigen Künstlers Terienz. Er investierte sein gesamtes Taschengeld, um es an die Wand in seinem Zimmer hängen zu können und wurde so zum jüngsten Käufer von AME. Malte posierte mit seinem ersten selbst gekauften Kunstwerk und der junge Künstler Terienz reagierte mit einem Video, in dem er sich für den Kauf, und damit die Sicherung von ein paar Monaten Schule, bedankte.

Außerdem konnte dort ebenfalls das erste Original verkauft werden. Der ehemalige Fußballnationalspieler und Cheftrainer des FC St. Pauli Ewald Lienen entschied sich für das Bild „Colored Walls“ von Terienz Adrien A. Rivas.

Das erste Projekt Manila – Olandes Marikina 1 konnte 2017 komplett finanziert werden und sichert somit den Schulbesuch bis zum Highschool-Abschluss für die sieben Künstlerinnen und Künstlern. Das zweite Projekt Manila – Olandes Marikina 2 ist Ende 2017 gestartet. Die ersten Schuljahre konnten hier bereits gesichert werden, sodass Anfang Juni alle zehn Kinder eingeschult wurden. Ziel ist es, auch hier die gesamte Schulzeit zu finanzieren.

Die Kinder mit dem AME-Team
Wall of Fame

Kinder sind ehrliche und großartige Künstler

Die Fotografien von Art Meets Education zeigen, dass Kinder ehrliche und großartige Künstler sind. Schon Pablo Picasso sagte: „Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“ Kinder vertrauen ganz unbefangen auf ihren eigenen Blick. Mit einer Kamera in der Hand streifen sie durch die Straßen und fotografieren ihre Umgebung. Durch diese naive Kreativität entstehen ganz besondere Kunstwerke, die losgelöst von gesellschaftlichen Werken, Regeln und Strukturen sind.

Schulbildung ermöglichen und gleichzeitig die Kreativität fördern

Für Art Meets Education ist die Fotografie dabei nicht nur ein Mittel zur Finanzierung der Schulbildung, sie wird zu einem Medium durch das die Kinder ihre Gefühle und Erlebnisse ihres Alltags verarbeiten und festhalten können. In vielen Entwicklungsländern rücken die kreativen Fähigkeiten von Kindern leider häufig in den Hintergrund. Stattdessen sollen sie im Haushalt helfen und für ihre Geschwister Verantwortung übernehmen.

Durch die Fotografien wird den Kindern Raum für eigenständiges Denken und Arbeiten gegeben, was wiederum ihre Fähigkeiten und das Vertrauen in sich selbst stärkt. Art Meets Education ist der Überzeugung, dass jedes Kind einen inneren, richtungsweisenden Kompass hat, den es zu fördern gilt. Jedes Jahr soll so weiteren Kindern die Chance geboten werden, ihre Schulausbildung durch ihre eigene Kreativität zu finanzieren.

My Personal Catwalk von Aaliyah
Our Secret von Aaliyah
Mahal Kita (I Love You) von Jaymee
Let's Go Outside von Jayson
Blue Pink von Rhojan
  1. My Personal Catwalk von Aaliyah (5 Jahre)
  2. Our Secret von Aaliyah (5 Jahre)
  3. Mahal Kita (I Love You) von Jeymee (11 Jahre)
  4. Let's Go Outside von Jayson (8 Jahre)
  5. Blue Pink von Rhojan (9 Jahre)

Langfristig soll das Projekt auch in andere Länder übertragen werden. So soll eine Sammlung an Kunstwerken von Kindern aus der ganzen Welt entstehen, die durch naive Kreativität überzeugt und ihnen gleichzeitg einen Weg aus der Armut aufzeigt.

Mehr zu Art Meets Education findest du hier

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